Eine aktuelle Untersuchung der Non-Profit-Organisation Clean Label Project zeigt: Fast die Hälfte der getesteten Proteinpulver enthält potenziell bedenkliche Mengen an Blei, Kadmium und anderen Schwermetallen – insbesondere bei pflanzlichen, biologischen oder schokoladenhaltigen Produkten.
Fast jedes zweite Produkt über Grenzwert
Insgesamt wurden 160 Proteinpulver von 70 führenden Marken getestet, die rund 83 % des US-Marktes abdecken. Das Ergebnis ist alarmierend: 47 % der Produkte wiesen Konzentrationen von Blei, Kadmium und weiteren Metallen auf, die den in Kalifornien gesetzlich festgelegten Grenzwert laut Proposition 65 überschreiten. Besonders betroffen: Pulver mit Schokolade (65 %), pflanzenbasierte Produkte (77 %) und Bio-Proteine (79 %). Bei 21 % aller getesteten Produkte lag der Bleigehalt sogar doppelt so hoch wie erlaubt.
Proposition 65, ein kalifornisches Gesetz aus dem Jahr 1986, reguliert die Belastung durch über 900 potenziell gesundheitsschädliche Stoffe. Die gesetzlich festgelegten Höchstwerte gelten als besonders streng – strenger als die der US-Gesundheitsbehörde FDA.
Bio und pflanzlich – aber nicht automatisch besser
Gerade jene Pulver, die sich als besonders gesund vermarkten – etwa auf pflanzlicher Basis oder aus kontrolliert biologischem Anbau – schnitten in der Analyse deutlich schlechter ab. Auch Schokoladengeschmack scheint problematisch zu sein. Laut der Studie enthielten diese Varianten deutlich häufiger Blei und Kadmium als tierbasierte Produkte wie Whey- oder Kollagenpulver.
Ein Grund dafür könnte in der Herkunft der Rohstoffe liegen. Pflanzen nehmen Schwermetalle wie Blei und Kadmium direkt aus dem Boden auf – je nach Anbauregion kann das zu höheren Belastungen führen. Schokolade wiederum wird aus Kakaobohnen gewonnen, die ebenfalls oft mit Blei belastet sind. Bereits eine Studie aus dem letzten Jahr hatte gezeigt, dass viele Kakaoprodukte – insbesondere Zartbitterschokolade – kritische Bleimengen enthalten können.
Blei bleibt ein Gesundheitsrisiko – auch in kleinen Dosen
Obwohl die Bleibelastung in der Umwelt seit den 1970er-Jahren durch Maßnahmen wie das Verbot von verbleitem Benzin stark gesunken ist, bleibt der Stoff ein Dauerthema in der Gesundheitsdebatte. Denn selbst geringe Mengen können insbesondere bei Kindern zu neurologischen Schäden führen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont seit Jahren: Es gibt keinen sicheren Schwellenwert für Bleiaufnahme.
Die Autor*innen der Studie sehen in ihren Ergebnissen deshalb einen deutlichen Warnruf: „Die Ergebnisse zeigen, dass viele Produkte trotz wachsender Gesundheitsorientierung der Konsumenten Verunreinigungen enthalten, die auf klassischen Nährwerttabellen gar nicht auftauchen.“ Die Studie nennt zwar keine konkreten Markennamen, betont aber, dass Molken- und Kollagenprodukte seltener belastet waren.
Kein Grund zur Panik – aber Grund zum Nachdenken
Andere Studien weisen darauf hin, dass der durchschnittliche Konsum von Proteinpulvern allein in der Regel nicht ausreicht, um gesundheitsschädliche Schwermetallwerte im Körper zu verursachen. Dennoch: Blei ist kumulativ – das heißt, es reichert sich mit der Zeit im Körper an. Besonders bei regelmäßigem Konsum mehrerer belasteter Produkte kann das zum Problem werden.
Die Clean-Label-Forscherinnen wollen mit ihrer Untersuchung in erster Linie Bewusstsein schaffen – sowohl bei Konsumentinnen als auch bei Herstellern und Behörden. Hersteller sollten künftig transparenter über mögliche Kontaminanten informieren und ihre Lieferketten stärker kontrollieren. Konsument*innen wiederum sollten nicht automatisch davon ausgehen, dass „bio“ oder „pflanzlich“ gleichbedeutend mit „sicher“ ist.
Gute Nachrichten am Rande
Ein kleiner Lichtblick findet sich dennoch im Bericht: Die Belastung mit Bisphenolen – hormonstörende Chemikalien, die unter anderem das Hormonsystem negativ beeinflussen können – ist deutlich zurückgegangen. Während 2018 noch 55 % der getesteten Proteinpulver Bisphenole enthielten, waren es in der aktuellen Untersuchung nur noch 3 von 160 Produkten (rund 2 %).
Das zeigt: Verbesserungen sind möglich – wenn Hersteller reagieren und Konsument*innen aufmerksam bleiben.