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Wissenschaft

Zwei Raumsonden in Schwierigkeiten – Nur Tage nach dem Start

Niedriges Budget, hohe Risiken: Zwei frisch gestartete Missionen stehen bereits auf der Kippe
Von Adam Kovac Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Falls du noch einen Beweis brauchst, dass Raumfahrt unfassbar kompliziert ist: Zwei erst kürzlich gestartete Sonden haben bereits ernste Probleme.

Am 26. Februar hob eine SpaceX Falcon 9-Rakete vom Kennedy Space Center ab – an Bord unter anderem die NASA-Sonde Lunar Trailblazer und die private Asteroiden-Mission Odin von Astroforge. Doch nur zwei Tage nach dem erfolgreichen Start gab es Kommunikationsprobleme mit beiden Raumfahrzeugen.

NASA verliert Kontakt mit Lunar Trailblazer

In einer offiziellen Mitteilung erklärte die NASA, dass sich Lunar Trailblazer zwar planmäßig von der Rakete getrennt und den Orbit erreicht habe, jedoch bald darauf besorgniserregende Daten über das Energiesystem empfangen wurden. Am 27. Februar um 7:30 Uhr (ET) brach die Verbindung komplett ab – erst Stunden später konnte der Kontakt wiederhergestellt werden.

„Das Team arbeitet nun mit den NASA-Bodenstationen zusammen, um Telemetrie und Steuerung wieder aufzubauen, die Energieprobleme besser einzuschätzen und Lösungen zu entwickeln“, so die Behörde.

Die Mission von Lunar Trailblazer ist es, Wasser auf dem Mond aufzuspüren und seine Verteilung zu analysieren. Das Projekt gehört zum Small Innovative Missions for Planetary Exploration (SIMPLEx)-Programm, das gezielt risikoreiche, aber kostengünstige Missionen fördert. Offiziell sollen die Kosten für SIMPLEx-Missionen maximal 55 Millionen Dollar betragen, doch die Realität sieht anders aus: Laut The New York Times belaufen sich die tatsächlichen Kosten von Lunar Trailblazer bereits auf 94 Millionen Dollar.

Die NASA verteidigt ihr Vorgehen: „Um die Kosten niedrig zu halten, akzeptieren wir ein höheres Risiko und setzen weniger strenge Anforderungen an die Überwachung und das Management. Dadurch ermöglichen wir wissenschaftliche Missionen, die sonst nicht realisierbar wären.“

Astroforge kämpft mit Kommunikationsproblemen

Auch die private Raumfahrtfirma Astroforge hat mit Odin derzeit wenig Glück. Die Sonde soll potenziell wertvolle Metalle im All aufspüren, ein erster Schritt auf dem Weg zum lukrativen Asteroidenbergbau. Doch auf X (ehemals Twitter) räumte das Unternehmen ein, dass sie mit „unzähligen Problemen bei den Bodenstationen“ zu kämpfen haben, obwohl es bereits „mehrere Kommunikationspunkte mit Odin“ gegeben habe.

In einem Video-Update am Freitagmorgen erklärte Astroforge-CEO Matt Gialich, dass die Schwierigkeiten wohl durch einen defekten Bodenverstärker verursacht wurden. Genervt kommentierte er: „Ich weiß nicht mal, wie man sich so etwas ausdenkt.“

Trotzdem gibt sich das Unternehmen optimistisch: Odin befinde sich in einem stabilen Zustand, erzeuge weiterhin Energie und sei ungefähr dort, wo er sein sollte. In zwei Tagen soll die Sonde die Rückseite des Mondes erreichen.

Dennoch bleibt Unsicherheit. Laut Gialich gibt es zwei Szenarien: Entweder ist alles in Ordnung – oder die Sonde trudelt unkontrolliert durch den Weltraum. Bis Freitagabend sollen neue Daten mehr Klarheit bringen.

Niedrige Kosten, hohes Risiko

Wie auch Lunar Trailblazer war Odin eine Low-Budget-Mission. Die geschätzten Kosten betragen gerade einmal 6,5 Millionen Dollar – eine Summe, die fast wie ein Schnäppchen im Raumfahrtsektor wirkt. Seit seiner Gründung 2022 hat Astroforge mindestens 55 Millionen Dollar an Finanzierungen eingesammelt.

Der Plan sieht vor, dass Odin die Schwerkraft des Mondes nutzt, um sich weiter zu einem Asteroiden namens 2022 EB5 katapultieren zu lassen. Dieser ist aktuell rund 6,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Wie lange die Mission insgesamt dauern soll, bleibt unklar.

Schon vor dem Start gab sich Gialich vorsichtig und betonte, dass die niedrigen Kosten auch „extreme Risiken“ mit sich bringen würden. Es scheint, als sollte er recht behalten.

Lichtblick: Intuitive Machines’ Athena-Sonde in Top-Zustand

Nicht alle Sonden dieser Mission haben mit Problemen zu kämpfen. Athena, ein weiteres Raumschiff an Bord der Falcon 9, scheint einwandfrei zu funktionieren. Der Mondlander des Unternehmens Intuitive Machines ist laut einer Mitteilung vom 27. Februar „in ausgezeichnetem Zustand“.

Die Sonde hat eine stabile Ausrichtung, die Solarmodule arbeiten einwandfrei und die Funkverbindung zum Missionskontrollzentrum steht. Am Freitag verkündete Intuitive Machines, dass Athena bereits auf halbem Weg zum Mond sei und weiterhin ohne Probleme mit der Bodenstation kommuniziere. Die Landung auf der Mondoberfläche ist für den 6. März geplant.

Fazit: Raumfahrt bleibt eine Herausforderung

Die Schwierigkeiten von Lunar Trailblazer und Odin zeigen erneut, wie unberechenbar Raumfahrt ist. Es gibt unzählige Dinge, die schiefgehen können – vor allem in einer der feindlichsten Umgebungen, die es gibt. Und dennoch gehen Unternehmen und Behörden immer wieder das Risiko ein, mit vergleichsweise niedrigen Budgets ambitionierte Missionen zu starten.

Manche Menschen mögen glauben, dass es sich lohnt, auf riskante Raumfahrtprojekte zu setzen – sogar wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen. Doch die aktuellen Probleme erinnern daran, wie fragil solche Unternehmungen tatsächlich sind.

 

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