Nach einer schweren Kollision zweier Schiffe in der Nordsee hat die britische Polizei einen Mann wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung festgenommen. Laut Sky News ereignete sich das Unglück am Montag vor der Ostküste Englands, als ein Frachtschiff mit einem vor Anker liegenden Tanker kollidierte, der Jet-Treibstoff für das US-Militär transportierte.
Die britische Humberside-Polizei bestätigte gegenüber Sky News, dass ein 59-jähriger Mann „wegen des Verdachts auf grob fahrlässige Tötung im Zusammenhang mit der Kollision“ festgenommen wurde. Er befindet sich derzeit in Polizeigewahrsam, wurde jedoch noch nicht offiziell angeklagt.
Feuer und Explosionen nach der Kollision
Laut Berichten war der US-Tanktransporter Stena Immaculate vor der englischen Küste vor Anker, als das unter portugiesischer Flagge fahrende Frachtschiff Solong gegen 9:45 Uhr Ortszeit am Montag in das Schiff krachte. Die Kollision führte zu Bränden und mehreren Explosionen. 36 Personen konnten gerettet werden, doch ein Besatzungsmitglied der Solong wird vermisst und gilt als tot. Berichten zufolge wird das havarierte Schiff einfach sinken gelassen.
Die Solong war am Sonntag aus einem schottischen Hafen ausgelaufen und auf dem Weg nach Rotterdam in den Niederlanden. Die Stena Immaculate hatte 220.000 Barrel Jet-Treibstoff an Bord, berichtet The Independent.
Verwirrung um gefährliche Ladung
Anfangs gab es Spekulationen, dass die Solong hochgiftiges Natriumcyanid geladen hatte. Die Reederei dementierte dies jedoch und stellte klar, dass sich zwar vier Container an Bord befanden, die früher das Chemikalium transportiert hatten, diese aber leer waren. Diese Fehlinformation sorgte zunächst für Unruhe.
Mögliche ausländische Einmischung?
Einige britische Politiker spekulierten über mögliche „ausländische Einmischung“ in das Unglück. Noch gibt es jedoch keine gesicherten Erkenntnisse über die genaue Ursache. Der britische Marineminister Mike Kane betonte laut The Independent, dass es zwar berechtigt sei, solche Fragen zu stellen, aber noch keine Hinweise auf böswillige Absichten vorlägen.
„Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir nicht von einer absichtlichen Tat aus. Dennoch wird die Marineunfalluntersuchungsbehörde eine umfassende Untersuchung durchführen“, sagte Kane.
Besonders auffällig: Wäre die Kollision zwischen zwei fahrenden Schiffen passiert, wäre sie leichter zu erklären. Doch der Umstand, dass die Stena Immaculate zum Zeitpunkt des Unfalls vor Anker lag, wirft viele Fragen auf.
Ermittlungen laufen weiter
Der leitende Kriminalbeamte der Humberside-Polizei, Craig Nicholson, bestätigte, dass seine Behörde eng mit der Marineunfalluntersuchungsbehörde zusammenarbeiten werde, um die genaue Ursache des Unfalls zu klären.
„Unsere Gedanken sind bei der Familie des vermissten Besatzungsmitglieds. Ich habe Familienbetreuer beauftragt, um Kontakt aufzunehmen und Unterstützung anzubieten“, erklärte Nicholson gegenüber Sky News. „Der festgenommene Mann bleibt vorerst in Gewahrsam, während die Ermittlungen weiterlaufen. Wir sprechen weiterhin mit allen Beteiligten, um die vollständigen Umstände des Vorfalls aufzuklären.“
Die nächsten Tage dürften zeigen, ob es sich um einen tragischen Unfall oder doch um menschliches Versagen handelte.