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Wissenschaft

Warum Elefanten nicht mehr als „Pachydermen“ gelten

Obwohl wir Elefanten lange Zeit „Pachydermen“ genannt haben, gehören sie aus biologischer Sicht nicht mehr zu dieser Gruppe. Der Begriff, der sich hartnäckig in der kollektiven Vorstellung hält, stammt aus einer früheren Klassifikation, die heute als überholt gilt.
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Eine Klassifikation basierend auf Haut – nicht auf Genen

Das Wort „Pachyderm“ kommt aus dem Griechischen: pachys (dick) und derma (Haut). Es bezieht sich auf Tiere mit dicker Haut. Der französische Naturforscher Georges Cuvier verwendete diesen Begriff Anfang des 19. Jahrhunderts, um Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Schweine und andere Tiere mit ähnlicher Hautstruktur zu gruppieren. Daraus entstand die Ordnung Pachydermata – eine morphologische Klassifikation, nicht eine genetische.

Doch diese Einteilung erwies sich als oberflächlich. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und der Einführung der Evolutionstheorie durch Charles Darwin und Alfred Russel Wallace im Jahr 1858 entwickelte sich eine neue Art der biologischen Klassifikation: Nicht das Aussehen, sondern die evolutionären und genetischen Verwandtschaften – also die Phylogenie – wurden zum Maßstab.

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© Magda Ehlers – Pexels

Warum der Begriff „Pachyderm“ überholt ist

Mit den Fortschritten in der Genetik wurde deutlich, dass die als „Pachydermen“ bekannten Tiere keinen nahen gemeinsamen Vorfahren haben. Mit anderen Worten: Dicke Haut ist das Ergebnis konvergenter Evolution – also eine ähnliche Anpassung an vergleichbare Umweltbedingungen, nicht ein vererbtes Merkmal.

Wie Miguel Casares, Direktor des Bioparc Valencia, erklärt, gehören die als Pachydermen klassifizierten Tiere zu völlig unterschiedlichen Ordnungen. Zum Beispiel:

  • Flusspferde sind Paarhufer (Artiodactyla), verwandt mit Schweinen und Wiederkäuern.

  • Nashörner gehören zu den Unpaarhufern (Perissodactyla), zusammen mit Tapiren und Pferden.

  • Elefanten hingegen gehören zur Ordnung der Rüsseltiere (Proboscidea), innerhalb der übergeordneten Gruppe der Paenungulata.

Interessanterweise sind die nächsten genetischen Verwandten der Elefanten weder Nashörner noch Flusspferde – sondern Seekühe (Manati).

Was sind Elefanten also?

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© Kallie Calitz – Pexels

Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht gehören Elefanten zur Ordnung Proboscidea, was sich auf ihren Rüssel (Proboscis) bezieht. Diese Ordnung umfasst heute nur noch eine lebende Familie: Elephantidae, mit drei Arten:

  • Der Afrikanische Savannenelefant (Loxodonta africana)

  • Der Afrikanische Waldelefant (Loxodonta cyclotis)

  • Der Asiatische Elefant (Elephas maximus)

Diese Ordnung ist etwa 60 Millionen Jahre alt und umfasste einst auch ausgestorbene Tiere wie Mammuts und Mastodonten.

Warum benutzen wir das Wort „Pachyderm“ immer noch?

Obwohl der Begriff in der Wissenschaft überholt ist, wird er im allgemeinen Sprachgebrauch und in der Literatur weiterhin verwendet. Sogar manche wissenschaftlichen Texte nutzen ihn gelegentlich als beschreibendes Synonym für Elefanten und ihre ausgestorbenen Verwandten. Dennoch ist es wichtig zu betonen, dass die Wissenschaft solche oberflächlichen Kategorien längst zugunsten von Systemen aufgegeben hat, die echte evolutionäre Verwandtschaften widerspiegeln.

Letztlich ist es, als würde man Delfine weiterhin als Fische bezeichnen: In lockeren Gesprächen mag es verständlich sein – wissenschaftlich jedoch ist es nicht haltbar.

Quelle: National Geographic.

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