Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Wie man erkennt, ob ein Land seine Umwelt gut schützt: Der neue Index, der alles verändern könnte

Eine internationale Gruppe von Wissenschaftler:innen schlägt ein revolutionäres Instrument vor, das die Art und Weise, wie wir den Fortschritt von Nationen messen, verändern könnte. Über wirtschaftliche Entwicklung hinaus soll dieser neue Indikator zeigen, wie wir mit der Natur umgehen – und was wir für eine nachhaltige Zukunft ändern müssen.
Von

Lesezeit 2 Minuten

In einer Welt, in der Wirtschaftswachstum oft mit Umweltzerstörung einherging, schlägt eine Gruppe von Expert:innen aus aller Welt einen neuen Ansatz vor, um Entwicklung zu bewerten. Der „Naturbeziehungsindex“ (NRI) soll die Logik hinterfragen, mit der Länder Fortschritt definieren – und einen Fokus setzen, der Umweltgerechtigkeit, menschliches Wohlergehen und ein respektvolles Zusammenleben mit der Natur integriert.

Ein Index, um alles neu zu denken

2
© Helena Lopes – Pexels

Die Initiative ist das Ergebnis gemeinsamer Arbeit von Wissenschaftler:innen der Universität Oxford sowie Forschenden aus Argentinien, China, den USA und weiteren Ländern. Unter ihnen ist Sandra Díaz, Forscherin am argentinischen Conicet und eine der treibenden Kräfte des Projekts. Der Vorschlag wurde in der Zeitschrift Nature veröffentlicht und sieht vor, einen Indikator zu entwickeln, der misst, wie Gesellschaften mit der Natur interagieren.

Anders als bisherige Systeme, die meist nur negative Auswirkungen betonen, will der NRI auch positive Maßnahmen zugunsten der Umwelt hervorheben. Er soll prüfen, ob Natur für alle zugänglich ist, ob Ressourcen nachhaltig genutzt werden und ob es wirksame Strategien zum Schutz der Biodiversität gibt.

Die Idee ist nicht nur, Regierungen zu informieren, sondern auch ein Werkzeug zu schaffen, das Bürger:innen, Schulen und Unternehmen motiviert, gemeinsam an einer wirklich nachhaltigen Entwicklung zu arbeiten.

Drei Säulen für ein neues Verhältnis zur Natur

Der Index basiert auf drei grundlegenden Dimensionen:

  • Zugängliche, blühende Natur: Erfasst, wie viele Grünflächen es gibt und wie nah sie an der Bevölkerung liegen.

  • Verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen: Prüft, ob die Nutzung der Umwelt nachhaltig erfolgt.

  • Wirksamer Schutz: Bewertet Gesetze, öffentliche Politik und Budgets für den Umweltschutz.

Ziel ist es, traditionelle Indikatoren wie den Index für menschliche Entwicklung (HDI) zu ergänzen – und so ein umfassenderes Bild vom kollektiven Wohlstand zu vermitteln.

3
© Alfo Medeiros – Pexels

Ist der Index wirklich umsetzbar?

Die Einführung des Index ist nicht ohne Herausforderungen. Es fehlen noch präzise Daten zu Schlüsselfragen wie Zugang zu Grünflächen oder Effektivität von Schutzgebieten. Außerdem muss der NRI verhindern, dass er in extrem armen Regionen falsch interpretiert wird – wo geringer Umweltverbrauch nicht unbedingt eine gute Beziehung zur Natur bedeutet.

Um diese Hürden zu überwinden, schlagen Expert:innen neue Messmethoden und bessere Systeme zur Erhebung von Umweltdaten vor – ähnlich wie es beim HDI mit sozialen Daten gelang.

Ein kultureller und politischer Wandel

Dr. Díaz betont, dass der neue Indikator keine Fantasie ist, sondern eine realistische Roadmap für eine gerechtere, lebenswertere Welt. „Die Zukunft ist noch nicht geschrieben“, sagt sie. Der NRI will diese Botschaft stärken, fatalistischen Erzählungen entgegentreten – und zeigen, dass wir unsere Beziehung zum Planeten noch verbessern können.

Läuft alles nach Plan, könnte der Index 2026 in den UN-Bericht über menschliche Entwicklung aufgenommen werden. Dann wird es erstmals möglich sein, konkret zu messen, wie nah wir daran sind, in Harmonie mit der Natur zu leben.

Quelle: Infobae

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel