Zum Inhalt springen
News

Wahrscheinlichkeit eines Asteroideneinschlags 2032 steigt erneut – Neue Höchstwerte bei der Einschlagschance

Die Chancen, dass der Asteroid 2024 YR4 im Jahr 2032 die Erde trifft, sind erneut gestiegen – aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1 zu 32. Doch Experten betonen, dass diese Zahl mit weiteren Beobachtungen wahrscheinlich wieder sinken wird.
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Asteroid 2024 YR4 unter genauer Beobachtung

Erstmals entdeckt wurde 2024 YR4 am 27. Dezember 2024. Schnell wurde er von Astronomen als potenzielle Bedrohung für die Erde in acht Jahren eingestuft. Nun hat die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags den höchsten Wert seit seiner Entdeckung erreicht.

Laut den neuesten (und ständig aktualisierten) Berechnungen des NASA-Zentrums für erdnahe Objekte (CNEOS) liegt die Wahrscheinlichkeit eines Einschlages aktuell bei 1 zu 32. Das entspricht einer 3,1%igen Chance – oder anders ausgedrückt: einer 96,9%igen Wahrscheinlichkeit, dass der Asteroid die Erde verfehlt.

Diese Zahl ist sowohl beunruhigend als auch relativierend. Beunruhigend, weil 2024 YR4 die Rangliste der höchsten Einschlagswahrscheinlichkeiten aller derzeit überwachten Asteroiden anführt. Gleichzeitig bedeutet sie aber auch, dass die Chancen weiterhin gering sind.

Stetige Neuberechnungen durch NASA

NASA passt die Einschlagswahrscheinlichkeit kontinuierlich an – nicht nur für 2024 YR4, sondern für zahlreiche andere potenziell gefährliche Asteroiden (PHAs). Anfangs lag die Einschlagswahrscheinlichkeit bei 1 zu 83 (1,2%). Anfang Februar stieg dieser Wert auf 1 zu 63 (1,58%) und am 10. Februar sogar auf 1 zu 45 (2,2%). Nun hat sich die Wahrscheinlichkeit weiter auf 1 zu 32 erhöht, was NASA dazu veranlasst hat, Beobachtungszeit mit dem James-Webb-Weltraumteleskop zu reservieren, um genauere Daten zu sammeln.

Erfahrungsgemäß steigen die Wahrscheinlichkeiten zunächst, bevor sie mit präziseren Berechnungen wieder sinken. Bruce Betts, leitender Wissenschaftler der Planetary Society, erklärt: Je mehr Beobachtungen vorliegen, desto genauer kann der Kurs des Asteroiden berechnet werden. Falls die Erde weiterhin in dieser Unsicherheitszone bleibt, steigt die Einschlagswahrscheinlichkeit. Sobald jedoch präzise berechnet werden kann, dass die Erde nicht auf der Flugbahn liegt, wird die Wahrscheinlichkeit drastisch sinken.

Mögliche Auswirkungen eines Einschlages

Sollte 2024 YR4 die Erde treffen, wären die Folgen regional verheerend. Die geschätzte Größe des Asteroiden liegt zwischen 40 und 90 Metern Durchmesser. Selbst am unteren Ende dieser Skala könnte der Einschlag massive Zerstörungen verursachen – vergleichbar mit dem Tunguska-Ereignis von 1908, das eine Explosion von etwa 8 Megatonnen verursachte.

Laut dem International Asteroid Warning Network wären potenzielle Einschlagsregionen der östliche Pazifik, Teile von Südamerika, der Atlantik, Afrika, das Arabische Meer und Südasien.

Torino-Skala: 2024 YR4 bei Stufe 3

Aktuell wird 2024 YR4 auf der Torino-Skala mit Stufe 3 eingestuft. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags bei über 1% liegt und zu „lokaler Zerstörung“ führen könnte. Allerdings geht das CNEOS davon aus, dass mit neuen Daten die Einstufung bald auf 0 zurückgestuft wird. Trotzdem bleibt es entscheidend, den Asteroiden genau im Blick zu behalten.

Momentan entfernt sich 2024 YR4 von der Erde und wird erst 2028 wieder in ihrer Nähe vorbeifliegen – jedoch ohne Einschlagsrisiko. Ab April wird er so schwach sein, dass selbst die leistungsstärksten Teleskope ihn nicht mehr erfassen können. Bis dahin sammeln Astronomen so viele Daten wie möglich, denn danach gibt es für Jahre keine weiteren Beobachtungsmöglichkeiten.

Wissenschaftler arbeiten an genauer Flugbahn-Berechnung

Um die Flugbahn von 2024 YR4 exakter zu berechnen, müssen Astronomen zahlreiche Parameter analysieren: seine Geschwindigkeit, Rotation, Größe, Form, Dichte sowie Oberflächenmerkmale. Zudem spielt der sogenannte Yarkovsky-Effekt eine Rolle – eine nicht-gravitative Kraft, die durch ungleichmäßige Wärmeabstrahlung des Asteroiden seine Bahn beeinflussen kann.

Während die NASA mit der DART-Mission bewiesen hat, dass es möglich ist, die Bahn eines Asteroiden zu verändern, hofft die Wissenschaft, dass es nicht zu einem Szenario kommt, in dem eine Ablenkung notwendig wird. Derzeit konzentrieren sich Forscher darauf, die genaue Flugbahn zu bestimmen. Erst wenn sicher ist, dass keine Gefahr besteht, kann über weitere Maßnahmen nachgedacht werden.

Für den Moment bleibt abzuwarten, wie sich die Wahrscheinlichkeiten weiterentwickeln. Eines ist jedoch sicher: Die Wissenschaft hat die Situation im Blick – und solange die Erde nicht aus der Unsicherheitszone heraus ist, bleibt 2024 YR4 unter intensiver Beobachtung.

 

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel