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Wissenschaft

Das Aussterben, das nicht stattfand: Warum Südamerika überlebte, während der Rest der Welt kollabierte

Vor 34 Millionen Jahren verschwanden auf vielen Kontinenten zahlreiche Säugetierarten. Doch in Südamerika geschah etwas Unerwartetes: Die Artenvielfalt blieb bestehen. Eine neue Studie zeigt, warum dieser Kontinent einer globalen Aussterbewelle trotzte – und welche Rolle die Anden dabei spielten.
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Während andere Erdteile unter einem drastischen Temperatursturz litten und zahlreiche Arten verloren, fand das Leben in Südamerika Wege, sich anzupassen. Ein internationales Forscherteam untersuchte Tausende Fossilien, um zu verstehen, wie dieser Teil der Erde eine globale Krise überstand. Die Ergebnisse verändern unser Verständnis von der Evolution des Kontinents.

Als die Welt vereiste – und Südamerika standhielt

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© Pixabay.

Vor rund 34 Millionen Jahren erlebte unser Planet einen dramatischen Wandel: Das antarktische Eisschild bildete sich, die Temperaturen sanken rapide und viele Lebensformen verschwanden. In Europa und Nordamerika war das Artensterben massiv. Doch in Südamerika zeigen die Daten ein anderes Bild.

Eine in PNAS veröffentlichte Studie unter Beteiligung des argentinischen CONICET-Instituts zeigt: Statt eines plötzlichen Massensterbens verlief die Entwicklung in Südamerika langsamer. Arten verschwanden nicht abrupt – sie wurden nach und nach ersetzt. Der Wandel vollzog sich über Millionen Jahre hinweg. Die geologischen Besonderheiten des Kontinents halfen offenbar dabei, die Katastrophe abzumildern.

Die versteckte Rolle der Anden in der Säugetierentwicklung

Einer der überraschendsten Befunde der Studie: Die Entstehung der Anden war entscheidend. In genau jener Phase begann sich das Gebirge zu heben, veränderte das Landschaftsbild und schuf neue Lebensräume. Diese neu entstandenen ökologischen Nischen dienten vielen Arten als Rückzugsorte und ermöglichten ihre Weiterentwicklung statt ihr Aussterben.

„Der Andenaufstieg war zentral für die Säugetiervielfalt in Südamerika“, erklärt François Pujos vom IANIGLA-CONICET. Zusammen mit vergleichsweise stabilen Klimabedingungen in bestimmten Regionen wirkten die Anden wie ein Schutzschild gegen die extremen Umbrüche in anderen Teilen der Welt.

Tropen, Fossilien und ein Erbe, das bis heute wirkt

Die Studie betont auch die Rolle der tropischen Gebiete als ökologische Zufluchtsorte. Während extratropische Zonen stärkeren Wechseln unterlagen – mit häufigerem Artensterben und -entstehen – blieben die Tropen ökologisch stabiler. Viele Säugetierlinien überlebten dort ununterbrochen. Damit bestätigt sich eine alte Theorie: Tropen sind Hotspots evolutionärer Vielfalt.

Ein Problem bleibt jedoch: Fossilienfunde aus tropischen Regionen sind selten. Die Böden und die unzugängliche Geografie – etwa in Amazonien – erschweren archäologische Ausgrabungen. Dennoch liefern Jahrzehnte gesammelter Daten nun eine neue Sichtweise auf die ökologische Widerstandskraft Südamerikas.

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