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Wissenschaft

Wenn du das Gefühl hast, dass nichts gegen deine Rückenschmerzen hilft – die Wissenschaft gibt dir recht

Eine neue Untersuchung zeigt: Nur wenige der gängigen Methoden bieten eine spürbare, wenn auch geringe, Linderung bei akuten oder chronischen Rückenschmerzen.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Wer schon einmal länger mit hartnäckigen Rückenschmerzen zu kämpfen hatte, weiß: Es ist verdammt schwer, eine wirksame Lösung zu finden. Eine aktuelle Studie bestätigt nun, dass nur etwa 10 % der häufig angewandten Behandlungen tatsächlich eine spürbare Verbesserung bringen – und selbst diese nur in begrenztem Maße.

Australische Wissenschaftler veröffentlichten die Studie diese Woche im „BMJ Evidence Based Medicine“. Ihr Team analysierte Hunderte klinischer Studien, die Dutzende von Behandlungsmethoden für Rückenschmerzen untersuchten. Das Fazit: Die meisten Methoden waren nicht effektiver als ein Placebo. Nur wenige Ansätze, darunter Bewegungstherapie und nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs), zeigten eine leicht positive Wirkung – aber auch diese war eher bescheiden.

Ein weltweites Problem ohne einfache Lösung

Rückenschmerzen, insbesondere im unteren Rücken, gehören heute zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden weltweit. Fast jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens mindestens einmal Rückenschmerzen. Schätzungen zufolge leidet etwa 10 % der Weltbevölkerung gerade jetzt an Rückenschmerzen, während rund 40 % der Erwachsenen in den USA in den letzten drei Monaten Beschwerden hatten.

Zwar verschwinden viele dieser Schmerzen von selbst wieder, doch etwa 10 % der Amerikaner haben chronische oder wiederkehrende Rückenschmerzen. In den meisten Fällen gibt es keine eindeutige medizinische Ursache oder strukturelle Veränderung, die das Problem erklären könnte.

Jeder, der schon einmal länger mit Rückenschmerzen zu tun hatte, kennt die unzähligen angeblichen Heilmittel – und die Enttäuschung, wenn sie nicht helfen. Ziel der Forscher war es deshalb, eine der bislang umfassendsten Untersuchungen zu nicht-invasiven, nicht-operativen Behandlungsansätzen durchzuführen. Sie werteten dafür nur Studien aus, die als „Goldstandard“ der medizinischen Forschung gelten: randomisierte, placebokontrollierte klinische Studien.

Welche Methoden bringen wirklich etwas?

Insgesamt untersuchten die Forscher 301 Studien zu 56 verschiedenen Behandlungen für akute oder chronische, unspezifische Schmerzen im unteren Rücken.

„Wir haben diese Untersuchung durchgeführt, weil nicht-operative und nicht-invasive Ansätze als erste Behandlungsmethode empfohlen werden. Aber es gibt unzählige Optionen, und es ist nicht immer leicht zu wissen, welche wirklich helfen“, erklärt Aidan Cashin, leitender Autor der Studie und Sportphysiologe am Zentrum für Schmerzforschung der Neuroscience Research Australia.

Die Ergebnisse:

  • Akute Rückenschmerzen: Nur NSAIDs (wie Ibuprofen oder Diclofenac) waren signifikant wirksamer als ein Placebo.
  • Chronische Rückenschmerzen: Fünf Methoden schnitten besser ab als ein Placebo:
    • Bewegungstherapie
    • Wirbelsäulenmanipulation (z. B. Chiropraktik, Physiotherapie oder Osteopathie)
    • Taping (z. B. Kinesiologie-Tape)
    • Antidepressiva
    • TRPV1-Agonisten (z. B. Capsaicin, das für die Schärfe in Chilischoten verantwortlich ist und schmerzlindernde Eigenschaften hat)

Andere beliebte Methoden wie Cannabinoide, Muskelrelaxantien, Opioide, Akupunktur und Schröpftherapie brachten keine nachweisbare Verbesserung.

Ein Hoffnungsschimmer, aber kein Wundermittel

Selbst die wenigen effektiven Behandlungen boten jedoch nur begrenzte Linderung. Die Forscher betonen, dass die Wirksamkeit aller untersuchten Methoden bestenfalls „moderat“ ist.

„Die aktuelle Evidenz zeigt, dass nur eine von zehn nicht-operativen Behandlungen für Rückenschmerzen überhaupt eine Wirkung hat – und diese ist oft nur gering“, schreiben die Wissenschaftler.

Das bedeutet aber nicht, dass einzelne Patienten nicht dennoch von bestimmten Therapien profitieren können. Manche Menschen erleben eine deutliche Verbesserung durch Muskelrelaxantien oder alternative Methoden, auch wenn die große Mehrheit keine signifikante Wirkung verspürt. Zudem gibt es viele Behandlungsmethoden, die noch nicht ausreichend in hochwertigen Studien untersucht wurden.

Die Forscher fordern daher weitere, umfangreichere Studien zu bestehenden Behandlungen, um mehr Klarheit zu gewinnen.

Die Zukunft der Rückenschmerz-Behandlung

Ein echtes Allheilmittel gegen Rückenschmerzen gibt es derzeit nicht – und das gilt auch für Operationen. Viele der getesteten Methoden konzentrieren sich auf einzelne Faktoren, die zu Schmerzen beitragen, erklärt Cashin. Das könnte ein Grund sein, warum viele Ansätze nicht nachhaltig wirken.

Doch es gibt Hoffnung: Neue Therapieansätze wie Schmerz-Reprocessing-Therapie oder sensomotorisches Training zielen darauf ab, mehrere Schmerzmechanismen gleichzeitig zu beeinflussen. Diese könnten langfristig bessere Ergebnisse liefern.

Als jemand, der selbst seit Jahren immer wieder mit Rückenschmerzen kämpft, kann ich sagen: Ein gezieltes Bewegungs- und Dehnprogramm hilft mir, die Beschwerden im Griff zu behalten. Aber wie Millionen andere Betroffene hoffe auch ich, dass die Forschung bald wirksamere Lösungen für dieses oft frustrierende Problem findet.

 

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