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Wissenschaft

Wissenschaftler stellen langjährige Theorie zur Rötung des Mars infrage

Neue Erkenntnisse über den Roten Planeten
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Der Mars ist berühmt für seine rostrote Farbe, doch Wissenschaftler glauben nun, dass unsere bisherige Vorstellung davon, wie er seine charakteristische Tönung bekam, falsch sein könnte. Diese neue Theorie könnte weitreichende Folgen für unser Verständnis der Entwicklung des Planeten haben.

Der wahre Ursprung der roten Farbe

Seit Langem geht man davon aus, dass der Mars seine Farbe durch Eisenminerale in seinem Staub erhält – soweit nichts Neues. Doch ein internationales Forschungsteam der ESA und NASA glaubt nun, dass sich der Mars viel früher in seiner Geschichte „verrostet“ hat als bisher angenommen – nämlich in einer Zeit, in der flüssiges Wasser noch weit verbreitet auf seiner Oberfläche existierte.

Bisher dachten Wissenschaftler, dass das Eisenoxid auf dem Mars vor allem aus Hematit besteht – einer Verbindung, die sich eher unter trockenen Bedingungen in der Atmosphäre des Planeten gebildet haben könnte. Doch die neue Analyse liefert eine andere Erklärung: Die charakteristische Marsröte passt viel besser zu wasserhaltigen Eisenoxiden wie Ferrihydrit. Dieses Mineral bewahrt seine „Wasser-Signatur“ auch lange nach dem Verschwinden des Wassers, in dem es einst entstanden ist. Die Forscher konnten Ferrihydrit in den rötlichen Staubablagerungen auf dem Mars nachweisen.

„Mars ist noch immer der Rote Planet. Doch unser Verständnis, warum er rot ist, hat sich grundlegend gewandelt“, erklärt Adomas Valantinas, Forscher an der Brown University und Hauptautor der neuen Studie, die heute in Nature Communications veröffentlicht wurde.

Marsstaub im Labor nachgebildet

Um ihre These zu testen, haben Wissenschaftler versucht, Marsstaub im Labor nachzubilden. Dabei kombinierten sie verschiedene Eisenoxide und verglichen die Zusammensetzungen mit den Messungen, die Raumsonden vom Planeten geliefert haben. Die Ergebnisse waren eindeutig: Die beste Übereinstimmung mit den Marsmineralien zeigte sich, als Ferrihydrit mit Basalt – einem vulkanischen Gestein – gemischt wurde.

„Wir haben in Experimenten Eisenstaub auf eine Größe zerkleinert, die den Staubpartikeln auf dem Mars entspricht, und ihn mit denselben Techniken analysiert, die auch Raumsonden nutzen“, erklärt Valantinas.

Obwohl frühere Studien bereits vermutet hatten, dass Ferrihydrit auf dem Mars existieren könnte, hat dieses Experiment die Annahme erstmals durch Laboruntersuchungen bestätigt.

Neue Missionen sollen mehr Klarheit bringen

Die nächsten Marsmissionen könnten bald noch mehr Licht ins Dunkel bringen. „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse künftiger Missionen wie den Rosalind-Franklin-Rover der ESA oder die gemeinsame Mars Sample Return-Mission von NASA und ESA“, sagt Colin Wilson, Wissenschaftler der Marsmissionen Trace Gas Orbiter (TGO) und Mars Express. Diese Missionen werden es ermöglichen, noch tiefer zu erforschen, was den Mars wirklich rot macht.

Besonders vielversprechend sind dabei die bereits gesammelten Staubproben des NASA-Rovers Perseverance. Sobald diese wertvollen Proben zur Erde gebracht werden, können Wissenschaftler genau analysieren, wie viel Ferrihydrit sich im Marsstaub befindet. Dies könnte nicht nur unser Verständnis über die Wasserhistorie des Planeten erweitern, sondern auch Hinweise darauf liefern, ob Mars einst lebensfreundliche Bedingungen hatte.

Bis zur vollständigen Entschlüsselung der Mars-Geheimnisse wird es noch dauern, aber mit einer Kombination aus Satellitenbeobachtungen und Laborexperimenten auf der Erde kommen wir der Wahrheit immer näher.

 

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