OpenAI bleibt vorerst eine gemeinnützige Organisation. Das gab das Unternehmen am Montag offiziell bekannt. Damit endet – zumindest temporär – ein monatelanger Machtkampf um die Struktur des KI-Vorreiters, der nicht zuletzt durch eine Klage von Mitgründer Elon Musk ausgelöst wurde.
Seit seiner vorübergehenden Absetzung durch den eigenen Vorstand versucht CEO Sam Altman, sich aus dem Einfluss der Non-Profit-Struktur zu befreien. Der Plan: OpenAI vollständig in eine gewinnorientierte Firma umzuwandeln. Doch nach heftiger Gegenwehr aus verschiedenen Richtungen scheint dieses Vorhaben nun gestoppt.
Warum sollte OpenAI überhaupt zur Profitmaschine werden?
Die Antwort ist simpel: Geld. Als Non-Profit darf OpenAI theoretisch keine Rendite für Investoren erwirtschaften, sondern soll sich laut Satzung der Mission widmen, dass „künstliche Intelligenz der gesamten Menschheit zugutekommt“. Klingt ehrenwert – aber erschwert das Fundraising erheblich.
Tatsächlich konnte OpenAI Anfang des Jahres eine gigantische Finanzierung über 40 Milliarden Dollar sichern, hauptsächlich von SoftBank. Die Auszahlung war jedoch an die Umstrukturierung zu einer gewinnorientierten Gesellschaft gekoppelt. Jetzt hängt dieses Geld in der Luft.
Kommerzieller Arm bleibt – aber mit neuem Etikett
OpenAI wird weiterhin eine kommerzielle Tochter betreiben, die Sam Altman leitet. Diese war bislang als LLC (Limited Liability Company) organisiert – künftig soll sie jedoch als Public Benefit Corporation (PBC) geführt werden. Ein Schritt, der laut Beobachtern die Weichen für einen möglichen Börsengang stellen könnte.
Anders als eine klassische Kapitalgesellschaft muss eine PBC nicht ausschließlich den Interessen der Aktionäre dienen, sondern auch einem gesellschaftlichen Zweck. Die gemeinnützige Mutterorganisation bleibt Hauptanteilseignerin und behält die Kontrolle.
Zudem wird damit offenbar das bisherige „Capped-Profit“-Modell abgeschafft, das die Rendite für Investoren auf das 100-fache ihrer Investition begrenzte.
Widerstand von allen Seiten – mit ganz eigenen Motiven
Die geplante Umstrukturierung rief Gegenwind hervor – aber nicht unbedingt aus reiner Sorge um das Gemeinwohl. Elon Musk etwa reichte Klage ein, offenbar nicht nur aus Prinzip, sondern auch als Teil einer persönlichen Fehde mit Altman, nachdem die beiden in Ungnade auseinandergegangen waren.
Auch Meta sprach sich öffentlich gegen die Änderung aus – schwer vorstellbar, dass das ganz uneigennützig war, schließlich entwickelt der Konzern mit LLaMA einen direkten ChatGPT-Konkurrenten und dürfte Interesse daran haben, OpenAIs Kapitalzufluss zu bremsen.
Zahlreiche Non-Profit-Organisationen meldeten sich ebenfalls kritisch zu Wort: Sie befürchteten, OpenAI könne Gelder, die ursprünglich für den „öffentlichen Nutzen“ gedacht waren, künftig rein profitgetrieben verwenden.
Mission oder Marketing?
Obwohl Altman es geschafft hat, den Vorstand loszuwerden, der ihn einst absetzte – und nun mit einem ihm wohlgesonnenen Gremium arbeitet – bleibt die Frage: Hält sich OpenAI noch an seine ursprüngliche Mission? Oder geht es längst primär darum, den Unternehmenswert zu maximieren, abgesegnet von einem neuen Vorstand, der selbst kräftig daran mitverdient?
Offiziell bleibt OpenAI gemeinnützig. Doch der Umbau zur Public Benefit Corporation und das Interesse am Kapitalmarkt zeigen deutlich: Der Grat zwischen Idealismus und Profitdenken ist schmal – und wird zunehmend rutschig.