Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Zum ersten Mal in der Geschichte haben Wissenschaftler den Schreckenswolf „wiederauferstehen lassen“ – sozusagen

Colossals „Schreckenswölfe“ heißen Romulus, Remus und Khaleesi – und scheinen bisher alle gesund zu sein.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Die erste große Grenze der „De-Extinktion“ wurde soeben überschritten. Das Unternehmen Colossal Biosciences gab heute bekannt, dass seine Wissenschaftler erfolgreich eine Version des Schreckenswolfs (Aenocyon dirus) wieder zum Leben erweckt haben – angeblich die erste Wiederbelebung einer ausgestorbenen Spezies überhaupt.

Die bahnbrechende Ankündigung erfolgte am Montagmorgen, begleitet von einem ausführlichen Titelartikel im Time Magazine. Mithilfe einer Kombination aus Gen-Editierung und Leihmüttern (große Hundemischlinge) hat das Unternehmen seit dem Herbst drei Schreckenswolf-Geschwister gezüchtet – alle drei scheinen gesund zu sein. Nach früheren Experimenten mit genetisch veränderten „Wollmäusen“ ist dies ein weiterer Schritt auf dem Weg zum noch ehrgeizigeren Ziel: der Rückkehr des Wollmammuts.

Was sind Schreckenswölfe?

Schreckenswölfe lebten während des späten Pleistozäns (vor etwa 129.000 bis 11.700 Jahren) in ganz Amerika und starben vor rund 9.500 Jahren aus. Sie jagten die riesige Megafauna der Eiszeit und unterschieden sich in ihrer Größe und Zahnstruktur deutlich von heutigen Wölfen – sie waren so groß wie die größten heutigen Grauwölfe, aber noch robuster.

Vielen ist der Schreckenswolf durch die HBO-Serie Game of Thrones bekannt, wo sie als treue Begleiter der Familie Stark auftreten.

Romulus, Remus und Khaleesi: die neuen „Schreckenswölfe“

Die drei Welpen – benannt nach Romulus, Remus und Khaleesi – wurden alle durch Leihmütter zur Welt gebracht. Romulus und Remus wurden im Oktober geboren, Khaleesi etwas später im Winter. Sie leben derzeit in einem 2.000 Hektar großen ökologischen Schutzgebiet, dessen genauer Standort geheim gehalten wird. Ein Team aus Tierärzten überwacht sie rund um die Uhr.

„Ich bin unglaublich stolz auf unser Team. Dieser Meilenstein ist der erste Beweis dafür, dass unsere De-Extinktions-Technologie funktioniert“, sagte Ben Lamm, CEO von Colossal. „Unser Team hat DNA aus einem 13.000 Jahre alten Zahn und einem 72.000 Jahre alten Schädel verwendet – und daraus gesunde Welpen geschaffen. Es heißt: ‚Jede ausreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.‘ Heute zeigen wir ein wenig dieser Magie – und was sie für den Naturschutz bedeuten kann.“

Wie wurden sie erschaffen?

Die Tiere wurden nicht direkt aus alter DNA geklont. Stattdessen rekonstruierten die Forscher das Genom des Schreckenswolfs und verglichen es mit dem von heutigen Grauwölfen. Sie modifizierten 20 DNA-Abschnitte, von denen 15 spezifische Merkmale des Schreckenswolfs widerspiegeln sollten – etwa Größe und Schädelform.

Diese veränderten Zellkerne wurden dann in entkernte Eizellen eingepflanzt, aus denen sich lebensfähige Embryonen entwickelten. Diese wurden in Leihmütter eingesetzt, die schließlich die Welpen austrugen.

Zum Vergleich: Das Genom des Grauwolfs umfasst etwa 2,45 Milliarden Basenpaare, die Unterschiede zum Schreckenswolf betragen etwa 0,5 % – also rund 12 Millionen Basenpaare. Colossal hat also bisher nur einen sehr kleinen Teil der genetischen Unterschiede rekonstruiert.

„Funktionelle De-Extinktion“

Da einige genetische Veränderungen potenziell gesundheitsschädlich gewesen wären, verzichtete Colossal bewusst auf bestimmte Eingriffe. Stattdessen wurden bei Bedarf sicherere Varianten gewählt, die aber zu ähnlichen äußeren Merkmalen führten. Ein Beispiel: das weiße Fell der Tiere.

Colossal bezeichnet diesen Ansatz als „funktionelle De-Extinktion“. Ziel ist es, ausgestorbene Merkmale möglichst sicher nachzubilden – auch wenn das Tier nicht zu 100 % dem Original entspricht.

„Wir nutzen die sicherste Methode, um die einzigartigen Eigenschaften ausgestorbener Tiere wiederherzustellen“, erklärte Beth Shapiro, Chief Science Officer von Colossal. „Manchmal lassen sich diese Merkmale auch mit bereits vorhandenen Varianten aus dem Spendergenom erzeugen – das senkt das Risiko und erhöht die Erfolgschance.“

Wissenschaftliche und ethische Fragen

Ob es sich bei diesen Tieren wirklich um Schreckenswölfe handelt, wird in der Wissenschaft noch diskutiert. Auch die Abstammung des Schreckenswolfs – ob er näher mit Grauwölfen oder mit Schakalen verwandt ist – wird weiter untersucht.

Unabhängig davon gibt es ethische Bedenken, ob ausgestorbene Arten überhaupt zurückgebracht werden sollten. Doch trotz aller offenen Fragen ist das, was Colossal geschafft hat, ein bedeutender technischer Durchbruch.

Parallel zur „Wiederauferstehung“ der Schreckenswölfe hat das Unternehmen auch erfolgreich vier Rotwölfe geklont – eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten Wolfsarten (nur noch 17–19 Tiere in freier Wildbahn). Und bis 2028 will Colossal das erste wiedergeborene Wollmammut der Welt präsentieren.

Ob man sie nun Schreckenswölfe nennt oder nicht – diese Tiere markieren vermutlich erst den Beginn einer neuen Ära der Gentechnologie.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel