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Wissenschaft

Welche Form hat das Universum?

Die Antwort wird noch komplizierter, wenn man die Zeit als Dimension betrachtet
Von John Etnyre, The Conversation Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Wenn du dich umsiehst, könnte es so wirken, als würdest du auf einer flachen Ebene leben. Genau deshalb kannst du eine Stadt mit einer Karte navigieren – ein flaches Stück Papier, das deine Umgebung repräsentiert. Vielleicht war das einer der Gründe, warum Menschen früher glaubten, die Erde sei flach. Aber heute wissen wir es besser.

Tatsächlich bewegst du dich auf der Oberfläche einer riesigen Kugel, die einige Unebenheiten hat – quasi wie ein Beachball in der Größe der Erde. Diese kugelförmige Oberfläche ist eine mögliche zweidimensionale (2D) Raumform, genau wie eine Ebene. In beiden kannst du dich in zwei Richtungen bewegen: nach Norden oder Süden, nach Osten oder Westen.

Aber welche anderen räumlichen Formen könnten noch existieren? Könnte es sein, dass unser Universum selbst eine besondere Form hat?

Die Form des Universums

Wenn du das Universum um dich herum betrachtest, erscheint es dreidimensional (3D) – genau wie die Erdoberfläche zweidimensional erscheint. Doch so wie die Erde in Wahrheit eine Kugel ist, könnte auch das Universum eine komplexere Form haben. Es könnte die 3D-Variante einer Kugel sein – oder noch etwas Exotischeres.

Eine mögliche Form wäre zum Beispiel ein riesiger dreidimensionaler Donut, auch Torus genannt. Ein Torus ist eine Fläche, die man in zwei Richtungen durchlaufen kann, ähnlich wie die Erde, nur mit einer anderen topologischen Struktur.

Vor über hundert Jahren haben Mathematiker alle möglichen zweidimensionalen Räume katalogisiert und ihre Eigenschaften untersucht. In den letzten Jahrzehnten konnten sie auch viele mögliche dreidimensionale Raumformen erforschen. Obwohl noch nicht alles bekannt ist, haben Wissenschaftler bereits genug Wissen gesammelt, um Theorien über die wahre Form unseres Universums aufzustellen.

Besonders spannend wird es, wenn man die Zeit als Dimension hinzunimmt.

Die vierte Dimension und darüber hinaus

Um die Position eines Objekts im Raum zu beschreiben – beispielsweise eines Kometen – brauchst du vier Werte: drei für den Raum (X-, Y- und Z-Koordinaten) und einen für die Zeit. Diese vier Zahlen ergeben zusammen einen vierdimensionalen (4D) Raum.

Doch warum dort aufhören? Die Stringtheorie, ein Bereich der modernen Physik, postuliert, dass das Universum nicht nur vier, sondern noch mehr Dimensionen haben könnte. Auch in der Praxis gibt es Anwendungen für solche übergeordneten Dimensionen. Ein Beispiel ist die Robotersteuerung: Willst du die Bewegung von drei Robotern in einer Fabrikhalle analysieren, brauchst du pro Roboter zwei Koordinaten (X und Y). Mit drei Robotern ergibt das sechs Dimensionen. Je mehr Faktoren du berücksichtigst, desto höher steigt die Dimensionalität des Problems.

Solche mehrdimensionalen Konzepte sind nicht nur für Robotik wichtig, sondern auch für die Erforschung von Planetenbewegungen, die Analyse großer Datensätze und viele andere wissenschaftliche Fragestellungen.

Verknotete Räume und faszinierende Strukturen

Ein weiteres spannendes Gebiet der Topologie ist das Studium von Räumen innerhalb anderer Räume. Ein Beispiel dafür sind mathematische Knoten. Wenn du eine Schlaufe aus Schnur verknotest, hast du eine eindimensionale Struktur (die Schnur) innerhalb eines dreidimensionalen Raums (dein Zimmer). Solche Knoten sind nicht nur ein theoretisches Konzept – sie spielen eine zentrale Rolle in der Physik, der Biologie (z. B. bei der DNA-Struktur) und der Chemie.

Die Untersuchung dieser Knoten hat sich als essenziell für das Verständnis von 3D- und 4D-Räumen erwiesen. Auch hier gibt es noch viele ungelöste Fragen, die die Wissenschaft vorantreiben.

Knots are examples of spaces that sit inside other spaces. Jkasd/Wikimedia Commons

 

Welche Form hat dein Universum?

Die geometrische Topologie ist ein faszinierendes und weitreichendes Forschungsfeld mit unzähligen offenen Fragen. Wissenschaftler arbeiten beispielsweise an der sogenannten Poincaré-Vermutung für vierdimensionale Räume, die versucht, die einfachste geschlossene 4D-Struktur zu bestimmen. Ein weiteres ungelöstes Rätsel ist die Slice-Ribbon-Vermutung, die den Zusammenhang zwischen Knoten in 3D-Räumen und Flächen in 4D-Räumen untersucht.

Doch auch jenseits theoretischer Fragen ist Topologie bereits heute von großer Bedeutung für Wissenschaft und Technik. Je mehr wir über die Form unseres Universums lernen, desto besser können wir nicht nur fundamentale Fragen der Physik beantworten, sondern auch praktische Probleme lösen – von der Datenanalyse bis zur Raumfahrt.

Die Frage bleibt: In welcher Form des Universums lebst du wirklich?

 

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