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Wissenschaft

Was unter unseren Füßen liegt: Verborgene Berge entdeckt – höher als der Everest

In fast 2.000 Kilometern Tiefe unter der Erdoberfläche haben Wissenschaftler gigantische Berge entdeckt, die hundertmal so hoch sind wie der Mount Everest. Entstanden vor Milliarden von Jahren, könnten diese kolossalen Strukturen unser Verständnis der Erdgeschichte grundlegend verändern.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Während der Mount Everest weiterhin als Inbegriff von Höhe auf der Erdoberfläche gilt, zeigt eine neue Entdeckung, dass das gewaltigste unseres Planeten sich womöglich viel tiefer verbirgt – im Inneren des Erdmantels. Zwei riesige Formationen, für das menschliche Auge unsichtbar, wurden soeben ans Licht gebracht … durch die Wissenschaft.

Jenseits des Everest: Verborgene Berge in 1930 Kilometern Tiefe

Ein Team von Wissenschaftler*innen hat zwei gigantische Formationen im Erdinneren entdeckt – und das Erstaunliche ist nicht nur ihre Existenz, sondern ihre Größe: Mehr als 1.000 Kilometer hoch, also etwa hundertmal höher als der Mount Everest.

Diese „Berge“ befinden sich in 1.930 Kilometern Tiefe und wurden durch die Analyse seismischer Wellen entdeckt, die bei Erdbeben entstehen. Die Art und Weise, wie sich diese Wellen durch den Planeten ausbreiten, erlaubt Rückschlüsse auf Unregelmäßigkeiten in der Struktur des Erdmantels – und so stießen Forscher*innen auf diese enormen Gebilde.

Bekannt als Large Low Shear Velocity Provinces (LLSVPs) liegen sie unter Afrika und dem Pazifischen Ozean. Auffällig ist nicht nur ihre enorme Höhe, sondern auch ihre Zusammensetzung: Sie bestehen aus dichtem, extrem altem Material, das sich anders verhält als der Rest des Erdmantels.

Unverrückbare Berge seit Anbeginn der Erde?

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© iStock.

Dieser Fund stellt grundlegende geologische Annahmen infrage. Bisher galt der Erdmantel als eine ständig in Bewegung befindliche Schicht, in der Hitze und Materialien unaufhörlich zirkulieren.

Doch diese tiefen Berge scheinen anders zu sein: Sie könnten bereits seit über 4 Milliarden Jahren existieren – also seit der Entstehung der Erde. Ihre Stabilität und Dichte lassen vermuten, dass sie Überreste aus der Frühzeit des Planeten sind – Strukturen, die selbst kolossale Veränderungen überstanden haben.

Darüber hinaus weisen sie höhere Temperaturen auf als das umliegende Mantelmaterial – was weitere Fragen zu ihrem Verhalten und ihrer Rolle im Erdinneren aufwirft. Handelt es sich um Ablagerungen alter Kernmaterialien? Dienen sie als Isolatoren? Hängen sie mit der Bildung von Kontinenten oder Supervulkanen zusammen?

Der Everest wird klein: Ein unvermeidlicher Vergleich

Zum Vergleich: Der Mount Everest erreicht 8.848,86 Meter über dem Meeresspiegel. Sein tibetischer Name lautet Chomolungma, „Mutter des Universums“, und seit seiner ersten Vermessung im Jahr 1841 gilt er als der höchste bekannte Punkt der Erde.

Doch im Vergleich zu den im Erdmantel entdeckten Formationen wirkt der Everest winzig. Die LLSVPs übersteigen 1.000 Kilometer Höhe. Auch wenn man sie nicht sehen oder besteigen kann, verändert ihre Existenz unser Verständnis davon, was eine „Bergformation“ überhaupt ist.

Das Unsichtbare, das unsere Sicht auf den Planeten verändert

Die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Entdeckung ist weit mehr als eine geologische Kuriosität. Sie hat das Potenzial, ganze Kapitel über die Entstehung der Erde, ihren Ursprung und die Entwicklung ihrer inneren Schichten neu zu schreiben.

Diese verborgenen Berge könnten Hinweise auf untergegangene Urkontinente, Überreste des Einschlags, der den Mond entstehen ließ, oder Aufzeichnungen jahrtausendealter Wärmezyklen enthalten. Ihre bloße Existenz erinnert uns daran, wie wenig wir eigentlich über das wissen, was unter unseren Füßen geschieht.

Während wir zum Himmel blicken und nach Antworten suchen, könnten die ältesten Fragen der Menschheit längst tief in der Erde verborgen liegen – unbeweglich, aber voller Bedeutung.

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