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Deutschland trennt das Kupferkabel: Was die stille DSL-Abschaltung wirklich bedeutet

DSL stirbt – doch kaum jemand merkt es. Während die Hälfte der Haushalte noch keinen Glasfaseranschluss nutzt, arbeitet die Bundesnetzagentur längst am Ende der Kupfer-Ära. Drei Migrationsphasen sollen die Umstellung begleiten. Doch was passiert, wenn Nutzer nicht mitziehen?
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Die Ära des DSL neigt sich dem Ende zu. Jahrzehntelang war das Kupfernetz die Grundlage für Internetzugänge in Deutschland. Doch nun liegt ein Plan der Bundesnetzagentur auf dem Tisch, der den schrittweisen Rückbau dieser Technologie beschreibt. Betroffen sind Millionen Haushalte – und viele wissen noch nicht, was auf sie zukommt.

Warum das Kupfernetz verschwinden soll

Der parallele Betrieb von DSL über Kupferleitungen und modernen Glasfasernetzen ist teuer und ineffizient. Deshalb will die Bundesnetzagentur die sogenannte Kupfer-Glas-Migration beschleunigen. In einem Impulspapier beschreibt die Behörde, wie dieser Technologiewechsel ablaufen könnte – in drei klar definierten Phasen.

Im Mittelpunkt steht dabei der rechtliche Rahmen des §34 des Telekommunikationsgesetzes. Er erlaubt es der Bundesnetzagentur, den Migrationsprozess zu überwachen und im Zweifel auch zu steuern. Ziel ist eine transparente, geordnete und wirtschaftlich sinnvolle Umstellung auf zukunftssichere Glasfaserinfrastrukturen.

Noch kein Glasfaser für die Hälfte der Haushalte

Deutschland trennt das Kupferkabel: Was die stille DSL-Abschaltung wirklich bedeutet
© Unsplash – Claudio Schwarz.

Laut dem aktuellen Impulspapier verfügen derzeit rund 50 % der Haushalte in Deutschland noch nicht über einen direkten Glasfaseranschluss. Viele Nutzer bleiben beim gewohnten DSL – oft aus Zufriedenheit oder mangels Alternativen. Selbst dort, wo bereits Glasfaser verlegt ist, nutzen laut Tagesschau weniger als ein Viertel der Haushalte den neuen Anschluss tatsächlich aktiv.

Die Nachfrage hinkt also hinterher. Das Papier der Bundesnetzagentur dient daher auch als Diskussionsgrundlage für Netzbetreiber, Kommunen und Verbraucherverbände, um mögliche Hindernisse frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen.

So sieht der Abschaltplan im Detail aus

Der Migrationsprozess ist in drei Phasen gegliedert:

1. Freiwillige Migration:
In dieser ersten Phase sollen attraktive Angebote und technologische Überlegenheit dafür sorgen, dass Kunden freiwillig vom DSL- zum Glasfaseranschluss wechseln. Netzbetreiber können ihre Produkte im sogenannten Open-Access-Modell auch Dritten zur Verfügung stellen.

2. Umstiegsplan:
Wenn ein signifikanter Teil der Haushalte in einem Gebiet bereits auf Glasfaser umgestiegen ist, kann der Netzbetreiber bei der Bundesnetzagentur einen Abschaltplan einreichen. Dieser wird geprüft, veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Erst nach einer behördlichen Entscheidung darf die Migrationsphase starten.

3. Abschaltung:
Sind alle Haushalte technisch und organisatorisch migriert, erfolgt die endgültige Stilllegung des Kupfernetzes. Verbraucher sollen frühzeitig über Alternativen und Fristen informiert werden. Die Agentur betont: Ohne vollständige Umstellung wird kein Anschluss abgeschaltet.

Was Nutzer jetzt tun sollten

Für Verbraucher heißt das: Nicht warten, bis die letzte Rechnung mit dem Hinweis „Abschaltung“ im Briefkasten landet. Schon jetzt lohnt sich die Prüfung, ob ein Glasfaseranschluss verfügbar ist – auch wenn man ihn noch nicht nutzen will.

Die Weichen für das digitale Deutschland werden heute gestellt. Wer künftig mit Highspeed durchs Netz will, kommt um Glasfaser nicht herum.

Quelle: Chip.

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