In unserer Kultur ist der Gedanke, unangenehm zu riechen, mit Scham behaftet. Deshalb tragen viele Menschen Deodorant nicht nur unter den Armen auf, sondern auch an anderen Körperstellen. Doch ist das wirklich notwendig? Dieser Artikel beleuchtet wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Dermatologie zu Schweiß, Körpergeruch und dem tatsächlichen Nutzen von Deodorants – und räumt mit gängigen Mythen auf.
Die Rolle von Schweiß – und warum er nicht immer stinkt

Schweiß erfüllt eine lebenswichtige Funktion: Er reguliert die Körpertemperatur. Entgegen der weit verbreiteten Meinung riecht Schweiß an sich nicht unangenehm. Der Geruch entsteht erst, wenn er mit den Bakterien auf unserer Haut reagiert. Diese zersetzen den Schweiß und setzen dabei geruchsintensive Verbindungen frei.
Manche Menschen produzieren übermäßig viel Schweiß – eine Erkrankung namens Hyperhidrose. In solchen Fällen können Antitranspirantien hilfreich sein. Laut Dermatologen wie Dr. Joshua Zeichner ist es jedoch am effektivsten, sie abends aufzutragen, wenn die Schweißproduktion geringer ist. So können sie die Schweißdrüsen besser blockieren.
Wer allerdings keine Hyperhidrose hat, sollte vorsichtig sein: Wird das Schwitzen künstlich unterdrückt, kann der Körper dies an anderen Stellen ausgleichen – und dort verstärkt schwitzen.
Macht es Sinn, Deodorant am ganzen Körper zu verwenden?
Es gibt sogenannte „Körper-Deodorants“, die sich kaum von klassischen Deos unterscheiden. Sie enthalten meist Duftstoffe und absorbierende Pulver wie Pfeilwurzel- oder Tapiokastärke – allerdings in der Regel keine Aluminiumsalze, wie sie in Antitranspirantien vorkommen.
Laut der Dermatologin Dr. Chris Adigun ist es jedoch nicht nötig, Deodorant am ganzen Körper aufzutragen. Nicht alle Körperstellen neigen zu Geruchsbildung. Der unangenehme Geruch entsteht vor allem dort, wo sich viele apokrine Drüsen befinden – also in den Achselhöhlen und im Intimbereich. Hier enthält der Schweiß mehr Fette und Proteine, die ideale Nahrung für geruchsbildende Bakterien darstellen.
Der Schlüssel: tägliche Hygiene statt Produkt-Overkill

Die beste Methode gegen Körpergeruch bleibt einfache, regelmäßige Körperpflege. Eine tägliche Dusche – mit besonderem Augenmerk auf Gesicht, Achselhöhlen und Genitalbereich – ist entscheidend. Diese Zonen sind feuchter und bieten deshalb einen besseren Nährboden für Bakterien und Hefepilze.
Fazit: Übermäßiger Deoeinsatz am ganzen Körper ist nicht nur unnötig, sondern kann auch kontraproduktiv sein. Anstatt mehr Produkte zu verwenden, lohnt es sich, die Funktionsweise unserer Haut besser zu verstehen – und entsprechend überlegt zu handeln.
[Quelle: Meteored]