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Wissenschaft

Wenn Nichtwissen keine Entschuldigung mehr ist

Nicht jedes Unwissen ist harmlos. Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen dem, was wir einfach nicht wissen – und dem, was wir uns nicht leisten dürfen, nicht zu wissen. Dieser Artikel zeigt, warum mangelnde Vorbereitung, vor allem in Führungspositionen, nicht nur gefährlich, sondern auch ethisch unvertretbar ist.
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Lesezeit 2 Minuten

„Ich wusste es nicht“ reicht nicht mehr aus

In einer Welt, in der jede Entscheidung weitreichende Folgen haben kann, ist der Satz „Ich wusste es nicht“ nicht ausreichend. Denn nicht jedes Unwissen ist gleich – und eines davon wiegt schwerer: das, das aus Verantwortungslosigkeit, Nachlässigkeit oder Arroganz entsteht. Gerade in Krisenzeiten ist dieser Unterschied kein akademisches Detail, sondern kann über Katastrophe oder Prävention entscheiden.

Unwissen ist nicht gleich Unwissenwollen

Es gibt vieles, das wir nicht wissen – und das ist völlig in Ordnung. Niemand muss ein Experte für Quantenphysik oder persische Literatur sein. Dieses Unwissen ist menschlich. Problematisch wird es jedoch, wenn Personen in Schlüsselpositionen nicht wissen, was sie wissen müssten. Dann sprechen wir von Neszienz – einer ignoranten Haltung mit Folgen.

Wenn Nichtwissen keine Entschuldigung mehr ist
© Dibakar Roy – Pexels

Besonders brisant wird diese Unterscheidung in hierarchischen Rollen. Wie das sogenannte „Peter-Prinzip“ zeigt, steigen viele Menschen so lange auf, bis sie eine Position erreichen, der sie nicht gewachsen sind. Was früher harmloses Unwissen war, wird so zu einer systemischen Bedrohung. Es ist ein Unterschied, ob man aus fehlender Gelegenheit nicht weiß – oder aus fehlendem Verantwortungsbewusstsein.

Valencia: Eine Katastrophe, die keine Überraschung war

Der jüngste Sturm in Valencia hat diese Unterscheidung auf schmerzhafte Weise sichtbar gemacht. Warnungen lagen vor, Berichte waren eindeutig, die Infrastruktur war seit Langem als anfällig bekannt. Es war keine unvorhersehbare Naturkatastrophe – es war Fahrlässigkeit. Und diese Fahrlässigkeit hat einen Namen: Neszienz.

Tausende Menschen waren in ihren Häusern eingeschlossen – nicht, weil der Wetterdienst versagt hätte, sondern weil Entscheidungsträger nicht reagierten. Nicht zu wissen, was man in kritischen Momenten wissen muss, ist nicht entschuldbar – schon gar nicht, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen.

Macht und Verantwortung: eine untrennbare Gleichung

Führen bedeutet nicht nur, Entscheidungen zu treffen – sondern auch, die Konsequenzen zu tragen. Verantwortungsvolles Leadership versteckt sich nicht hinter Unwissen und schiebt keine Schuld ab. Es bereitet sich vor, hört auf Expert*innen, handelt faktenbasiert. Autorität verlangt Kompetenz – und Kompetenz verlangt Demut, um ständig dazuzulernen.

Karl Popper brachte es auf den Punkt: „Wahre Ignoranz ist nicht das Fehlen von Wissen, sondern die Weigerung, es zu erwerben.“ Wissen ist daher nicht nur eine fachliche Notwendigkeit, sondern ein ethischer Auftrag.

Wenn Nichtwissen keine Entschuldigung mehr ist
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Führung darf kein Improvisationstheater sein

Die Herausforderungen der Zukunft sind enorm – von der Klimakrise bis zu technologischen Entwicklungen, die fundierte Entscheidungen verlangen. Wir dürfen keine Führung akzeptieren, die improvisiert. Keine Verwaltung, die PR über Fachkenntnis stellt. Institutionelle Neszienz ist kein Versehen – sie ist grobe Fahrlässigkeit.

Wenn das Gemeinwohl auf dem Spiel steht, ist Vorbereitung keine Option – sondern eine Pflicht.

Quelle: TheConversation.

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