Was kann Perplexity überhaupt?
Perplexity versteht sich selbst nicht als klassische Suchmaschine, sondern als „Answer Engine“. Man stellt eine Frage, und die KI liefert eine kurze, menschenähnliche Zusammenfassung inklusive Quellenangaben – im Prinzip ein ChatGPT mit Fußnoten. Egal ob man Buchempfehlungen zur Französischen Revolution oder eine Erklärung zum Genius Act möchte – binnen Sekunden erscheint ein Absatz mit Verweisen auf Wikipedia, Nachrichtenportale oder Reddit.
Im Unterschied zu Google gibt es dabei keine Werbung und keinen SEO-Müll – einfach eine saubere, chatbot-ähnliche Nutzererfahrung.
Kritiker werfen dem Ganzen allerdings vor, mehr Schein als Sein zu bieten: Im Kern sei Perplexity nichts anderes als eine hübsch verpackte Oberfläche für die APIs von Google und OpenAI – ohne eigene echte technologische Substanz.
Warum der Hype?
Trotz solcher Stimmen erlebt das Unternehmen derzeit einen regelrechten Höhenflug:
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Im Mai 2025 sammelte Perplexity in einer weiteren Finanzierungsrunde 500 Millionen US‑Dollar ein.
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Die Bewertung stieg innerhalb von sechs Monaten von 9 auf 14 Milliarden Dollar.
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Zu den prominenten Investoren zählen unter anderem Jeff Bezos, Nvidia und SoftBank.
Perplexity gilt mittlerweile als einer der spannendsten Player im Bereich KI-gestützter Suche – insbesondere unter Tech-Influencern und auf X (ehemals Twitter) besonders aktiven Nutzern. In den vergangenen Monaten sind die Zugriffszahlen rasant gestiegen. Inzwischen gibt es eine Chrome-Erweiterung, eine mobile App sowie eine kostenpflichtige Pro-Version mit Zugang zu leistungsstarken KI-Modellen wie GPT-4 oder Claude.
Apple und Meta mischen mit
Apple soll laut Medienberichten bereits interne Gespräche über eine mögliche Übernahme geführt haben. Auch Meta zeigt Interesse und hat demnach ebenfalls erste Gespräche aufgenommen, auch wenn bislang keine offiziellen Angebote bestätigt wurden.
Das strategische Interesse ist offensichtlich: Beide Konzerne versuchen seit Jahren, sich im Bereich KI und Suche unabhängiger von Google aufzustellen. Mit Perplexity hätten sie die Chance, schnell an Marktanteilen zu gewinnen und ihre eigenen Ökosysteme auszubauen.
Kritik: Hype über Substanz?
Skeptiker sehen in Perplexity eher eine hübsch designte Plattform, die existierende KI-Modelle und öffentlich zugängliche Webseiten zusammenfasst – ohne dabei selbst bahnbrechende Technologie zu entwickeln.
Zudem gibt es zunehmend Vorwürfe wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen:
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Mehrere Medienhäuser, darunter die New York Times, Forbes und Wired, werfen Perplexity vor, Inhalte ohne Genehmigung zu nutzen und unzureichend zu kennzeichnen.
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Im Juni 2025 drohte die BBC dem Unternehmen sogar mit rechtlichen Schritten, da angeblich BBC-Inhalte zum Training des Standard-KI-Modells von Perplexity verwendet wurden.
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Auch weitere Verlage prüfen derzeit juristische Schritte gegen das Unternehmen.
CEO Aravind Srinivas verteidigte Perplexity als „Aggregator von Informationen“ und versprach, mit einem Umsatzbeteiligungsmodell den Interessen der Rechteinhaber entgegenzukommen.
Warum trotzdem dieser Run?
Die Antwort ist simpel: Suche ist ein Milliardenmarkt. Google verdiente allein im ersten Quartal 2025 über 50 Milliarden US‑Dollar mit Suchanzeigen – ein Plus von fast zehn Prozent im Jahresvergleich.
Wenn Perplexity es schafft, auch nur einen kleinen Teil der Nutzer von Google wegzulocken und diesen dann zu monetarisieren, entsteht für Apple und Meta ein lukrativer Einstiegspunkt in das Geschäft rund um KI-basierte Suche.
Dahinter steckt aber noch mehr: Wer das nächste Suchinterface kontrolliert, kontrolliert letztlich auch den Nutzer selbst. Genauso wie Google einst Yahoo verdrängte, könnte Perplexity in der Lage sein, Google langfristig Konkurrenz zu machen. Genau deshalb wollen Big-Tech-Konzerne bei diesem Thema frühzeitig mitmischen – auch wenn noch nicht ganz klar ist, was sie am Ende tatsächlich kaufen.