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Wissenschaft

Diese Flechtenart könnte auf dem Mars überleben, sagen Forscher*innen

Mars gilt gemeinhin als lebensfeindlich – eiskalt, trocken, voller Strahlung und mit einer Atmosphäre, in der wir keine Sekunde überleben würden. Doch eine neue Studie aus Polen wirft nun die Frage auf: Haben wir das Durchhaltevermögen mancher Lebensformen womöglich unterschätzt?
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

In einem Experiment, das am Montag in der Fachzeitschrift IMA Fungus veröffentlicht wurde, haben Forscher*innen zwei Flechtenarten unter Mars-ähnlichen Bedingungen getestet. Das Ergebnis: Eine von ihnen, Diploschistes muscorum, hielt nicht nur durch, sondern blieb sogar biologisch aktiv – und das unter Bedingungen, die als absolut tödlich für bekannte Lebensformen gelten.

Was sind Flechten eigentlich?

Flechten sehen ohnehin schon aus, als kämen sie von einem anderen Planeten. Sie bestehen aus einer Symbiose verschiedener Organismen: Pilze, Algen und/oder Cyanobakterien leben eng miteinander verbunden. Diese urtümlichen Lebensgemeinschaften gelten als extrem widerstandsfähig und kommen heute in einigen der härtesten Lebensräume der Erde vor – etwa in arktischen Tundren, alpinen Felsen oder trockenen Wüsten.

Im Rahmen der neuen Studie wurden Diploschistes muscorum und Cetraria aculeata fünf Stunden lang einem simulierten Mars-Klima ausgesetzt. Dazu gehörten extreme Temperaturschwankungen, niedriger Luftdruck und eine Strahlendosis, wie sie auf dem Roten Planeten während eines Jahres intensiver Sonnenaktivität auftreten könnte.

Das Ergebnis: Während C. aculeata unter diesen Bedingungen kaum durchhielt, zeigte sich D. muscorum erstaunlich stabil. Der Pilzanteil der Flechte blieb metabolisch aktiv – das bedeutet, dass lebenswichtige biochemische Prozesse weiterhin abliefen.

Leben auf dem Mars – eine Frage der Anpassung?

„Unsere Studie ist die erste, die zeigt, dass der Stoffwechselpartner der Flechtensymbiose unter marsähnlichen Bedingungen aktiv bleiben kann“, sagt Kaja Skubała, Erstautorin der Studie und Biologin an der Jagiellonen-Universität in Krakau. „Diploschistes muscorum war in der Lage, seine metabolischen Prozesse aufrechtzuerhalten und gleichzeitig wirksame Abwehrmechanismen zu aktivieren.“

Besonders überraschend: Selbst die hochenergetische ionisierende Strahlung – ein bisher als unüberwindbar geltendes Hindernis für Leben auf dem Mars – konnte der Flechte offenbar nicht viel anhaben. Die Studie zeigt, wie sogenannte „hydratisierte Organismen“ (also Lebensformen mit ausreichend Wasser im Gewebe) auf diese Strahlung reagieren und sich aktiv schützen können.

Mehr als nur ein kurioses Experiment

Auch wenn niemand bei der NASA aktuell darüber nachdenkt, den Mars mit Flechten zu besiedeln, wirft die Forschung spannende Fragen auf: Was, wenn einfache Lebensformen wie diese in der Lage wären, tatsächlich auf anderen Planeten zu überleben? Könnten sie als biologische Sensoren, erste Kolonisten oder gar als Grundlage für Terraforming-Projekte dienen?

„Diese Erkenntnisse erweitern unser Verständnis darüber, wie biologische Prozesse unter simulierten Marsbedingungen ablaufen“, so Skubała. „Und sie zeigen, dass einige Organismen nicht nur überleben, sondern sich aktiv anpassen können – auch in Umgebungen, die wir bislang als völlig unbewohnbar eingestuft haben.“

Hart im Nehmen – und vielleicht bereit für andere Welten

Ob nun als Modellorganismus für außerirdisches Leben oder als Grundlage für künftige Marsforschung – Diploschistes muscorum hat sich mit diesem Experiment ins Rampenlicht katapultiert. Es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass das Leben auf der Erde nicht nur vielfältig, sondern auch unglaublich widerstandsfähig ist.

Vielleicht ist es also an der Zeit, unsere Vorstellung davon, wo Leben existieren kann – und wie es aussieht – grundlegend zu überdenken. Die Antwort auf die Frage „Sind wir allein im Universum?“ könnte irgendwann mit einem leisen „Vielleicht nicht – schaut euch die Flechten an“ beginnen.

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