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Wissenschaft

Wenn die Nacht verwirrt: Was spätes Einschlafen bei Jugendlichen über ihr Verhalten verrät

Eine aktuelle Studie hat einen auffälligen Zusammenhang zwischen spätem Schlafengehen bei Jugendlichen und impulsivem Verhalten festgestellt – insbesondere in emotional belastenden Momenten. Das Beunruhigende: Diese Tendenz scheint nicht durch die innere Uhr verursacht zu werden, sondern durch tiefere, bisher wenig erforschte Faktoren.
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Spätschläfer reagieren anders – aber warum?

Wie Jugendliche mit ihrer Schlafzeit umgehen, kann weitreichendere Folgen haben als bloße morgendliche Müdigkeit. Eine neue Untersuchung zeigt: Wer regelmäßig spät ins Bett geht, schläft nicht nur anders – sondern neigt auch dazu, in emotionalen Situationen impulsiver zu handeln. Was steckt dahinter?

Unerwarteter Zusammenhang zwischen Schlafzeit und Impulsivität

Forschende der University of Pittsburgh analysierten 210 Jugendliche hinsichtlich ihrer Schlafgewohnheiten und ihres impulsiven Verhaltens. Die Teilnehmenden füllten Fragebögen aus, gaben Auskunft über ihre Impulskontrolle und trugen Armbänder, die den Schlaf überwachten. Auch der Melatoninspiegel – ein Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert – wurde untersucht.

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© cottonbro studio – Pexels

Die überraschende Erkenntnis: Jugendliche, die sich selbst als „Nachteulen“ bezeichneten, zeigten ein höheres Maß an Impulsivität. Doch dieser Effekt ließ sich nicht durch die Melatoninwerte erklären – das Hormon schien mit dem beobachteten Verhalten nicht in Zusammenhang zu stehen.

Emotionen als Auslöser für vorschnelles Handeln

Besonders deutlich wurde das impulsive Verhalten bei negativen Gefühlszuständen. Statt sich durch schwierige Aufgaben zu kämpfen, neigten viele Spätschläfer dazu, schnell aufzugeben oder unüberlegte Entscheidungen zu treffen.

Dieses Reaktionsmuster, so die Forschenden, könnte das Risiko für riskantes Verhalten erhöhen – etwa beim Konsum von Alkohol oder Drogen. Die Kombination aus Impulsivität, emotionaler Labilität und Schlafmangel ist in der Jugend ein besonders gefährlicher Cocktail.

Es geht nicht nur um die innere Uhr

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© cottonbro studio – Pexels

Laut Studienleiterin Riya Mirchandaney lässt sich die Impulsivität nicht allein biologisch erklären. „Wir konnten keine signifikante Verbindung zwischen dem Beginn der Melatoninproduktion und impulsivem Verhalten feststellen“, so die Forscherin. Damit rücken psychologische und soziale Einflüsse stärker in den Fokus – sie könnten sowohl die Schlafgewohnheiten als auch das emotionale Verhalten prägen.

Was Eltern und Lehrkräfte wissen sollten

Angesichts der möglichen Folgen raten die Forschenden Eltern dazu, auf gesunde Schlafroutinen bei Jugendlichen zu achten. Zwar wird die Studie erst auf dem Jahreskongress der American Academy of Sleep Medicine vorgestellt, doch schon jetzt liefern ihre Ergebnisse eine wichtige Erkenntnis: Schlaf beeinflusst nicht nur den Körper – sondern auch, wie Jugendliche fühlen und handeln.

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