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Wissenschaft

Hoffnung für Meeresschildkröten: Bedrohte Arten zeigen Zeichen der Erholung Artenschutz wirkt – und das sogar weltweit

Ein globaler Vergleich von Schutzmaßnahmen legt nahe: Der jahrzehntelange Einsatz für die uralten Meeresbewohner scheint Wirkung zu zeigen.
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Artenschutz wirkt – und das sogar weltweit

Es gibt endlich mal gute Nachrichten aus dem Tierreich: Mehrere Meeresschildkrötenarten, die bisher als bedroht oder vom Aussterben gefährdet galten, zeigen laut einer neuen Studie erste Anzeichen der Erholung.

Schutz zeigt Wirkung bei über der Hälfte der untersuchten Populationen

Veröffentlicht wurde die Studie im Fachjournal der Inter-Research Science Publisher. Sie analysiert insgesamt 48 sogenannte „Regionale Managementeinheiten“ (RMUs) – das sind Gruppen von Meeresschildkröten, die denselben Lebensraum teilen und ähnlichen Bedrohungen ausgesetzt sind. Das Ergebnis: Über die Hälfte dieser RMUs zeigt positive Entwicklungstendenzen.

Die Forschenden um Bryan Wallace vom Institut Ecolibrium betonen, dass die Resultate „die offensichtliche Wirksamkeit vieler bestehender Schutzstrategien“ belegen. Im Schnitt nahmen die Bestände der beobachteten Gruppen zu. Außerdem verbesserten sich die Bedrohungswerte bei fast doppelt so vielen RMUs (53 %) wie bei denen, bei denen sich die Lage verschlechterte (28 %).

Nur sieben Arten – aber globale Verbreitung

Es gibt weltweit nur sieben Arten von Meeresschildkröten, von denen sechs als gefährdet gelten. Die siebte Art, die australische Flachrückenschildkröte, wurde in der Studie nicht berücksichtigt – es fehlen belastbare Daten.

Trotz ihrer geringen Artenzahl besiedeln Meeresschildkröten zahlreiche verschiedene Lebensräume in den Ozeanen rund um den Globus. Doch fast alle Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, gehen direkt oder indirekt auf den Menschen zurück: Beifang in der Fischerei, Verlust von Nistplätzen durch Küstenbebauung, Kollisionen mit Schiffen, Plastikmüll, Wilderei sowie die Folgen des Klimawandels machen den Tieren das Überleben schwer.

Atlantik versus Pazifik: Zwei unterschiedliche Welten

Die Daten zeigen auch regionale Unterschiede: Während Schildkrötenpopulationen im Atlantik insgesamt geringeren Risiken ausgesetzt sind, ist die Situation im Pazifik deutlich kritischer. Besonders besorgniserregend ist der Zustand der Bastardschildkröte (Kemp’s Ridley) – sie gilt laut dem US National Park Service als die am stärksten gefährdete Meeresschildkröte der Welt. Auch bei den Lederschildkröten, der größten heute lebenden Schildkrötenart, gibt es rückläufige Nistzahlen im Pazifikraum.

Rechtlicher Schutz macht einen Unterschied

In den USA stehen alle Meeresschildkrötenarten unter Schutz des Endangered Species Act. Darüber hinaus verbietet das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) den internationalen Handel mit Schildkrötenprodukten – darunter auch die begehrten Schildpatt-Schalen, die früher für Schmuck und Dekoration verwendet wurden.

Ein Hoffnungsschimmer, aber kein Grund zur Selbstzufriedenheit

Auch wenn noch nicht alle Schildkrötenpopulationen stabile Bestände aufweisen, ist der Trend ein positives Signal. „Viele Schildkrötenpopulationen haben sich erholt – manche leider nicht“, sagt der Ökologe Stuart Pimm von der Duke University gegenüber der Associated Press. Er war nicht an der Studie beteiligt, nennt das Ergebnis aber dennoch eine der wenigen echten Erfolgsgeschichten im Artenschutz.

Die neue Studie liefert ein starkes Argument dafür, wie wichtig langjähriges Engagement und konsequente Schutzmaßnahmen sind. Es zeigt sich: Wenn wir handeln, können wir zumindest einen Teil des Schadens wiedergutmachen, den wir der Natur zugefügt haben.

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