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Wissenschaft

Wo spürt man wirklich Emotionen im Körper? Die Wissenschaft klärt auf

Glück durchströmt deinen ganzen Körper, Angst sitzt schwer in der Brust, und Traurigkeit kann dich vollkommen leer fühlen lassen. Eine neue Studie hat eine körperliche Landkarte von 14 Emotionen erstellt und untersucht, wie sich diese früher im Vergleich zu heute angefühlt haben. Die Ergebnisse zeigen überraschende Unterschiede zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Wo genau fühlen wir Emotionen?

Wenn du Liebe oder Freude empfindest, wo im Körper spürst du sie? Ein Forscherteam hat sich genau diese Frage gestellt und eine körperliche Karte der Emotionen erstellt.

Dafür baten sie Teilnehmer, sich verschiedene Emotionen vorzustellen und dann auf einer humanoiden Zeichnung die Bereiche zu markieren, in denen sie die stärkste Aktivierung oder Deaktivierung ihres Körpers wahrnahmen.

Die gesammelten Daten zeigten klare Muster für jede Emotion:

  • Freude & Liebe: Aktivieren nahezu den gesamten Körper.
  • Angst: Sitzt vor allem in der Brust, wo die Kampf- oder Fluchtreaktion ausgelöst wird.
  • Wut: Konzentriert sich auf Arme und Hände, als würde der Körper sich auf eine Reaktion vorbereiten.
  • Traurigkeit & Depression: Verursachen ein Gefühl von Leere und Energieverlust, besonders im Kopf und in den Extremitäten.

Diese körperlichen Karten wurden bereits 2013 in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. Doch nun ging das Forscherteam einen Schritt weiter: Sie verglichen diese mit alten Texten, um herauszufinden, ob Emotionen schon immer auf dieselbe Weise gespürt wurden.

© Lauri Nummenmaa, Enrico Glerean, Riitta Hari & Jari Hietanen.

Fühlten sich Emotionen in der Antike anders an?

Um das herauszufinden, analysierten Wissenschaftler eine Million Wörter aus mesopotamischen Texten, die zwischen 934 und 612 v. Chr. verfasst wurden. Diese Dokumente beschrieben, wie Menschen damals Emotionen körperlich wahrnahmen.

Die Ergebnisse waren erstaunlich: Einige Emotionen stimmten mit modernen Empfindungen überein, andere hingegen waren völlig unterschiedlich:

  • Glück: Wurde in der Antike mit der Leber verbunden, während wir es heute im gesamten Körper spüren.
  • Wut: Damals empfanden die Mesopotamier sie in den Füßen, während sie heute in Armen und Händen wahrgenommen wird.
  • Liebe: Früher wurde sie mit Leber, Herz und Knien in Verbindung gebracht, heute breitet sie sich im gesamten Körper aus.

Diese Erkenntnisse wurden im Dezember in der Fachzeitschrift iScience veröffentlicht und zeigen, dass Emotionen zwar universell sind, ihre körperliche Wahrnehmung sich jedoch über die Jahrhunderte verändert hat.

Warum empfinden wir Emotionen heute anders?

© iStock.

Die Forscher vermuten, dass kulturelle und sprachliche Unterschiede eine große Rolle spielen.

Die alten Beschreibungen stammen aus schriftlichen Texten, während moderne Studien auf direktem Feedback der Teilnehmer basieren. Es ist möglich, dass früher bestimmte Metaphern verwendet wurden, um Emotionen zu beschreiben, während wir uns heute stärker auf die tatsächlichen körperlichen Empfindungen konzentrieren.

Doch die größte Frage bleibt unbeantwortet: Haben sich Emotionen im Laufe der Zeit verändert, oder wurden sie einfach nur anders interpretiert?

Die Wissenschaft hat darauf noch keine abschließende Antwort, doch diese Studien helfen uns, besser zu verstehen, wie Emotionen unseren Körper beeinflussen – und wie sie sich vielleicht in Zukunft weiterentwickeln werden.

 

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