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Wissenschaft

Was du nicht siehst, kann dir schaden: Die unsichtbare Gefahr von Plastik in deinem Essen

Plastikverpackungen sollen unser Essen schützen – doch oft passiert genau das Gegenteil.
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Neue Studien zeigen: Selbst sogenannte „sichere“ Kunststoffe geben Chemikalien ab, die besonders für Kinder gefährlich sein können. Was bedeutet das für deinen Alltag – und was fordern Expert*innen jetzt?

Die moderne Lebensmittelindustrie setzt seit Jahrzehnten auf Plastik: Es ist leicht, praktisch und verlängert die Haltbarkeit von Produkten. Doch der Komfort hat seinen Preis. Denn viele dieser Verpackungen geben im Laufe der Zeit chemische Zusatzstoffe ab, die über das Essen direkt in unseren Körper wandern. Und das oft, ohne dass wir es merken.

Chemie auf dem Teller: Was steckt wirklich in der Verpackung?

© Polina Tankilevitch – Pexels

Plastik besteht nicht nur aus Kunststoff, sondern aus einem Cocktail chemischer Zusatzstoffe. Dazu zählen sogenannte Weichmacher wie Phthalate (PAE) oder organische Phosphorsäureester (OPE). Sie sorgen dafür, dass Verpackungen elastisch und haltbar bleiben – stehen aber gleichzeitig im Verdacht, hormonell wirksam zu sein und Fortpflanzung oder Stoffwechsel negativ zu beeinflussen.

In den letzten Jahren hat die Industrie auf Alternativen gesetzt: ATBC (Acetyltributylcitrat) und DEHA (Di-2-ethylhexyladipat) gelten als „sicherer“ – doch genau diese Stoffe wurden nun in Lebensmitteln entdeckt, und ihre Unbedenklichkeit wird inzwischen stark angezweifelt.

Besonders problematisch: Diese Chemikalien gelten nicht als Lebensmittelzusatzstoffe – und unterliegen daher auch nicht denselben strengen Vorschriften. Es gibt derzeit keine klaren gesetzlichen Grenzwerte für ihre Mengen in Nahrungsmitteln. Was in deinem Essen landet, ist also oft rechtlich eine Grauzone.

85 % der Lebensmittel betroffen

Eine neue Studie aus Spanien, veröffentlicht im Fachmagazin Journal of Hazardous Materials, hat 109 in Supermärkten erhältliche Lebensmittel unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: In 85 % der Proben wurde mindestens ein Weichmacher nachgewiesen. Besonders häufig tauchten die vermeintlich harmlosen Stoffe ATBC und DEHA auf – sogar in Produkten, die in Glas verpackt oder lose verkauft wurden.

Die Hauptquelle für diese Belastung? Kunststofffolien, Verschlussdeckel und Innenbeschichtungen von Verpackungen. Selbst Kochbeutel oder Verpackungen für Fertiggerichte entpuppen sich als Risiko – denn beim Erhitzen, etwa im Ofen oder in der Mikrowelle, kann sich die Migration der Chemikalien um das bis zu 50-Fache erhöhen. Und das selbst dann, wenn die EU-Grenzwerte für Verpackungen eingehalten werden.

Gefahr vor allem für Kinder

Wie viel von diesen Stoffen nehmen wir täglich auf? Die Studie hat die sogenannte „tägliche Aufnahme“ für Erwachsene und Kinder berechnet. Im Normalfall liegen die Werte unter den von Behörden wie der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) empfohlenen Grenzwerten. Doch in einem Szenario mit „hoher Belastung“ – etwa bei stark verarbeiteten Lebensmitteln – überschreiten Kleinkinder und Babys die empfohlenen Werte für DEHP oder EHDPP deutlich.

Drei weitere Weichmacher liegen zudem bedenklich nah an der Schwelle zur Gesundheitsgefährdung. Besonders alarmierend: Ernährung ist nur eine von vielen Quellen. Auch Spielzeug, Staub oder Luft in Innenräumen tragen zur täglichen Belastung bei.

Der Ruf nach strengeren Regeln wird lauter

Spanien hat bereits 2022 bestimmte Phthalate in Verpackungen verboten. Doch es bleibt unklar, wie wirksam diese Regelung tatsächlich überwacht wird. Fachleute fordern jetzt eine umfassendere Gesetzgebung: Auch neue Weichmacher wie ATBC und DEHA müssten reguliert oder zumindest vorsorglich eingeschränkt werden.

Das Prinzip: lieber auf Nummer sicher gehen, bevor Langzeitschäden auftreten. Denn was heute als „sicher“ gilt, kann sich morgen als problematisch herausstellen – so war es bereits bei zahlreichen anderen Chemikalien der Fall.

Die Wissenschaft fordert eine tiefgreifende Überprüfung der Materialien, die in direktem Kontakt mit Lebensmitteln stehen. Es geht nicht nur darum, was wir essen – sondern auch darum, worin es aufbewahrt wird.

Mehr Transparenz, weniger Plastik

Was bedeutet das für dich? Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte möglichst auf frische, unverpackte Lebensmittel setzen – und auf das Aufwärmen von Fertiggerichten in Kunststoffverpackungen besser verzichten. Auch Glas oder Edelstahl sind beim Aufbewahren und Erhitzen von Speisen eine gute Wahl.

Letztlich geht es um Verantwortung – von Industrie, Politik und auch Konsument*innen. Denn was wir nicht sehen, kann sehr wohl gefährlich sein. Und gerade beim Essen sollte das Risiko so klein wie möglich sein.

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