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Wissenschaft

Vorher-Nachher-Satellitenbilder zeigen erschreckenden Gletscherschwund in den Schweizer Alpen

NASA-Satellitenbilder enthüllen drastische Veränderungen des größten Gletschers der Alpen innerhalb von 40 Jahren.
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Die Europäischen Alpen erstrecken sich über 1.000 Kilometer und verlaufen durch acht Länder. Ihre höher gelegenen, kühleren Regionen sind von tausenden Gletschern bedeckt. Doch neue Satellitenaufnahmen der NASA dokumentieren den dramatischen Rückgang eines der imposantesten Eisriesen der Region: des Großen Aletschgletschers.

Aufnahmen der NASA-Satelliten Landsat 5 und Landsat 8 aus den Jahren 1984 und 2024 zeigen das erschreckende Ausmaß der Schmelze. Der Gletscher hat sich in dieser Zeit um mehr als 1.300 Meter zurückgezogen und ist gleichzeitig schmaler geworden. Seine einst mächtige Eisschicht hat sich laut Daten des Schweizer Gletscher-Monitoring-Netzwerks (GLAMOS) um rund 43 Meter Wasserhöhe verdünnt.

Gletscherlandschaft im Wandel

Trotz einiger Wolken in der aktuellen Aufnahme lässt sich der Eisverlust nicht übersehen. Wo früher das strahlende Weiß des Eises Sonnenlicht reflektierte, dominieren nun graubraune Felslandschaften. Laut NASA war es noch zu früh im Jahr, um den Gletscher ohne saisonale Schneebedeckung zu fotografieren. Doch auch dieser vorübergehende Schnee kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Eisdecke jedes Jahr weiter schrumpft.

Und der Aletschgletscher ist kein Einzelfall. Auch andere Gletscher der Region ziehen sich rapide zurück. Der benachbarte Oberaletschgletscher hat seit 1984 mehr als 240 Meter an Länge verloren. Der Fieschergletscher ist in demselben Zeitraum sogar um etwa 1.000 Meter geschrumpft.

Extremjahr 2024: Rekord-Schmelze trotz Schneemassen

Laut einem Reuters-Bericht aus dem vergangenen Jahr erlebten die Schweizer Gletscher 2024 einen überdurchschnittlichen Eisverlust. Trotz starker Schneefälle im Winter und Frühjahr konnten die Massen nicht verhindern, dass der heiße August und die Ablagerung von Sahara-Staub zu einem dramatischen Abschmelzen führten. Der Staub reduzierte die Reflektionsfähigkeit des Eises, wodurch die Oberfläche noch schneller schmolz.

Allein im Jahr 2024 verloren die Schweizer Gletscher 2,5 Prozent ihres Gesamtvolumens. Seit der Jahrtausendwende sind in Mitteleuropa bereits 39 Prozent des Gletschereises verschwunden, wie Forscher in einer aktuellen Studie in Nature berichten.

Ein Blick in die Zukunft: Mehr Schmelze unausweichlich?

Die neuen NASA-Aufnahmen machen diese Entwicklung auf bedrückende Weise sichtbar. Nach einem der wärmsten Februare seit Beginn der Wetteraufzeichnungen besteht die Befürchtung, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzt. Experten rechnen damit, dass weitere erschreckende Vorher-Nachher-Bilder von schwindenden Gletschern folgen werden.

Klar ist: Die Auswirkungen des Klimawandels sind in den Alpen unübersehbar. Der fortschreitende Gletscherschwund ist nicht nur eine Umweltkatastrophe, sondern auch eine Gefahr für Wasserversorgung, Landschaftsbild und Tourismus. Die Frage ist nicht mehr, ob die Gletscher weiter schmelzen werden, sondern wie schnell es passiert – und was wir dagegen tun können.

 

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