Eine neue Studie lässt aufhorchen: Menschen, die seltener Sex haben, könnten ein höheres Risiko haben, früher zu sterben – zumindest gilt das für bestimmte Gruppen. Besonders bei Frauen sowie bei Männern mit Depressionen zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen geringer sexueller Aktivität und einer verkürzten Lebenserwartung.
Wenn das Bett kalt bleibt, leidet nicht nur die Stimmung
Dass unser Liebesleben eng mit der körperlichen und seelischen Gesundheit verknüpft ist, ist eigentlich nichts Neues. Sex wirkt stressreduzierend, stärkt Beziehungen und ist oft ein guter Indikator für den allgemeinen Gesundheitszustand. Zahlreiche chronische Krankheiten – etwa Diabetes – können sich negativ auf die Sexualfunktion auswirken. Bei Männern kann erektile Dysfunktion sogar ein Frühwarnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, noch bevor andere Symptome auftreten.
Forscher der Walden University wollten nun genauer verstehen, wie sehr unsere sexuelle Aktivität tatsächlich mit unserer Lebenserwartung zusammenhängt – insbesondere im Zusammenspiel mit psychischen Faktoren wie Depressionen.
15.000 Menschen, ein eindeutiger Trend
Für ihre Analyse griffen die Wissenschaftler auf Daten der „National Health and Nutrition Examination Survey“ (NHANES) zurück – eine umfassende, nationale Erhebung in den USA zu Ernährung, Lebensstil und Gesundheit, durchgeführt vom Center for Disease Control and Prevention (CDC).
Im Fokus standen fast 15.000 Erwachsene über 20 Jahren. Wer angab, weniger als 52 Mal im Jahr Sex zu haben – also weniger als einmal pro Woche –, wurde als „sexuell inaktiv“ eingestuft. Nur etwa ein Drittel der Befragten gab an, wöchentlich oder häufiger Sex zu haben, wobei fast alle mindestens einmal im Monat aktiv waren.
Frauen sterben früher – wenn das Liebesleben fehlt
Die Ergebnisse sind eindeutig: Frauen, die seltener Sex haben, haben ein deutlich höheres Risiko, früher zu sterben – bis zu 70 % höher im Vergleich zu sexuell aktiveren Frauen. Und: Je seltener der Sex, desto größer das Risiko. Auch nach Anpassung anderer Faktoren wie psychischer Gesundheit oder bestehender Krankheiten blieb der Zusammenhang bestehen, wenn auch etwas abgeschwächt.
Bei Männern war das Bild komplexer. Insgesamt zeigte sich kein klarer Zusammenhang zwischen seltener sexueller Aktivität und früherem Tod – es sei denn, die Männer litten unter Depressionen. In dieser Gruppe war das Risiko doppelt so hoch, frühzeitig zu sterben, wenn sie zusätzlich wenig Sex hatten.
Was bedeutet das für uns?
„Eine Besonderheit unserer Studie ist der langfristige Effekt von seltener sexueller Aktivität auf die Sterblichkeit – nach jahrelanger Beobachtung einer großen, repräsentativen Bevölkerungsgruppe“, schreiben die Autoren in ihrer Veröffentlichung im Journal of Psychosexual Health.
Wichtig: Die Studie zeigt einen Zusammenhang, aber keine eindeutige Kausalität. Es lässt sich also nicht sagen, ob seltener Sex tatsächlich den frühen Tod verursacht – oder ob er eher ein Symptom anderer gesundheitlicher Probleme ist. Dennoch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ein erfülltes Sexleben mehr ist als nur Luxus oder Freizeitvergnügen. Es könnte ein zentraler Baustein unserer allgemeinen Gesundheit sein.
Guter Sex, gesundes Herz?
Laut den Forschern könnte sexuelle Aktivität das Herz-Kreislauf-System positiv beeinflussen – durch einen stabileren Herzrhythmus und verbesserte Durchblutung. Auch die psychischen Effekte wie Stressabbau und gesteigertes Wohlbefinden spielen vermutlich eine Rolle.
Ob das nun ein medizinisch abgesegnetes Argument für das nächste romantische Wochenende ist? Vielleicht. In jedem Fall zeigen die Daten: Körperliche Nähe, Intimität und sexuelle Aktivität sollten nicht unterschätzt werden – weder aus gesundheitlicher noch aus emotionaler Sicht.
Ein erfülltes Liebesleben ist offenbar nicht nur gut für die Beziehung, sondern auch für die Lebenserwartung – zumindest für viele Frauen und Männer mit Depressionen. Vielleicht also ein Grund mehr, der eigenen Sexualität (und der des Partners) mehr Aufmerksamkeit zu schenken.