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Wissenschaft

Wie riskant ist dein Tattoo wirklich? Neue Zwillingsstudie wirft Krebsfragen auf

Eine neue Studie aus Dänemark deutet auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Tätowierungen und einem erhöhten Krebsrisiko hin. Besonders betroffen: Hautkrebs und Lymphome.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Tattoos und Krebs: Was steckt dahinter?

Ein Forschungsteam der Universität Süddänemark (SDU) hat eine bemerkenswerte Studie veröffentlicht, die im Januar im Fachjournal BMC Public Health erschien. Im Fokus standen dabei Zwillinge – genauer gesagt: Was passiert, wenn nur einer von beiden tätowiert ist?

Die Erkenntnis: Die tätowierten Zwillinge hatten ein deutlich höheres Risiko, an Hautkrebs oder Lymphdrüsenkrebs zu erkranken als ihre nicht tätowierten Geschwister. Ob das allerdings wirklich an der Tätowierung selbst liegt oder andere Faktoren mit reinspielen, ist noch nicht endgültig geklärt. Die Forschenden fordern daher weitere Untersuchungen.

Tattoos: Cool, aber auch gut erforscht?

Tattoos boomen weltweit. Laut einer Umfrage des Pew Research Centers aus dem Jahr 2023 trägt rund ein Drittel der US-Amerikaner mindestens ein Tattoo – und viele davon gleich mehrere. Trotzdem gibt es überraschend wenige Studien darüber, wie sich Tattoo-Farben langfristig auf die Gesundheit auswirken.

Und genau das wollte das SDU-Team ändern. Dafür entwickelten sie die sogenannte Danish Twin Tattoo Cohort (DTTC) – eine spezielle Zwillingserhebung, bei der rund 6.000 erwachsene Zwillingspaare aus dem Danish Twin Registry befragt wurden. Die Idee: Weil Zwillinge sich genetisch sehr ähneln, lassen sich andere Risikofaktoren besser herausfiltern. So kann man gezielter untersuchen, ob Tattoos womöglich doch mehr Einfluss auf die Krebsentstehung haben, als bisher angenommen.

Das sagen die Zahlen

In der Studie verglichen die Forschenden verschiedene Gruppen: Zwillinge mit Tattoos vs. solche ohne – und dabei wurde es spannend. Tätowierte Teilnehmer hatten ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen, insbesondere in Körperregionen, in denen sich bekanntermaßen Tattoo-Partikel ablagern können, wie etwa in der Haut und in den Lymphknoten.

Auffällig war vor allem ein Detail: Je größer das Tattoo, desto höher das Risiko. Wer ein Tattoo hatte, das größer als eine Handfläche war, hatte ein zwei- bis dreifach höheres Risiko, an Hautkrebs oder Lymphomen zu erkranken, verglichen mit Menschen ohne Tattoos. Das könnte auf einen sogenannten Dosis-Wirkung-Effekt hindeuten – also: Je mehr Farbe im Körper, desto größer die mögliche Wirkung.

Woran könnte das liegen?

Noch ist unklar, ob es wirklich die Farbe ist, die das Risiko erhöht – oder andere Faktoren. Die Forschenden vermuten, dass bestimmte Bestandteile der Tattoo-Tinte möglicherweise Entzündungen oder Zellveränderungen auslösen könnten. Das wiederum könnte ein Nährboden für Krebs sein.

Besonders Farben wie Schwarz oder Rot stehen im Verdacht, problematisch zu sein, weil sie häufiger allergische Reaktionen hervorrufen oder giftigere Inhaltsstoffe enthalten könnten. In der dänischen Studie konnte man aber noch keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Farbe und dem Risiko nachweisen – ganz vom Tisch ist die Hypothese allerdings nicht.

Alternative Erklärungen nicht ausgeschlossen

Die Studie ist spannend, aber kein endgültiger Beweis. Auch die Forschenden selbst betonen, dass sie keine Ursache-Wirkung-Kette nachweisen konnten. Denkbar ist zum Beispiel, dass Menschen mit Tattoos tendenziell eher rauchen, Alkohol trinken oder andere Verhaltensweisen an den Tag legen, die das Krebsrisiko erhöhen – ganz unabhängig von der Tinte unter der Haut.

Oder: Vielleicht erschweren Tattoos einfach die frühzeitige Erkennung von Hautkrebs. Wenn Muttermale oder Hautveränderungen durch Tattoo-Muster verdeckt werden, könnten Betroffene später zum Arzt gehen – was die Prognose verschlechtern würde, ohne dass das Tattoo selbst schuld ist.

Und jetzt?

Klar ist: Es braucht mehr Forschung. Die Autor*innen der Studie fordern weitere Untersuchungen, vor allem zu den biologischen Mechanismen hinter der möglichen Tattoo-bedingten Krebsentstehung. Denn noch sind viele Fragen offen: Welche Stoffe sind besonders gefährlich? Gibt es „sichere“ Farben? Und wie viel Tinte ist zu viel?

Bis dahin gilt: Wer sich ein Tattoo stechen lässt, sollte sich gut informieren – nicht nur über das Motiv, sondern auch über die Farben und Studios. Denn am Ende geht’s nicht nur um Style, sondern auch um Gesundheit.

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