Meta vor Gericht: Vorwürfe wegen Wettbewerbsverstößen
Meta verteidigt sich derzeit in einem Kartellprozess, den die US-Wettbewerbsbehörde FTC angestrengt hat. Der Vorwurf: Der Tech-Gigant habe gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen, als er Instagram und WhatsApp übernahm. Doch je mehr über den Fall bekannt wird, desto deutlicher scheint: CEO Mark Zuckerberg war überzeugt davon, dass Präsident Donald Trump ihn vor diesem Verfahren bewahren würde.
Ein angeblicher Deal: 450 Millionen Dollar statt Prozess
Wie das Wall Street Journal berichtet, bot Zuckerberg an, den Kartellfall mit einer Zahlung von 450 Millionen US-Dollar beizulegen. Die FTC forderte jedoch 30 Milliarden Dollar – und laut dem Bericht lehnte FTC-Vorsitzender Andrew Ferguson jeden Vergleich unter 18 Milliarden Dollar plus einer Unterlassungserklärung ab.
Hoffnung auf politische Unterstützung
Zuckerberg soll laut Bericht „zuversichtlich geklungen“ haben, dass Präsident Trump ihn gegenüber der FTC unterstützen würde. Diese Zuversicht beruhte offenbar auf der Tatsache, dass Meta eine Million Dollar zu Trumps Amtseinführung beigetragen und einen Rechtsstreit mit dem Präsidenten für 25 Millionen Dollar beigelegt hatte – ein Schritt, der weithin als Gefälligkeit gegenüber Trump interpretiert wurde.
Letzter Versuch vor dem Prozessbeginn
Vor Beginn des Prozesses erhöhte Zuckerberg sein Vergleichsangebot auf eine Milliarde Dollar, wie das Journal weiter berichtet. Doch auch das war offenbar nicht genug.
Im Fokus: Die Übernahme von Instagram
Am Dienstag wurde Zuckerberg zu seiner Übernahme von Instagram im Jahr 2012 befragt – und ob dies ein Schritt war, um einen potenziellen Konkurrenten „auszuschalten“. Meta – damals noch Facebook – kaufte die Foto-App zu einer Zeit, als Zuckerberg seine Macht im sozialen Netzwerksektor konsolidierte.
Frühwarnung: Interne E-Mails sprechen Bände
Die FTC legte eine E-Mail von Zuckerberg aus dem Jahr 2018 vor, in der er einräumt, dass es möglich sei, Instagram und WhatsApp aus kartellrechtlichen Gründen irgendwann abspalten zu müssen. „Da die Rufe nach einer Zerschlagung der großen Tech-Unternehmen lauter werden, besteht eine nicht triviale Chance, dass wir gezwungen sein werden, Instagram und vielleicht auch WhatsApp in den nächsten fünf bis zehn Jahren ohnehin auszugliedern“, schrieb er damals.
Rechtfertigung vor Gericht
Zuckerberg verteidigte die E-Mail am Dienstag vor Gericht, laut Protokoll der New York Times. Er erklärte: „Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass wir eine Strategie verfolgen sollten, die den Menschen, denen wir dienen wollen, den größten Nutzen bringt – unter Berücksichtigung der politischen Lage zu jener Zeit.“
Prozessdauer: Acht Wochen – mit ungewissem Ausgang
Zuckerberg wird am Mittwoch erneut im Zeugenstand erwartet, der Prozess soll insgesamt acht Wochen dauern. Es wäre höchst ungewöhnlich und rechtlich fragwürdig, wenn ein Präsident sich in ein solches Verfahren einmischen würde – aber niemand kann vorhersagen, was passiert, sollte Trump beschließen, Meta aus irgendeinem Grund zu helfen.
Zuckerberg reiste seit der Präsidentschaftswahl 2024 mindestens zweimal nach Mar-a-Lago. Er hat seine politischen Sympathien klar öffentlich zugunsten des MAGA-Lagers verschoben.
Trumps Einfluss auf die FTC
Es ist nachvollziehbar, warum Tech-Milliardäre glauben, Trump könnte ihnen entgegenkommen. Seit seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus am 20. Januar 2025 hat Trump unrechtmäßig in die FTC eingegriffen und zwei demokratische FTC-Kommissare entlassen. Die Kommission besteht aus fünf Mitgliedern, von denen nicht mehr als drei einer Partei angehören dürfen.
Big Tech und Trump: Verflechtungen mit Geld
Einer der entlassenen Kommissare, Alvaro Bedoya, sagte im Gespräch mit Gizmodo im vergangenen Monat: „Wir sind die Behörde, die das Gesetz gegen Amazon, Meta, OpenAI und natürlich X durchsetzt. Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit erkennt, dass Amazon zum Beispiel einen Deal mit der First Lady gemacht hat, um sie in einer Dokumentation zu porträtieren – mit Zahlungen in Höhe von 28 Millionen Dollar. Und dass Amazon vor Kurzem ‚The Apprentice‘ für Dutzende Millionen Dollar lizenziert hat.“
Stellungnahme von Meta: Keine Konkurrenz mit TikTok?
Gizmodo kontaktierte Meta am Dienstag, erhielt jedoch keine Antwort. In einer Stellungnahme gegenüber dem Wall Street Journal zeigte sich das Unternehmen trotzig: „Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, warum es keinen Sinn ergibt, dass die FTC einen Prozess anstrebt, bei dem sie beweisen müsste, was jeder 17-Jährige in Amerika für absurd hält – nämlich dass Instagram nicht mit TikTok konkurriert.“