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Wissenschaft

Wissenschaftler erwecken Schweinehirne eine Stunde nach dem Tod wieder zum Leben

Durch die funktionelle Erhaltung der Lebern von Tibet-Minischweinen konnten Forscher das Zeitfenster zur Wiederbelebung des Gehirns erweitern.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Chinesische Wissenschaftler haben eine verblüffende Leistung vollbracht, die fast an Victor Frankensteins Experimente erinnert: Sie konnten die Gehirne von Schweinen bis zu 50 Minuten nach dem kompletten Aussetzen der Blutzirkulation wiederbeleben. Diese makabre Errungenschaft könnte eines Tages dazu beitragen, menschliche Gehirne länger intakt und funktionsfähig zu halten, wenn es um Wiederbelebungsmaßnahmen geht.

Heutzutage ist es oft möglich, Menschen mit Herzstillstand (medizinisch als Herz-Kreislauf-Stillstand bekannt) zu reanimieren. Doch bereits nach wenigen Minuten ohne Blutzufuhr erleiden lebenswichtige Organe wie das Gehirn irreparable Schäden. Das bedeutet, dass Ärzte nur ein kurzes Zeitfenster haben, um jemanden zurückzubringen, ohne dass dieser schwere neurologische Schäden davonträgt. Genau dieses Zeitfenster wollten die Forscher mit ihrer neuen Studie, die letzten Monat im Fachjournal EMBO Molecular Medicine veröffentlicht wurde, erweitern.

Die Rolle der Leber bei der Wiederbelebung des Gehirns

Frühere Studien deuten darauf hin, dass die Funktion der Leber eine entscheidende Rolle für den gesamten Körper während eines Herzstillstands spielt. Menschen mit bestehenden Lebererkrankungen haben beispielsweise ein höheres Sterberisiko nach einem Herzstillstand. Daher untersuchten die Forscher der Sun Yat-Sen-Universität, ob die funktionelle Erhaltung der Lebern von Tibet-Minischweinen einen positiven Einfluss auf die Überlebensfähigkeit ihrer Gehirne nach der Wiederbelebung haben könnte.

Alle Versuchsschweine wurden einem Stopp der Blutzufuhr zum Gehirn ausgesetzt. Einige von ihnen wurden jedoch an ein spezielles Lebenserhaltungssystem angeschlossen, das die Blutzirkulation ihrer Lebern aufrechterhielt. Nach einer bestimmten Zeitspanne versuchten die Forscher, die Gehirne der Schweine mithilfe dieses Systems wiederzubeleben. Danach wurden die Schweine eingeschläfert und mit einer Kontrollgruppe verglichen, bei der die Blutzirkulation nicht unterstützt wurde.

Gehirne mit weniger Schäden und verlängerte elektrische Aktivität

Die Ergebnisse waren deutlich: Bei den Schweinen, deren Blutzufuhr zu Gehirn und Leber gleichzeitig unterbrochen wurde, waren nach der Wiederbelebung erhebliche Schäden im Gehirn festzustellen. Doch bei den Schweinen, deren Lebern unterstützt wurden, blieb das Gehirn deutlich intakter. Weniger Zellschäden und eine wiederhergestellte elektrische Aktivität konnten für bis zu sechs Stunden nachgewiesen werden. Zudem konnten die Forscher die Gehirnaktivität in diesen Schweinen noch bis zu 50 Minuten nach dem Stopp der Blutzufuhr wiederherstellen.

„Unsere Studie hebt die zentrale Rolle der Leber bei der Entstehung von Gehirnschäden nach einem Herzstillstand hervor“, erklärten die Forscher in ihrer Veröffentlichung.

Was bedeutet das für die Zukunft der Wiederbelebung?

Natürlich heißt das nicht, dass Wissenschaftler nun Menschen einfach durch eine Leber-Unterstützung perfekt wiederbeleben können. Nach einem Herzstillstand treten im gesamten Körper komplexe Schäden auf, nicht nur im Gehirn und in der Leber. Zusätzliche Forschungen sind notwendig, um die Erkenntnisse zu bestätigen und herauszufinden, wie entscheidend die Leber für die Wiederherstellung der Gehirnfunktion wirklich ist.

Sollte sich dieser Ansatz jedoch weiter bewähren, könnte er in Zukunft zu medizinischen Verfahren führen, die die Chancen auf eine erfolgreiche Wiederbelebung deutlich verbessern.

„Die Erkenntnisse aus dieser und zukünftigen Studien haben das Potenzial, die Überlebenschancen und Behandlungsergebnisse von Patienten mit Herzstillstand erheblich zu verbessern“, so die Forscher.

Fazit

Die Forschung an Schweinen mag auf den ersten Blick beunruhigend wirken, doch sie könnte bahnbrechende Fortschritte für die Medizin bedeuten. Wenn es gelingt, die Zeitspanne zu verlängern, in der das Gehirn nach einem Herzstillstand ohne schwere Schäden überleben kann, könnte das Leben vieler Menschen gerettet werden. Doch bis dahin ist noch ein langer Weg der Forschung notwendig.

 

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