Schlaf ist weit mehr als bloße Ruhezeit. Laut der Neurologin Lucía Crivelli ist guter Schlaf eine essenzielle biologische Funktion, die direkt Einfluss auf das Gedächtnis, die Emotionen und die Vorbeugung neurodegenerativer Erkrankungen hat. In diesem Interview gibt Crivelli wertvolle Einblicke in das, was während des Schlafs im Gehirn passiert – und wie man die Schlafqualität gezielt verbessern kann.
Wie das Gehirn im Schlaf arbeitet
Schlafen bedeutet keine Abschaltung, sondern ist ein aktiver Prozess, der wichtige Mechanismen für die psychische Gesundheit in Gang setzt. Der Schlaf besteht aus den Phasen Non-REM und REM. In den Non-REM-Phasen kommt es zu tiefer, regenerativer Erholung. In der REM-Phase hingegen ist das Gehirn hochaktiv – ähnlich wie im Wachzustand – und genau hier entstehen die meisten Träume.

Während des Non-REM-Schlafs repariert das Gehirn Nervenzellen und festigt Erinnerungen. Zudem wird das sogenannte glymphatische System aktiv, das toxische Rückstände wie Tau- und Beta-Amyloid-Proteine beseitigt – Substanzen, die mit Krankheiten wie Alzheimer in Verbindung stehen. Diese nächtliche „Gehirnwäsche“ macht Schlaf zu einer wichtigen Präventionsstrategie.
Gleichzeitig entscheidet der Hippocampus, welche Erinnerungen gespeichert und welche gelöscht werden. Träumen ist also kein Zufallsprodukt – es hängt direkt mit der Reorganisation neuronaler Verbindungen zusammen.
Emotionen, Umgebung und Gewohnheiten vor dem Einschlafen
Crivelli betont, dass Schlaf Emotionen über Hirnstrukturen wie die präfrontale Cortex, das Cingulum und die Amygdala reguliert. Schlechter Schlaf macht uns daher gereizter und anfälliger für Stimmungsschwankungen.
Für besseren Schlaf ist die Vorbereitung des Umfelds entscheidend: Die Raumtemperatur sollte zwischen 18 und 22 °C liegen, starke Lichtquellen, Lärm und vor allem Bildschirme gilt es zu vermeiden. Blaues Licht hemmt die Melatoninproduktion, und der Content auf Handy oder Fernseher sorgt für Überreizung. „Es ist nicht nur das Licht, sondern auch das, was wir sehen – es hält uns wach“, warnt Crivelli.
Sie rät auch davon ab, den Schlaf zu erzwingen: Wenn man nicht müde ist, sollte man warten. Ins Bett zu gehen ohne Müdigkeit kann die innere Unruhe verstärken und das Einschlafen erschweren.
Wann man sich Sorgen machen sollte und wie sich der Schlaf verbessern lässt

Schlechter Schlaf sollte nicht zur Normalität werden. Crivelli nennt Warnzeichen wie Tagesmüdigkeit, Einschlafstörungen, häufiges Erwachen, Schnarchen oder unkontrollierte Bewegungen. In solchen Fällen empfiehlt sie, einen Spezialisten zu konsultieren und gegebenenfalls eine Polysomnografie durchzuführen, um den Schlaf gründlich zu analysieren.
Darüber hinaus gibt sie weitere Tipps: Ein kurzes Nickerchen (weniger als 20 Minuten, idealerweise um 14:00 Uhr) kann den Schlaf ergänzen. Auch einfache Maßnahmen wie bequeme Schlafkleidung und entspannte Schlafpositionen können helfen.
Laut Crivelli ist „Schlaf kein zweitrangiger Aspekt. Er ist eine grundlegende Säule für Gedächtnis, emotionale Ausgeglichenheit und die Gesundheit des Gehirns.“ Guter Schlaf, so ihr Fazit, ist eine Investition in die langfristige Lebensqualität.
Quelle: Infobae.