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Warum immer mehr Nutzer ihre Apple Watch ablegen – ein Trend, der das Gerät gefährden könnte

Was einst als Hilfsmittel zur Förderung der körperlichen Aktivität gedacht war, hat sich für viele in eine Quelle der Angst verwandelt. Nutzer berichten, wie die Apple Watch ihren Alltag kontrollierte – bis sie beschlossen, sie abzulegen.
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Das Dilemma zwischen Motivation und Druck

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© YouTube – SupraPixel

Smartwatches wurden entwickelt, um unsere Lebensqualität zu verbessern, insbesondere im Bereich der körperlichen Aktivität. Die Apple Watch nutzt ein System aus Aktivitätsringen, das die Nutzer dazu animieren soll, sich zu bewegen, Sport zu treiben und weniger Zeit im Sitzen zu verbringen. Doch was als gesunde Motivation begann, wurde für einige zu einem belastenden Zwang.

Nicole, eine Nutzerin, die ihre Erfahrung mit Fortune teilte, berichtet, dass sie irgendwann zwanghaft versuchte, ihre Aktivitätsringe zu schließen – sogar, indem sie spätabends in ihrer Wohnung auf und ab lief. „Ich habe gemerkt, dass das nicht mehr gesund war. Es wurde zur Obsession. Ich habe nicht mehr trainiert, um mich gut zu fühlen, sondern nur noch, um das zu erfüllen, was die Uhr vorgab.“

Sie ist nicht die Einzige. In sozialen Netzwerken wie Reddit und TikTok erzählen immer mehr Menschen, dass ihnen der Spaß an der Bewegung verloren ging, weil sie sich unter Druck gesetzt fühlten, ihre täglichen Ziele zu erreichen.

Ein Problem, das mehrere Geräte betrifft

Nicht nur die Apple Watch steht in der Kritik. Auch andere Fitness-Tracker wie der Oura Ring oder Whoop wurden mit ähnlichen negativen Auswirkungen in Verbindung gebracht. Doch weil die Apple Watch am weitesten verbreitet ist, wird sie besonders oft hinterfragt.

Viele Nutzer haben sich inzwischen für alternative Apps wie Gentler Streak entschieden, die einen flexibleren Ansatz verfolgen und Erholung genauso wertschätzen wie Aktivität. „Nach fünf Jahren, in denen ich mich nur auf das Schließen meiner Ringe konzentriert habe, ist mir das jetzt egal. Ich habe eine viel ausgeglichenere Einstellung zum Sport entwickelt.“, schrieb ein Reddit-Nutzer.

Ein anderer erzählte, dass es für sein mentales Wohlbefinden ein Wendepunkt war, die Apple Watch abzulegen. „Kein ständiges Monitoring mehr, keine Benachrichtigungen darüber, dass meine Freunde ihre Workouts abgeschlossen haben, während ich mich schlecht fühle, weil ich es nicht getan habe. Ich fühle mich frei. Ich genieße Bewegung jetzt ohne Druck – und das hat mich gesünder und glücklicher gemacht.“

Die andere Seite: Verteidiger der Apple Watch

Doch nicht alle sehen das so. Viele Nutzer verteidigen das Ring-System der Apple Watch als hilfreiches Mittel zur Selbstmotivation. „Die Ringe sind eine Orientierung, kein unverrückbares Ziel. Du kontrollierst die Ringe – die Ringe sollten nicht dich kontrollieren.“, argumentierte ein Nutzer als Antwort auf die Kritik.

Auf TikTok verkündete die Influencerin Sydney Adams King, dass sie mit ihrer Apple Watch „Schluss mache“, weil sie sich zu sehr auf die Messwerte des Geräts konzentriere. Auch die Personal Trainerin Katy Saltsman erkannte, dass ihr obsessive Überprüfung der Fitnessdaten während eines Urlaubs ihr Wohlbefinden beeinträchtigte. „Selbst an meinen Ruhetagen konnte ich nicht entspannen. Ich habe gemerkt, wie sehr ich mich von meinem eigenen Körper entfremdet hatte.“, erklärte sie.

Wann wird Gesundheits-Tracking ungesund?

Die Debatte hat auch die Wissenschaft erreicht. Eine Studie, die 2023 in Science Direct veröffentlicht wurde, fand heraus, dass die Nutzung von Fitness-Trackern und Kalorienmessern mit Symptomen von Essstörungen in Verbindung stehen kann.

Darüber hinaus zeigten die Teilnehmer, deren Smartwatches eine niedrige Schrittzahl registrierten, ein geringeres Selbstwertgefühl, höheren Blutdruck und eine erhöhte Herzfrequenz. Sie neigten zudem zu ungesünderen Essgewohnheiten im Vergleich zu Personen, die solche Daten nicht regelmäßig überprüften.

Experten warnen, dass solche Geräte zwar sinnvolle Hilfsmittel sein können, aber bei manchen Nutzern zu einer ungesunden Beziehung zu Sport und Ernährung führen – insbesondere bei Menschen mit Angststörungen oder perfektionistischen Tendenzen.

Die Herausforderung besteht darin, eine Balance zu finden: Die Technologie sollte die Gesundheit fördern – aber nicht zur Quelle von Stress werden.

 

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