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Wissenschaft

Biologen entdecken, warum Bettwanzen so schwer mit Insektiziden zu töten sind

Vor 60 Jahren waren Bettwanzen fast ausgerottet – doch jetzt sind sie stärker zurück als je zuvor.
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

In den 1960er-Jahren hätte man fast gedacht, das Kapitel Bettwanzen sei abgeschlossen. Durch den massiven Einsatz von Insektiziden schienen die Blutsauger so gut wie ausgerottet. Doch in den letzten zwanzig Jahren erlebten sie ein beunruhigendes Comeback – und sind mittlerweile resistenter als je zuvor. Jetzt haben Wissenschaftler genetische Faktoren entschlüsselt, die erklären, warum diese unliebsamen Plagegeister so schwer zu bekämpfen sind.

Ein Forscherteam unter der Leitung von Hidemasa Bono von der Hiroshima University hat das bisher vollständigste Genom einer insektizidresistenten Bettwanze sequenziert und mit dem Genom einer nicht-resistenten Bettwanze verglichen. Ihre Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Insects im September, geben tiefere Einblicke in die genetischen Mutationen, die die Resistenz gegen Insektizide antreiben. Diese Erkenntnisse könnten künftige Strategien zur Bekämpfung der Parasiten entscheidend beeinflussen.

Warum Bettwanzen ein echtes Problem sind

Bettwanzen sind nicht nur eklig, sondern können auch ernsthafte Probleme verursachen. Zwar übertragen sie keine Krankheiten, doch ihre Bisse sorgen für juckende Haut, Schlafmangel, Angstzustände und in einigen Fällen allergische Reaktionen, so das US-amerikanische Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Starkes Kratzen kann zudem zu Sekundärinfektionen der Haut führen.

Die Entdeckung neuer Resistenzgene

„Wir haben eine große Anzahl von Genen identifiziert, die wahrscheinlich an der Insektizidresistenz beteiligt sind – viele davon wurden bisher noch nie mit Bettwanzenresistenz in Verbindung gebracht“, erklärte Kouhei Toga von der Hiroshima University, Erstautor der Studie, in einer Pressemitteilung der Universität.

Das Team analysierte das Genom von nicht-resistenten Bettwanzen, deren Vorfahren bereits in den 1960er-Jahren in Nagasaki eingefangen wurden, und verglich es mit dem Genom resistenter Bettwanzen, die 2010 in einem Hotel in Hiroshima entdeckt wurden. Dabei setzten sie auf eine neue „Durchbruch“-Methode namens Long-Read-Sequencing, mit der längere DNA-Abschnitte sequenziert werden können. Diese Technik ermöglichte eine nahezu fehlerfreie und lückenlose Kartierung beider Genome.

Im direkten Vergleich der beiden Genome fanden die Forscher hunderte Mutationen, die mit der Insektizidresistenz in Verbindung stehen. Besonders schockierend: Die resistenten Bettwanzen aus dem Hotel in Hiroshima erwiesen sich als unglaubliche 19.859-mal widerstandsfähiger gegenüber Pyrethroiden, einem der am häufigsten eingesetzten synthetischen Insektizide, als ihre nicht-resistenten Verwandten.

Welche Gene die Resistenz verstärken

„Wir haben das Genom einer insektizidresistenten Bettwanze entschlüsselt, die eine 20.000-fache Resistenz im Vergleich zu empfindlichen Bettwanzen aufwies“, erklärte Toga. „Durch den Vergleich der Aminosäuresequenzen zwischen empfindlichen und resistenten Bettwanzen haben wir 729 Transkripte mit resistenzspezifischen Mutationen identifiziert.“ Transkripte sind RNA-Moleküle, die genetische Anweisungen in Proteine übersetzen.

Die Ergebnisse bestätigen nicht nur zuvor entdeckte Resistenzmutationen, sondern deckten auch neue Gene auf. Diese Gene stehen im Zusammenhang mit DNA-Reparaturmechanismen, Zellzyklusregulation, Insulin-Stoffwechsel und Lysosomen-Funktionen – Prozesse, die offenbar eine Rolle bei der Entwicklung der Pyrethroid-Resistenz spielen.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Die Identifikation dieser Mutationen liefert neue genetische Werkzeuge, um die Resistenzentwicklung von Bettwanzen besser zu überwachen und langfristig effektivere Bekämpfungsstrategien zu entwickeln. Denn eines ist sicher: Nach der Bettwanzen-Plage von Paris 2023 will niemand, dass sich diese Horrorgeschichte wiederholt.

 

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