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Wissenschaft

Was die Gesetze des Universums neu schreiben könnte: Die Theorie, die alles infrage stellt, was wir über die Schwerkraft zu wissen glaubten

Zwei finnische Wissenschaftler haben eine neue Gravitationstheorie vorgeschlagen, die das fehlende Bindeglied zur Vereinigung von Quantenphysik und Relativitätstheorie sein könnte. Dieser Ansatz, der auf spekulative Elemente früherer Theorien verzichtet, verspricht, unser Verständnis des Kosmos für immer zu verändern – sofern er den wissenschaftlichen Prüfungen standhält.
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Seit Jahrzehnten steht die moderne Physik vor einem unbequemen Problem: der Unvereinbarkeit zweier ihrer grundlegendsten Säulen – der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Quantenmechanik. Beide beschreiben das Universum mit großer Präzision, doch sie scheinen unterschiedliche Sprachen zu sprechen. Nun könnte ein neuer Ansatz eine bislang beispiellose Lösung bieten. Was wäre, wenn alles, was wir über die Schwerkraft zu wissen glaubten, falsch wäre?

Ein neues Modell, das Einstein und die Stringtheorie herausfordert

Was die Gesetze des Universums neu schreiben könnte: Die Theorie, die alles infrage stellt, was wir über die Schwerkraft zu wissen glaubten
© Unplash – FlyD.

Zwei Forscher der Universität Aalto in Finnland, Mikko Partanen und Jukka Tulkki, haben einen revolutionären Vorschlag präsentiert: eine Neuinterpretation der Gravitation, die – im Gegensatz zur populären Stringtheorie – keine versteckten Dimensionen oder bislang unentdeckte Teilchen benötigt. Besonders bemerkenswert: Ihre Theorie kommt ausschließlich mit bereits bekannten physikalischen Konstanten aus, was sie experimentell überprüfbar macht.

Veröffentlicht in Reports on Progress in Physics, beschreibt die Theorie Gravitation nicht als Krümmung der Raumzeit – wie es Einstein tat –, sondern als eine Wechselwirkung zwischen vier miteinander verknüpften Feldern, ähnlich denen der Elektromagnetismus. Dadurch könnte sich die Gravitation in das Standardmodell der Physik einfügen, zusammen mit den drei anderen fundamentalen Kräften: Elektromagnetismus, schwache und starke Kernkraft.

Laut Partanen besteht das Ziel darin, eine sogenannte Eichtheorie der Gravitation zu entwickeln, die besser mit den Symmetrien der Quantenphysik vereinbar ist – und somit die raumzeitliche Symmetrie der allgemeinen Relativität hinter sich lässt.

Ein möglicher Weg zur Weltformel?

Was die Gesetze des Universums neu schreiben könnte: Die Theorie, die alles infrage stellt, was wir über die Schwerkraft zu wissen glaubten
© Mikko Partanen and Jukka Tulkki / Aalto University.

Obwohl vielversprechend, befindet sich das Modell noch in einem frühen theoretischen Stadium. Die Forscher konnten zeigen, dass es auf der Ebene der Terme erster Ordnung funktioniert. Der nächste Schritt ist der Nachweis, dass die Struktur auch bei höheren mathematischen Ordnungen stabil bleibt – mithilfe der Renormierung, einem Verfahren zur Vermeidung physikalisch unsinniger Unendlichkeiten, das für jede konsistente Quantentheorie entscheidend ist.

Tulkki räumt ein: „Wenn sich die Renormierung in höheren Ordnungen nicht aufrechterhalten lässt, bricht die Theorie in sich zusammen.“ Auch auf zentrale Fragen der Kosmologie – etwa Schwarze Löcher, den Urknall oder die Asymmetrie zwischen Materie und Antimaterie – wurde sie bislang nicht angewendet, doch die Autoren sind zuversichtlich, dass dies in Zukunft möglich sein könnte.

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© Unsplash – and machines.

Die größte Hürde liegt im experimentellen Bereich: Die Gravitation ist die schwächste der fundamentalen Kräfte, und ihre quantenphysikalischen Effekte sind extrem subtil. Um sie zu messen, wären wesentlich präzisere Instrumente nötig als die heute verfügbaren. Dennoch glaubt Partanen, dass wir in den kommenden Jahrzehnten durch Fortschritte in der astronomischen Beobachtung indirekte Beweise gewinnen könnten.

Wie Partanen selbst sagt: „Eine Theorie, die alle fundamentalen Kräfte vereint, wäre die wahre Weltformel.“ Noch ist es zu früh, um endgültige Schlüsse zu ziehen – aber dieser Ansatz könnte ein entscheidender Schritt in diese Richtung sein. Und vielleicht zeigt sich eines Tages, dass das Universum viel einfacher – und zugleich viel seltsamer – ist, als wir je gedacht haben.

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