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Wissenschaft

Wann das Ei zum Star auf dem Teller wurde – Forscher lüften ein jahrtausendealtes Küchengeheimnis

Neue Funde aus Zentralasien zeigen: Bereits 400 v. Chr. wurden Hühner gezielt für ihre Eier gehalten – und läuteten damit einen weltweiten Ernährungstrend ein.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Unsere Liebe zu Frühstückseiern, pochierten Delikatessen oder fluffigem Baiser hat eine lange Geschichte – viel länger, als bisher gedacht. Archäologinnen und Archäologen haben nun Hinweise darauf entdeckt, dass Menschen in Zentralasien schon um 400 v. Chr. begannen, Vorfahren unserer heutigen Haushühner gezielt zur Eierproduktion zu halten. Und das hat nicht nur die Hühner beliebt gemacht, sondern sie auch zu einem globalen Erfolgsmodell in der Tierhaltung.

Vom Dschungel in den Stall

Dass unsere heutigen Hühner vom roten Dschungelhuhn abstammen, ist wissenschaftlich längst belegt. Doch wann genau diese wilden Vögel zu zahmen Eierlieferanten wurden, darüber wurde in Fachkreisen seit Jahren gestritten. Ein großes Problem dabei: Vogelknochen sind hohl und zerbrechlich, Eierschalen noch viel mehr – sie überstehen die Jahrtausende oft nicht so gut wie andere archäologische Überreste. Und nicht selten wurden Hühnerreste mit denen ähnlich großer Wildvögel wie Fasanen oder Gänsen verwechselt.

Die neue Studie, veröffentlicht im Fachjournal Nature Communications, bringt nun dank moderner genetischer Analysen deutlich mehr Klarheit in das Rätsel um die Domestizierung des Huhns.

Die Spur führt entlang der Seidenstraße

Ein internationales Forschungsteam untersuchte Bruchstücke von Eierschalen aus zwölf archäologischen Fundorten – alle entlang der einstigen Seidenstraße, jenem legendären Handelsnetzwerk zwischen Asien und Europa. Die Fragmente stammen aus verschiedenen Zeiträumen und sind bis zu 1.500 Jahre alt.

Und die Überraschung: An all diesen Orten fanden die Forschenden auffällig viele Eierschalen. Für Seniorautor Robert Spengler vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie in Jena ist das ein starkes Indiz dafür, dass Hühnereier damals ein gefragtes Gut waren – vielleicht sogar ein regelrechtes Handelsprodukt.

Noch spannender aber: Die Schalen legen nahe, dass die Eier nicht mehr nur saisonal gelegt wurden, wie es bei wilden Dschungelhühnern üblich ist. Stattdessen scheint es, als hätten diese frühen Haushühner ihre saisonale Brutpause bereits verloren – ein typisches Zeichen für Züchtung und gezielte Haltung.

„Das ist der früheste Nachweis für den Verlust des saisonalen Eierlegens in der Archäologie“, erklärt Spengler in einer Mitteilung des Instituts.

Zwischen 400 v. Chr. und 1000 n. Chr.: Der Siegeszug des Hühnereis

Aus den Daten schließen die Forschenden, dass Menschen in Zentralasien spätestens ab 400 v. Chr. damit begannen, Hühner gezielt wegen ihrer Eier zu halten. Dieser Trend zog sich offenbar bis ins Jahr 1000 n. Chr. – also über ein ganzes Jahrtausend. In dieser Zeit wurde das Huhn nicht nur als Nahrungsquelle, sondern auch als „Eierfabrik“ zunehmend attraktiv.

Die ständig verfügbare Proteinquelle machte die Tiere für viele Kulturen entlang der Seidenstraße besonders wertvoll – und bereitete damit den Boden für ihre endgültige Domestizierung und weltweite Verbreitung.

Die Herkunft des Huhns bleibt trotzdem kompliziert

Trotz dieser neuen Erkenntnisse bleiben viele Fragen rund um die Hühnerdomestikation offen. Einige Studien datieren den Beginn dieses Prozesses auf vor 10.000 Jahren, andere eher auf rund 5.400 Jahre zurück. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Hühner nicht nur einmal, sondern mehrfach unabhängig voneinander domestiziert wurden – vor allem in Südostasien und Indien. Möglicherweise waren dabei auch andere Vogelarten beteiligt, nicht nur das rote Dschungelhuhn.

Aber eines ist sicher: Die neuen Ergebnisse bringen uns einen entscheidenden Schritt näher an die Antwort, wie das Huhn seinen festen Platz in unserer Kultur und Küche erobert hat.

„Das ist ein wichtiger Baustein, um die wechselseitige Beziehung zwischen Mensch und Tier zu verstehen, die zur Domestizierung geführt hat“, so Spengler.

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