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Wissenschaft

Was deine Körpertemperatur heimlich über deinen emotionalen Zustand verrät

Eine überraschende wissenschaftliche Entdeckung deutet darauf hin, dass die innere Körperwärme eng mit dem Auftreten depressiver Symptome verbunden sein könnte. Ein unerwarteter biologischer Hinweis, der die Art und Weise, wie wir Depressionen verstehen und behandeln, grundlegend verändern könnte.
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Lesezeit 2 Minuten

Depressionen wurden lange Zeit primär als psychische oder emotionale Störung betrachtet. Doch neue Forschungen verlagern den Fokus: Eine globale Studie weist auf eine bislang unbeachtete Verbindung zwischen Körpertemperatur und Stimmungslage hin. Diese Beziehung, die noch viele offene Fragen aufwirft, könnte neue Wege für Diagnose und Therapie eröffnen.

Eine heiße Spur: Körperwärme und psychische Gesundheit

Die international geleitete Studie entdeckte einen positiven Zusammenhang zwischen erhöhter Körpertemperatur und depressiven Symptomen: Je höher die Temperatur, desto intensiver wurden depressive Beschwerden angegeben. Zudem fanden die Forschenden Hinweise auf eine mögliche Verbindung mit der thermischen Variabilität – also Schwankungen der Körpertemperatur –, allerdings erreichte dieser Aspekt keine statistische Signifikanz.

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© Andrea Piacquadio – Pexels

Bemerkenswert ist: Es bleibt unklar, ob eine höhere Temperatur eine Folge der Depression ist, eine mögliche Ursache darstellt oder ob beide Phänomene einem noch unbekannten dritten Faktor zugrunde liegen – etwa chronischem Stress oder systemischen Entzündungsprozessen.

Über 20.000 Teilnehmende, ein globales Muster

Mit 20.880 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 106 Ländern handelt es sich um die bislang größte Studie zu diesem Thema. Über einen Zeitraum von sieben Monaten trugen die Proband*innen tragbare Temperaturmessgeräte und dokumentierten täglich ihren emotionalen Zustand. Die Datenerhebung fand im Jahr 2020 statt – ein Zeitraum, der ohnehin durch starke emotionale Belastungen geprägt war.

Die Psychiaterin Ashley Mason, Co-Autorin der Studie, betont den besonderen Wert der geografischen Breite der Untersuchung sowie die Kombination aus Sensorik und Selbstbeobachtung. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Ein alter Hinweis gewinnt an Bedeutung

Auch wenn es sich um die umfassendste Untersuchung handelt, ist sie nicht die erste, die auf diese Verbindung hindeutet. Bereits 2003 wurde ein Zusammenhang zwischen Temperatur und Depression über den Serotonintransporter (5-HTT) hergestellt. Außerdem ist bekannt, dass Antidepressiva wie SSRIs und SNRIs die Hitzetoleranz beeinflussen – ein weiterer Hinweis auf eine thermische Komponente.

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© Polina Tankilevitch – Pexels

Eine 2022 veröffentlichte Übersichtsstudie dokumentierte zahlreiche Forschungsarbeiten, die zeigen, wie diese Medikamente das körpereigene Thermoregulationssystem beeinflussen können.

Ein Blick in die Zukunft: Wärme als Therapie?

Auch wenn die Studienlage noch keine endgültigen Schlüsse über Ursache und Wirkung zulässt, bietet dieser Befund neue Perspektiven. Könnten Wärme- oder Kältetherapien helfen, das körperliche und emotionale Gleichgewicht wiederherzustellen? Frühere Untersuchungen deuteten auf die Wirksamkeit von Hitzebehandlungen als begleitende Maßnahme hin – möglicherweise durch einen „Rebound-Effekt“, der die Selbstregulation des Körpers anregt.

Ein besseres Verständnis dieser Verbindung könnte in Zukunft zu ganzheitlicheren und individuelleren Therapieansätzen bei Depressionen führen.

Quelle: Xataka

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