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Wie die Trump-Familie still und leise ein milliardenschweres Krypto-Imperium aufbaut

Die Trump-Familie errichtet gerade ein Krypto-Imperium, das ihre Profite direkt in Konflikt mit der Präsidentschaft bringen könnte.
Von Luc Olinga Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Noch vor wenigen Jahren bezeichnete Donald Trump Kryptowährungen als „Betrug“ und „gefährlich“. Heute verteidigt er sie aus dem Oval Office als die Zukunft der Finanzwelt. Dieser Kurswechsel wird begleitet von einem rasant wachsenden Netzwerk an Krypto-Projekten, die direkt mit der Familie Trump verknüpft sind – mit einem bislang nie dagewesenen Potenzial für Interessenkonflikte.

Während der Präsident Krypto-freundliche Gesetze unterstützt, starten seine Familie und verbundene Firmen neue Tokens, Mining-Projekte und Finanzplattformen, die direkt von dieser Politik profitieren könnten. Hier ein Überblick über das Trump-Krypto-Imperium.

Das Stablecoin-Zentrum: World Liberty Financial (USD1)

Das Herzstück des Netzwerks ist offenbar World Liberty Financial (WLFI), eine im September 2024 gegründete Krypto-Firma. Donald Trump selbst wird als „Co-Founder Emeritus“ gelistet, seine Söhne Donald Jr., Eric und Barron sind aktive Mitgründer. Das hauseigene Stablecoin USD1 ist an den US-Dollar gekoppelt und hat laut CoinGecko bereits einen Marktwert von 2,2 Milliarden US-Dollar erreicht.

Was ist ein Stablecoin?
Dabei handelt es sich um eine Kryptowährung mit stabilem Wert. Für jeden ausgegebenen USD1-Token wird ein US-Dollar in Reserve gehalten – ideal für den Zahlungsverkehr und Handel.

Das Projekt wirft jetzt schon enorme Gewinne ab. Laut Trumps Offenlegung gegenüber dem Office of Government Ethics (OGE) im Juni 2025 verdiente er im Vorjahr rund 57,4 Millionen US-Dollar aus dem Besitz von Projekt-Token.

Das Timing könnte kaum besser sein: Kürzlich verabschiedete der US-Senat den sogenannten „Genius Act“ – ein Gesetz, das Stablecoins breite Akzeptanz ermöglichen könnte. Damit dürfte der Wert von Plattformen wie WLFI deutlich steigen. Bereits heute wird USD1 als Zahlungsmittel beim staatlichen Vermögensfonds der Vereinigten Arabischen Emirate (MGX) genutzt.

Kritiker und demokratische Abgeordnete vermuten hinter dem Stablecoin auch politische Absichten.
„Wenn der Kongress dieses Gesetz verabschiedet, wird USD1 nicht nur ein Mittel sein, um einen korrupten Präsidenten zu belohnen“, warnte Senatorin Elizabeth Warren im Mai. „Es wird ein staatlich legitimiertes Finanzinstrument. Und dieses Gesetz bietet neue Möglichkeiten, Käufer von Trumps Coins mit Gefälligkeiten wie Zollbefreiungen oder Begnadigungen zu belohnen.“

Die Memecoins: $TRUMP und $MELANIA

Im Januar starteten Firmen mit Verbindungen zur Trump-Organisation den Memecoin $TRUMP auf der Solana-Blockchain. Anders als Stablecoins haben Memecoins keinen festen Wert und leben vom Internet-Hype. Dennoch war der Launch ein voller Erfolg: Laut Chainalysis wurden bisher über 350 Millionen US-Dollar an Transaktionsgebühren erzielt, die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei rund 1,8 Milliarden US-Dollar.

Kurz darauf zog MKT World LLC nach, ein Unternehmen, das laut OGE der First Lady Melania Trump zugeordnet wird. Ihr Memecoin $MELANIA wird vage mit „öffentlichen Auftritten, Reden und dem Verkauf von NFTs“ begründet. Der Marktwert liegt aktuell bei rund 128,3 Millionen US-Dollar.

Das Mining-Projekt: American Bitcoin Corp

Im März ging Eric Trump eine Partnerschaft mit dem Mining-Unternehmen Hut 8 ein. Gemeinsam gründeten sie American Bitcoin Corp, die im Mai an die Börse ging. Ziel: einer der größten Bitcoin-Miner und -Sammler der USA zu werden. Eric Trump fungiert als Chief Strategy Officer. Bereits jetzt hält die Firma Bitcoin im Wert von rund 22 Millionen US-Dollar – mit ambitionierten Expansionsplänen.

Was ist Bitcoin-Mining?
Dabei werden mithilfe von Hochleistungsrechnern komplexe Rechenaufgaben gelöst. Als Belohnung erhält man Bitcoins. Das Verfahren ist energieintensiv, kann aber sehr profitabel sein.

Neue Projekte: ETFs und NFTs

Das Netzwerk wächst weiter. Bereits 2024 lizenzierte eine Trump-nahe Firma das Abbild des Präsidenten für NFTs (digitale Sammlerstücke) – und brachte ihm damit laut OGE über 1,1 Millionen US-Dollar ein.

Inzwischen hat Trump Media & Technology zudem die Zulassung für einen kombinierten Bitcoin- und Ether-ETF beantragt – einen Investmentfonds, der es auch Kleinanlegern ermöglichen würde, einfach in Kryptowährungen zu investieren.

Ein Netz aus Interessenkonflikten

Das weitverzweigte Krypto-Imperium – von Stablecoins über Memecoins bis hin zu Mining und Investmentfonds – ist eng mit Trumps Präsidentschaft verflochten. Sein politischer Schwenk vom Krypto-Skeptiker zum glühenden Befürworter geht Hand in Hand mit dem wachsenden finanziellen Interesse seiner Familie. Da seine Kampagne nun auch Spenden in Kryptowährungen akzeptiert, könnte dieses Netzwerk sowohl als Wahlkampfkasse als auch als Einkommensquelle nach der Präsidentschaft dienen.

Ob aus Überzeugung oder Opportunismus: Das Trump-Krypto-Imperium wirft ernste ethische Fragen auf. Während der Präsident Politik betreibt, die seiner Familie enorme finanzielle Vorteile verschaffen könnte, verschwimmen die Grenzen zwischen öffentlichem Amt und privatem Profit so stark wie nie zuvor.

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