Am 24. September 2182 könnte ein relativ großer Weltraumfelsen mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,037 % auf der Erde einschlagen. Auch wenn die Chance gering ist, gilt Bennu als einer der gefährlichsten bekannten Asteroiden unseres Sonnensystems. Forscher bereiten sich deshalb auf den Ernstfall vor. Eine bahnbrechende Studie hat simuliert, welche planetaren Folgen ein Einschlag hätte: plötzlicher Wintereinbruch und weltweite Nahrungsmittelknappheit.
Ein Forscherteam aus Südkorea hat untersucht, wie sich ein Einschlag eines mittelgroßen Asteroiden wie Bennu auf das Klima und das Leben auf der Erde auswirken würde. Die Ergebnisse zeigen, dass massive Störungen auftreten würden, die bis zu vier Jahre andauern könnten. Im schlimmsten Fall würden hunderte Millionen Tonnen Staub in die Atmosphäre geschleudert, wodurch das Sonnenlicht drastisch reduziert wird. Die Folge: weltweite Temperaturstürze und schwere Einbußen bei der Pflanzenproduktion. Die Studie, die als erste ihrer Art das Erdklima nach einem Asteroideneinschlag modelliert, wurde in Science Advances veröffentlicht.
Ein Blick auf Bennu
Bennu ist ein relativ kleiner, erdnaher Asteroid, der alle sechs Jahre in unserer Nähe vorbeizieht. Wissenschaftler gehen davon aus, dass er vor etwa 700 Millionen bis 2 Milliarden Jahren von einem viel größeren, kohlenstoffreichen Asteroiden abgebrochen ist und sich allmählich der Erde genähert hat. Die NASA-Mission OSIRIS-REx hat 2020 erfolgreich eine Probe von Bennu entnommen und sie im September 2023 zur Erde gebracht. Die Analyse dieser Probe ergab, dass Bennu einige der wesentlichen Bausteine des Lebens enthält.
Ein Einschlag von Bennu wäre verheerend, aber nicht beispiellos. Vor etwa 66 Millionen Jahren schlug ein etwa 10 Kilometer breiter Asteroid auf der Erde ein und löschte die meisten Lebewesen, darunter die Dinosaurier, aus. Bennu ist mit seinen rund 500 Metern Durchmesser im Vergleich dazu kleiner, doch mittelgroße Asteroiden wie er sind weit verbreitet.

Die Folgen eines Einschlags
„Im Durchschnitt kollidieren mittelgroße Asteroiden alle 100.000 bis 200.000 Jahre mit der Erde“, erklärte Axel Timmermann, Direktor des IBS Center for Climate Physics an der Pusan National University in Südkorea und Mitautor der Studie. „Das bedeutet, dass unsere frühen menschlichen Vorfahren einige dieser planetenverändernden Ereignisse erlebt haben könnten, was möglicherweise Auswirkungen auf unsere Evolution und unser genetisches Erbe hatte.“
Um herauszufinden, was bei einem Einschlag von Bennu im Jahr 2182 passieren würde, simulierten die Forscher ein statistisch realistisches Kollisionsszenario. Sie fanden heraus, dass dabei zwischen 100 und 400 Millionen Tonnen Staub in die obere Atmosphäre geschleudert würden. Dies hätte dramatische Folgen für das globale Klima, die Atmosphärenchemie sowie die Photosynthese von Pflanzen und Plankton.
Der schlimmste Effekt wäre die Verdunkelung der Sonne durch gewaltige Staubwolken. Dies könnte laut Studie die globale Durchschnittstemperatur um bis zu 4 Grad Celsius senken, die Niederschläge um 15 % reduzieren und die Ozonschicht um 32 % schwächen.
„Der plötzliche Einschlagswinter würde ein Klima schaffen, in dem Pflanzen kaum noch wachsen können, was zu einem anfänglichen Rückgang der Photosynthese um 20 bis 30 % führen würde“, erklärte Lan Dai, die leitende Autorin der Studie. „Das würde eine massive Bedrohung für die weltweite Nahrungsmittelversorgung bedeuten.“
Eine unerwartete positive Nebenwirkung?
Doch es gibt auch einen unerwarteten positiven Nebeneffekt: Eisen aus dem Asteroiden könnte nach dem Einschlag in die Ozeane gelangen und dort plötzliches Wachstum siliziumreicher Algen auslösen. Plankton würde sich in den Ozeanen innerhalb von sechs Monaten erholen, während Landpflanzen zwei bis drei Jahre brauchen würden. Tatsächlich könnte das Wachstum des Planktons nach der Erholung sogar höher sein als vor dem Einschlag.
„Wir konnten diese unerwartete Reaktion auf die Eisenkonzentration im Staub zurückführen“, erklärte Timmermann. „Die simulierten massiven Planktonblüten könnten ein Segen für das Ökosystem sein und möglicherweise helfen, die durch den Rückgang der terrestrischen Pflanzenproduktion verursachte Nahrungsmittelknappheit etwas abzumildern.“
Asteroidenabwehr: Hoffnung für die Zukunft
Obwohl die Wahrscheinlichkeit eines Bennu-Einschlags gering ist, setzen Wissenschaftler alles daran, die Kontrolle über die Zukunft unseres Planeten zu behalten. Die NASA hat 2022 mit der erfolgreichen DART-Mission (Double Asteroid Redirection Test) bewiesen, dass es möglich ist, die Bahn eines Asteroiden zu verändern. Dies ist ein bedeutender Schritt in der Entwicklung von Methoden zur Verteidigung der Erde gegen bedrohliche Himmelskörper.
Und Bennu ist nicht der einzige Asteroid, der potenziell gefährlich werden könnte. Der neu entdeckte Asteroid 2024 YR4 hat eine 1,9-prozentige Wahrscheinlichkeit, die Erde bereits im Jahr 2032 zu treffen. Bleibt zu hoffen, dass solche Simulationen nie zur Realität werden – sei es durch Glück oder durch die Entschlossenheit der Menschheit, sich gegen Bedrohungen aus dem All zu wehren.