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Wissenschaft

Was tun Wale, wenn einer von ihnen in Not ist? Die überraschende Antwort, die Wissenschaftler verblüfft

Eine neue Studie offenbart erstaunliches Verhalten bei Buckelwalen, wenn einer von ihnen sich in Fischernetzen verheddert. Handeln sie instinktiv – oder steckt mehr dahinter? Der folgende Artikel berichtet von beeindruckenden Fällen und stellt eine unbequeme Frage über Empathie im Tierreich.
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Hilfegesten, die das tierische Verhalten infrage stellen

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© Hugo Sykes – Pexels

Alles begann mit einem Jungtier, das sich in einer Angelschnur verfangen hatte. Rachel Cartwright und ihr Team beobachteten, wie die Mutter wiederholt mit der Schwanzflosse auf das Wasser schlug – als wolle sie dem Kalb etwas beibringen. Kurz darauf ahmte das junge Tier die Bewegung nach – und befreite sich.

Doch das war kein Einzelfall. In einem anderen Fall blieb ein erwachsener Wal an der Seite eines verfangenen Jungtiers, verscheuchte gezielt Haie mit kräftigen Schwanzschlägen und hob das verletzte Tier sanft zur Wasseroberfläche – ohne Paarungsabsicht. Beschützerinstinkt – oder etwas Tieferes?

Erstaunlich: In vielen Fällen waren die Wale nicht miteinander verwandt. Warum also das Risiko eingehen?

Ein Verhalten, das häufiger vorkommt als gedacht

In einer Analyse von 414 dokumentierten Verhedderungen zwischen 2001 und 2023 in Hawaii und Alaska wurde festgestellt, dass in 62 Fällen ein „Begleitwal“ aktiv eingriff. Häufig waren es keine Kälber, sondern ausgewachsene Tiere, die Hilfe erhielten.

Forschende wie Olaf Meynecke berichteten von ähnlichen Beobachtungen im Südpazifik: Mehrere Wale versammelten sich um einen in Not geratenen Artgenossen, agierten koordiniert – sogar in Anwesenheit der Mutter. Dieses Verhalten deutet auf eine Form von Empathie hin, die wir bisher kaum verstanden haben.

Empathie, Anpassung – oder beides?

Schon historische Aufzeichnungen aus der Zeit des Walfangs zeigen solidarisches Verhalten unter Walen – selbst wenn es sie das Leben kostete. Seit dem Walfangverbot von 1986 scheint dieses Verhalten wieder verstärkt aufzutreten.

Laut der Expertin Anna Moscrop könnte es sich um „affektive Empathie“ handeln: das Erkennen fremden Leids, ohne selbst betroffen zu sein. Für Rachel Cartwright könnte es aber auch eine Anpassung an die zunehmende Bedrohung durch Fischernetze sein – eine Gefahr, der über 80 % aller Wale im Laufe ihres Lebens begegnen.

Was wir tun können, um diese Tragödien zu verhindern

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© ArtHouse Studio – Pexels

Verhedderungen in Fischereigeräten sind weiterhin eine der Haupttodesursachen bei Walen. Moscrop schlägt vor, die Zahl loser Leinen im Wasser drastisch zu reduzieren. Auch Konsument*innen können helfen: Der Kauf nachhaltig gefangenen Fisches kann einen Unterschied machen.

Und du? Wirst du Wale nach dieser Lektüre noch mit denselben Augen sehen?

Quelle: National Geographic.

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