Es ist ein historischer Moment für Hollywoods stillste Helden: Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat offiziell angekündigt, dass es ab dem Jahr 2028 einen Oscar für Stuntdesign geben wird. Die neue Kategorie wird Filme aus dem Jahr 2027 auszeichnen – und erstmals wird die Leistung von Stunt-Profis nicht nur anerkannt, sondern auch in der TV-Übertragung der Verleihung gefeiert.
Eine jahrzehntelange Kampagne kommt ans Ziel
Wie Variety berichtet, wird der neue Preis den offiziellen Titel Academy Award for Achievement in Stunt Design tragen. Für die Stunt-Community ist diese Ankündigung ein Meilenstein. Jeff Wolfe, Präsident der Stuntmen’s Association, brachte die kollektive Freude treffend auf den Punkt:
„Das ist ein historischer Moment für unsere Branche. Seit Jahrzehnten tragen Stuntleute, Koordinator:innen und Action-Designer:innen entscheidend zur Magie des Kinos bei – oft unter Lebensgefahr. Diese Anerkennung würdigt die Leidenschaft, Innovation und Kreativität, die in jedem Sprung, jeder Prügelei und jedem Feuerball steckt. Es ist nicht nur ein Sieg für uns – es ist ein Sieg für das Geschichtenerzählen.“
Die treibenden Kräfte: Cruise, Stahelski & Leitch
Die Forderung nach einem Stunt-Oscar ist nicht neu – aber sie hat in den letzten Jahren starke Fürsprecher bekommen. Tom Cruise, selbst bekannt für seine waghalsigen Stunts in Mission: Impossible, war einer der prominentesten Unterstützer. Ebenso Chad Stahelski (John Wick, The Matrix) und David Leitch (Bullet Train, Deadpool 2, The Fall Guy), die beide selbst als Stuntmen angefangen haben und heute als Regisseure und Produzenten arbeiten.
Leitchs jüngster Film The Fall Guy ist eine regelrechte Liebeserklärung an die oft übersehenen Stunt-Profis. Gemeinsam gründeten er und Stahelski die Produktionsfirma 87North, die sich zum Ziel gesetzt hat, Stuntarbeit als essenziellen Bestandteil des Filmschaffens sichtbar zu machen.
Mehr als Action – echte Kunst
Dass Stunts mehr sind als bloße Action-Einlagen, zeigen moderne Filme eindrucksvoll. Hinter jeder spektakulären Szene stehen oft monatelange Planung, intensive Koordination, technische Meisterleistungen und physische Höchstleistung. Es geht um mehr als nur Risiko – es geht um Erzählkraft durch Bewegung.
Der neue Oscar wird nicht nur einzelne Performances würdigen, sondern das gesamte Stuntdesign eines Films – also die kreative und technische Gestaltung von Actionsequenzen in enger Zusammenarbeit mit Regie, Kamera und Schnitt.
Ein längst überfälliger Schritt
Viele Filmfans, Insider und Medienschaffende sehen die Entscheidung als überfällig an. Denn obwohl Stunts seit den Anfängen des Kinos eine tragende Rolle spielen – von Buster Keaton bis hin zu heutigen Blockbustern – blieben sie bei den Oscars bisher außen vor. Selbst ikonische Szenen, die ohne Stuntteams nie entstanden wären, wurden bislang ohne offiziellen Applaus hingenommen.
Ab 2028 ändert sich das. Endlich bekommen jene ihren Moment im Rampenlicht, die sonst dafür sorgen, dass andere glänzen. Ein Zeichen dafür, dass auch Hollywood langsam versteht: Kunst entsteht nicht nur im Dialog, sondern auch im freien Fall.