Protest mit Humor und Wut
Kaum waren Bezos und Sánchez in der Lagunenstadt angekommen, gingen bereits die ersten Aktionen los: Umweltaktivisten drohten, die weltberühmten Kanäle Venedigs mit aufblasbaren Krokodilen, Flamingos, Enten und Einhörnern zu blockieren, um den Transport der rund 200 geladenen Gäste zu verhindern. Auf der Liste stehen Promis wie Elon Musk, Oprah Winfrey, Kim Kardashian, Ivanka Trump und Leonardo DiCaprio.
Hinter der Protestaktion stehen Gruppen wie Greenpeace, „No Space for Bezos“ und das britische Kollektiv „Everyone Hates Elon“. Am Markusplatz entrollten sie ein riesiges Banner mit der Botschaft: „Wenn du dir Venedig für deine Hochzeit leisten kannst, kannst du auch mehr Steuern zahlen.“
Ein echter Etappensieg
Und tatsächlich – die Proteste zeigen Wirkung. Die ursprünglich geplante Feier in der historischen Scuola Grande della Misericordia, einem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, wurde kurzfristig abgesagt. Stattdessen soll das Fest nun im Arsenale stattfinden – einem alten Werft- und Militärkomplex aus dem 12. Jahrhundert, der deutlich schwerer zugänglich für Demonstranten ist.
Tommaso Cacciari von „No Space for Bezos“ erklärte gegenüber der BBC stolz:
„Wir haben keine Macht, kein Geld, nichts – aber wir haben es geschafft, einen der mächtigsten Männer der Welt aus der Stadt zu vertreiben.“
Reiche feiern – der Rest zahlt
Ein Sprecher von Greenpeace betonte, dass sich der Protest nicht allein gegen Bezos und Sánchez richtet, sondern gegen das System, das sie repräsentieren:
„Die Reichen leben im Überfluss, während der Rest der Welt mit den Folgen einer Klimakatastrophe kämpft, die sie nicht verursacht haben.“
Die aufblasbaren Tiere waren dabei keine bloße Spielerei: Sie sollten symbolisch und praktisch den Zugang zu den Veranstaltungsorten blockieren – nicht einfach bei so hochkarätigen Gästen mit Personenschutz, Limousinen und Privatyachten.
Kritik am medialen Umgang
Auffällig zurückhaltend fiel die Berichterstattung der Washington Post über die Proteste aus – kein Zufall, meinen viele. Bezos besitzt die Zeitung seit 2013. Obwohl er sich anfangs aus der redaktionellen Arbeit raushielt, soll er laut Insiderberichten spätestens ab der Wahl 2024 stärker eingegriffen haben. So habe er beispielsweise verhindert, dass die Post Kamala Harris offiziell unterstützt.
In einem aktuellen Artikel versucht die Post, den Trubel um die Hochzeit zu relativieren: Die Rede ist von einem „Großevent auf dem Niveau des Filmfestivals“, und lokale Betriebe – von Glasbläsern bis Bäckereien – freuten sich angeblich über satte Umsätze. Außerdem verweist der Artikel auf eine angebliche Spende von 1 Million Dollar an lokale Organisationen.
Doch die Aktivisten lassen das nicht gelten. Auf ihrem Instagram-Kanal veröffentlichten sie ein satirisches Video von Bezos mit einem Wehrmachtshelm, beschriftet mit „AWS“ – ein Seitenhieb auf Amazons Rolle als Cloud-Dienstleister für das US-Militär. Die Botschaft:
„No Bezos, No War.“
Hochzeit unter Polizeischutz
Die Trauung selbst soll am Freitag in der Basilika San Giorgio Maggiore stattfinden – malerisch gelegen auf einer kleinen Insel gegenüber vom Markusplatz. Für Samstag planen die Aktivisten aber bereits den nächsten Schritt: Mit Projektionen, einer großen Demo und offenen Einladungen an die Öffentlichkeit wollen sie den Protest sichtbar halten.
Symbolpolitik in der Lagunenstadt
Schon früher war Venedig Austragungsort opulenter Promi-Hochzeiten – etwa bei George Clooney 2014 oder der indischen Milliardärstochter Isha Ambani 2011. Damals blieb es jedoch ruhig. Warum also jetzt der Aufruhr? Viele glauben, dass es nicht nur um die Hochzeit geht, sondern um ein Symbol der Ungleichheit in einer zunehmend polarisierten Welt.
Bezos wird von den Aktivisten nicht nur als drittreichster Mensch der Welt gesehen, sondern als Vertreter eines Wirtschaftssystems, das Ungleichheit und Umweltzerstörung fördert – und sich mit autoritären Politikern wie Donald Trump verbündet. Ein Video von „No Space for Bezos“ zeigt ihn etwa bei Trumps Amtseinführung – zusammen mit anderen Oligarchen wie Elon Musk.
Venedig wehrt sich
Die Botschaft der Proteste ist klar: Auch eine von Tourismus geprägte Stadt wie Venedig ist nicht bereit, sich komplett vor den Karren der Superreichen spannen zu lassen.
Oder wie es die Aktivisten formulieren:
„Venedig ist kein Diener der Mächtigen – es bleibt rebellisch und widerständig.“