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Wissenschaft

Zuckerfreie Süßigkeiten und Bauchweh: Was wirklich dahintersteckt

Die Schuld liegt (vielleicht) bei deinen Darmbakterien – und ein Forschungsteam glaubt, zu wissen, warum.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Wenn du nach ein paar zuckerfreien Kaugummis plötzlich Bauchkrämpfe bekommst oder dringend aufs Klo musst – willkommen im Club. Aber wusstest du, dass es nicht nur am Kaugummi selbst liegt, sondern womöglich an deinen Darmbakterien? Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Störungen im Mikrobiom des Darms erklären könnten, warum der Zuckerersatz Sorbit bei manchen Menschen so heftige Reaktionen auslöst.

Sorbit: Weniger Kalorien, mehr Probleme?

Sorbitol, besser bekannt als Sorbit, ist ein sogenannter Zuckeralkohol (oder Polyol). Er steckt in vielen zuckerfreien Lebensmitteln wie Bonbons, Kaugummis oder Diät-Schokolade – weil er süßt, aber deutlich weniger Kalorien hat als normaler Zucker. Allerdings ist er berüchtigt für seine Nebenwirkungen: Blähungen, Bauchschmerzen und im schlimmsten Fall ein Sprint zur Toilette.

Im Prinzip ist Sorbit gar nichts Neues. Schon länger weiß man, dass er in größeren Mengen den Magen-Darm-Trakt stressen kann. Was bislang nicht so klar war: Warum reagieren manche Menschen schon auf kleinste Mengen empfindlich – während andere problemlos damit klarkommen?

Die Spur führt ins Mikrobiom

Ein Forscherteam der University of California hat sich genau das angesehen – zunächst an Mäusen. Ihr Verdacht: Das Mikrobiom, also die Zusammensetzung der Darmbakterien, spielt eine entscheidende Rolle bei der sogenannten Polyol-Intoleranz. Dabei handelt es sich um eine Unverträglichkeit gegenüber Zuckeralkoholen wie Sorbit, die längst nicht jeden betrifft – aber für einige ein echtes Problem darstellt.

In früheren Studien konnten die Forscher zeigen, dass eine gestörte Darmflora kurzfristig Sorbit-Intoleranz auslösen kann. Nun wollten sie herausfinden, warum manche Menschen (oder Mäuse) dauerhaft darunter leiden.

Antibiotika, Fett und fehlende Enzyme

Die Forscher kombinierten eine Antibiotikabehandlung mit einer fettreichen Ernährung – ein Cocktail, der das Gleichgewicht im Darm massiv stört. Das Ergebnis: Die betroffenen Mäuse zeigten längerfristige Symptome von Sorbit-Intoleranz.

Bei der Analyse ihres Stuhls stellten die Wissenschaftler fest, dass ihnen ein bestimmtes Enzym fehlte – eines, das normalerweise beim Abbau von Sorbit hilft. Und das war nicht nur bei Mäusen so: Auch bei Menschen, die empfindlich auf Sorbit reagieren, fand sich genau dieses Muster.

Clostridium – der heimliche Held im Darm

Das nächste Ziel war klar: herausfinden, welche Bakterien dieses Enzym produzieren. Durch genetische Analysen stießen die Forscher auf eine Gruppe von Bakterien namens Clostridium. Diese Mikroben sind anaerob – sie gedeihen also nur unter sauerstoffarmen Bedingungen.

Das Antibiotika-Fett-Duo hatte den Sauerstoffgehalt im Darm der Mäuse erhöht – was wiederum die Clostridium-Bakterien zurückdrängte. Mit ihnen verschwanden auch die Enzyme, die Sorbit abbauen – und zack, der Darm rebelliert.

Die Lösung? Mehr Bakterien, weniger Luft

Um ihre Hypothese zu testen, führten die Forscher gezielt Bakterien ein, die wieder ein sauerstoffarmes Milieu im Darm herstellen sollten. Und siehe da: Clostridium kehrte zurück, die Enzymwerte stiegen – und die Symptome verschwanden.

„Unsere Studie zeigt, dass der mikrobielle Abbau von Sorbit normalerweise den Wirt vor Intoleranz schützt. Wenn diese Funktion gestört ist, reagiert der Körper empfindlich auf Sorbit“, erklärte Mikrobiologin Jee-Yon Lee, Hauptautorin der Studie, in einer Mitteilung der Universität.

Hoffnung auf neue Therapien

Zwar ist die Studie bisher „nur“ an Mäusen durchgeführt worden, aber die Parallelen zu menschlichen Stuhlproben sind vielversprechend. Und es kommt noch besser: Es gibt bereits Medikamente, die helfen könnten, den Sauerstoffgehalt im Darm von Menschen zu senken – etwa Mesalazin, das heute schon bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn eingesetzt wird.

Mit etwas Glück könnten diese Erkenntnisse also nicht nur zur Diagnose von Sorbit-Intoleranz beitragen, sondern sogar den Weg für wirksame Therapien ebnen.

„Unsere Ergebnisse liefern einen komplett neuen Ausgangspunkt für Diagnose, Prävention und Behandlung von Sorbit-Intoleranz“, so Co-Autor Andreas Bäumler.

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