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Wissenschaft

Weniger Zucker als Baby – bessere Gesundheit im Alter

Forscher haben herausgefunden, dass Menschen, die als Babys und sogar schon im Mutterleib weniger Zucker konsumieren, Jahrzehnte später seltener an Krankheiten wie Diabetes erkranken.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Eine der schönsten Seiten von Halloween sind die Berge an süßen Leckereien, die in unsere Hände wandern. Doch eine neue Studie legt nahe, dass ein Verzicht auf Zucker in den ersten Lebensjahren langfristige gesundheitliche Vorteile haben kann – bis hin zu einem verringerten Risiko für Typ-2-Diabetes Jahrzehnte später.

So lecker Zucker auch ist, er hat keinen besonders guten Ruf, wenn es um unsere Gesundheit geht – besonders in Bezug auf den Stoffwechsel. Zu viel zugesetzter Zucker kann schwerwiegende Folgen haben, und einige Forschungen deuten darauf hin, dass dies insbesondere in der frühen Entwicklung der Fall ist – also während der Schwangerschaft oder in der Stillzeit. Doch laut der Forscherin Tadeja Gracner gab es bislang kaum wirklich solide Daten zu den langfristigen Auswirkungen dieser frühesten Zuckerexposition – bis jetzt.

Ein natürliches Experiment aus der Vergangenheit

„Das ist nicht wirklich überraschend, denn es ist unglaublich schwer, Situationen zu finden, in denen Menschen zufällig unterschiedlichen Ernährungsbedingungen ausgesetzt sind – besonders in frühen Lebensphasen, die dann auch noch über Jahrzehnte hinweg beobachtet werden“, erklärt Gracner, Wissenschaftlerin und Ökonomin an der University of Southern California und der RAND Corporation, gegenüber Gizmodo.

Doch durch einen glücklichen Zufall fanden Gracner und ihr Team genau so eine Situation – vor mehr als 70 Jahren in Großbritannien. Während des Zweiten Weltkriegs wurden süße Lebensmittel und Leckereien streng rationiert, was bedeutete, dass der durchschnittliche Bürger (einschließlich werdender oder stillender Mütter und ihrer Kinder) in dieser Zeit nur wenig Zucker zu sich nahm. Diese Rationierung endete 1953, und kurz darauf verdoppelte sich der Zuckerkonsum fast.

Gracner und ihr Team analysierten Daten aus der UK Biobank, einer langfristigen Forschungsstudie, die die Gesundheit britischer Einwohner über Jahre hinweg verfolgt. Sie verglichen die gesundheitlichen Folgen für Menschen, die kurz vor und kurz nach dem Ende der Zucker-Rationierung geboren wurden.

Weniger Zucker, weniger Krankheiten

„Die Umgebung, in der wir diese Fragen untersuchten, war keine von extremer Nahrungsmittelknappheit, wie etwa eine Hungersnot oder starke Kalorienrestriktion“, erklärt Gracner. „Unsere Daten zeigen, dass die Rationierung vielmehr eine Ernährung ermöglichte, die heutigen Ernährungsrichtlinien entspricht.“

Die Ergebnisse sprechen für sich: Menschen, die während der Rationierung geboren wurden, hatten ein deutlich geringeres Risiko, im späteren Leben an Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck zu erkranken, als jene, die kurz danach geboren wurden. Und selbst wenn sie erkrankten, trat die Krankheit im Durchschnitt später auf. Insgesamt berechneten die Forscher, dass die frühzeitige Zucker-Rationierung das Risiko für Bluthochdruck um 20 % und das Diabetes-Risiko um 35 % senkte. Zudem verzögerte sich das Auftreten dieser Erkrankungen um zwei bzw. vier Jahre. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Die entscheidenden Jahre: Schwangerschaft und frühe Kindheit

Auch wenn bereits viele Studien zeigen, dass zu viel Zucker ungesund ist, könnten diese neuen Erkenntnisse helfen, den besonders kritischen Zeitraum für schädliche Zuckerexposition einzugrenzen. Ein Drittel der Risikoreduktion ließ sich allein auf die reduzierte Zuckeraufnahme während der Schwangerschaft zurückführen. Und am stärksten war der gesundheitliche Schutz, wenn die Zuckeraufnahme auch nach den ersten sechs Lebensmonaten – also nach der Einführung fester Nahrung – weiterhin niedrig blieb. Diese Phase scheint laut Gracner besonders entscheidend zu sein. Doch das umzusetzen, ist leichter gesagt als getan.

„Wir alle wollen gesund bleiben und unseren Kindern den besten Start ins Leben ermöglichen, und weniger Zucker von Anfang an ist ein großer Schritt in diese Richtung. Doch das ist nicht einfach – zugesetzter Zucker steckt überall drin, selbst in Baby- und Kleinkindnahrung. Und Kinder werden von Werbung für süße Snacks regelrecht überflutet. Sich an die empfohlenen Zuckergrenzen zu halten, ist unglaublich schwer – von Geburt an“, sagt sie.

Brauchen wir strengere Regeln?

Natürlich ist es wichtig, Familien aufzuklären und ihnen bewusst zu machen, wie entscheidend eine zuckerarme Ernährung in den ersten Lebensjahren ist. Doch Gracner und ihr Team plädieren dafür, dass mehr getan werden muss, um den Einfluss von Zucker auf unsere Ernährung zu begrenzen.

„Wir sollten Unternehmen in die Verantwortung nehmen, Babynahrung gesünder zu gestalten und Junk-Food-Werbung für Kinder strenger zu regulieren. Mit besseren Informationen, einer gesünderen Umgebung und den richtigen Anreizen könnten Eltern es einfacher haben, die Zuckeraufnahme ihrer Kinder – und auch ihre eigene – zu reduzieren.“

Trotzdem wollen die Forscher nicht die Spielverderber sein: „Wir wollen ganz sicher niemandem die Freude an Halloween oder anderen Festtagen verderben – ein Geburtstagskuchen, eine Schokolade oder ein paar Kekse in Maßen sind Leckereien, die jeder genießen sollte!“, betont Gracner abschließend.

 

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