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Wissenschaft

Die Antwort auf Leben bei Alpha Centauri könnte schon in drei Jahren kommen… und in nur zehn Stunden

Ein neues Teleskop in Chile verspricht, unser Bild vom Universum für immer zu verändern. Es kann in gerade mal zehn Stunden Anzeichen von Leben auf nahen Exoplaneten aufspüren – und vielleicht wissen wir bald, ob wir wirklich allein sind. Der Countdown läuft.
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Eine gigantische Maschine, um weiter als je zuvor zu blicken

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© NASA.

Mitten in der chilenischen Atacama-Wüste entsteht das Extremely Large Telescope (ELT) – das größte bodengebundene Teleskop, das je gebaut wurde. Sein Spiegel hat einen Durchmesser von 39 Metern, zehnmal größer als bei bisherigen Teleskopen. Damit wird das ELT bis zu 16-mal schärfere Bilder liefern als das legendäre Hubble-Weltraumteleskop. Und: Seine enorme Lichtempfindlichkeit macht es ideal, um die Atmosphären ferner Exoplaneten mit einem Detailgrad zu untersuchen, den wir uns bisher kaum vorstellen konnten.

Im Gegensatz zum James Webb Space Telescope, das auf die seltenen Momente angewiesen ist, in denen ein Planet vor seiner Sonne vorbeizieht, kann das ELT auch Planeten analysieren, die keinen Transit zeigen – einfach anhand des reflektierten Sternenlichts. Das bedeutet: deutlich mehr potenziell bewohnbare Welten werden erfassbar.

In zehn Stunden Leben aufspüren?

Ein Forschungsteam der University of Washington hat jetzt verschiedene Szenarien simuliert, um zu zeigen, was das ELT in der Praxis leisten kann. Sie modellierten vier verschiedene Planetentypen: einen mit reicher Vegetation, einen in der Frühphase des Lebens, einen mit verdampften Ozeanen und einen, der zwar noch leblos ist, aber lebensfreundliche Bedingungen bietet.

Das erstaunliche Ergebnis: Schon nach zehn Stunden Beobachtung könnte das ELT diese Welten voneinander unterscheiden – zumindest in nahen Systemen wie Alpha Centauri. Spuren von Wasser, Sauerstoff oder Kohlendioxid würden direkt ins Auge fallen. Und bei größeren Planeten, etwa in der Größe von Neptun, reicht sogar eine einzige Stunde.

Mehr Power als James Webb

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©NASA.

So revolutionär der James Webb auch ist – bei Systemen wie TRAPPIST-1 kam er an seine Grenzen: Es blieb unklar, ob bestimmte Planeten überhaupt eine Atmosphäre besitzen. Genau hier kommt das ELT ins Spiel: Mit seiner überlegenen Empfindlichkeit kann es solche Unsicherheiten ausräumen – und die Gefahr von Fehlinterpretationen minimieren.

Es geht dabei nicht nur darum, ob es Leben gibt, sondern auch wie aktiv ein Planet ist. Das ELT könnte biologische Aktivität von einem toten, ausgetrockneten Planeten wie Mars oder Venus klar unterscheiden. Das eröffnet ganz neue Perspektiven in der Exoplanetenforschung.

Der Countdown läuft

Wenn alles nach Plan läuft, wird das ELT im Jahr 2028 seinen Betrieb aufnehmen. Und kaum ist es aktiv, könnten auch schon die ersten Erkenntnisse vorliegen. Sollte es tatsächlich Leben auf Proxima b oder einem anderen nahen Planeten geben – dann könnten wir es schon wenige Tage nach Beginn der Beobachtungen wissen.

Und falls nicht? Dann sind wir der Antwort auf eine der ältesten Fragen der Menschheit trotzdem einen riesigen Schritt näher.
Ob wir allein sind im All – bald könnte das keine Science-Fiction-Frage mehr sein, sondern echte Wissenschaft.

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