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Was, wenn die Gehirne von Vögeln und Säugetieren nicht so ähnlich wären, wie wir dachten?

Eine Studie aus dem Baskenland stellt die Vorstellung in Frage, dass Vögel und Säugetiere ein ähnliches Gehirndesign teilen. Forscher haben entdeckt, dass, obwohl ihre neuronalen Schaltkreise ähnliche Funktionen erfüllen, sie sich durch völlig unterschiedliche evolutionäre Wege gebildet haben. Dieser Fund schreibt nicht nur unser Wissen über die Evolution um, sondern wirft auch neue Fragen zur Intelligenz und neuronalen Entwicklung auf.
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Ein Fund, der das Verständnis der Gehirnevolution verändert

Forscher des Baskischen Zentrums für Neurowissenschaften Achucarro haben die vorherrschende Theorie über die Ähnlichkeit zwischen den Gehirnen von Vögeln, Säugetieren und Reptilien in Frage gestellt. Bisher ging man davon aus, dass diese Tiere nahezu identische Neuronen und Verbindungen zur Verarbeitung sensorischer und kognitiver Informationen teilen. Doch die von Eneritz Rueda-Alaña und Fernando García-Moreno geleiteten Studien zeigen, dass diese Vorstellung falsch ist.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich auf das Pallium, die Region des Gehirns, in der sich zentrale kognitive Funktionen befinden. Bei Säugetieren bildet diese Zone den Neocortex, während bei Vögeln das Hyperpallium existiert und bei Reptilien eine einfachere dorsale Rinde. Überraschenderweise zeigen die Studien, dass, obwohl Vögel und Säugetiere neuronale Schaltkreise besitzen, die ähnlich funktionieren, ihre embryonale Entwicklung völlig unterschiedliche Wege verfolgt.

Verschiedene Neuronen, verschiedene Wege, aber ähnliche Funktionen

Dr. García-Moreno erklärt, dass die Neuronen von Vögeln und Säugetieren keine umorganisierten Versionen eines einzigen Zelltyps sind, wie man bisher dachte. Vielmehr hat jede Gruppe ihre eigenen neuronalen Typen unabhängig voneinander entwickelt. „Es sind nicht die gleichen Neuronen, die an verschiedenen Stellen neu positioniert sind, sondern in jeder evolutionären Linie sind völlig neue Zellen entstanden“, erläutert der Forscher.

Dieser Fund bedeutet eine radikale Veränderung in der Art und Weise, wie wir die Evolution des Gehirns verstehen. Es zeigt, dass die Natur mehrere Möglichkeiten gefunden hat, effiziente neuronale Schaltkreise zu schaffen, ohne einem einzigen Muster folgen zu müssen. Vögel und Säugetiere fanden ähnliche Lösungen, aber auf verschiedenen Wegen.

Auswirkungen auf die Neurowissenschaft und künstliche Intelligenz

Diese Entdeckung hat Auswirkungen, die über die evolutionäre Biologie hinausgehen. Laut García-Moreno könnte das Verständnis, wie die Evolution auf unterschiedliche Weise optimale Schaltkreise hervorgebracht hat, entscheidend für das Studium neuronaler Netzwerke, neurocomputationaler Modelle und sogar künstlicher Intelligenz sein. Wenn unterschiedliche evolutionäre Wege zu funktional effizienten Gehirnstrukturen geführt haben, könnte es mehr als einen Weg geben, intelligente Systeme zu entwerfen.

Allerdings hat sich nicht alles verändert. Die Studie bestätigt auch, dass inhibitorische Neuronen bei allen Wirbeltieren unverändert geblieben sind. Dies deutet darauf hin, dass sie eine so essentielle Funktion erfüllen, dass die Evolution nicht auf sie verzichten konnte. Darüber hinaus könnte ein besseres Verständnis ihrer Rolle Schlüssel zur Untersuchung von mit ihrer Entwicklung verbundenen Neuropathologien bieten.

Dieser Fortschritt definiert nicht nur die Gehirnevolution neu, sondern wirft auch neue Fragen zur Intelligenz, Kognition und möglichen technologischen Anwendungen dieser Erkenntnisse auf.

Quelle: Cadena SER.

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