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Wissenschaft

Vor 40.000 Jahren: Frühe Seefahrer beherrschten die Ozeane mit hochentwickelten Booten

Neue Studie deutet auf fortschrittliche Seefahrt in der Steinzeit hin
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Mitten im Pazifik, weit entfernt von jedem Festland, siedelten die Vorfahren der Polynesier zwischen 1100 und 900 v. Chr. Sie gelten seit Langem als eine der frühesten Seefahrer-Kulturen der Welt. Doch eine neue Studie legt nahe, dass Menschen in Südostasien bereits zehntausende Jahre vorher die Tiefsee eroberten.

Riczar Fuentes und Alfred Pawlik von der Ateneo de Manila University haben herausgefunden, dass prähistorische Südostasiaten vor rund 40.000 Jahren ausgeklügelte Boote bauten, um auf hoher See zu fischen und weite Distanzen über den Ozean zu reisen. Ihre Erkenntnisse wurden am 8. Februar im Journal of Archaeological Science veröffentlicht.

Indirekte Hinweise auf prähistorische Bootsbauer

Die Herausforderung bei der Erforschung früher Seefahrt liegt darin, dass Boote aus vergänglichen Materialien bestanden, die im Laufe der Zeit verrotteten. Daher gibt es keine direkten archäologischen Beweise. Stattdessen analysierten Fuentes und Pawlik Werkzeuge, Fischreste und andere Hinweise, um die Existenz dieser Boote zu rekonstruieren.

„Obwohl Fossilien und Artefakte zeigen, dass frühe Menschen das offene Meer überquerten, bleibt die Frage, warum und wie genau sie sich durch das Inselreich Südostasiens bewegten, weitgehend unbeantwortet“, schreiben die Forscher.

Ihre Untersuchung konzentrierte sich auf Steinwerkzeuge, die bis zu 40.000 Jahre alt sind. Diese Werkzeuge wiesen Spuren der Pflanzenverarbeitung auf, insbesondere für das Gewinnen von Fasern, die für Seile und Netze verwendet werden konnten – genau die Materialien, die für fortschrittliche Fischerei und Bootsbau benötigt werden.

An Fundorten auf den Philippinen (Mindoro) und in Timor-Leste entdeckten die Forscher zudem Angelhaken, Netze und Fischreste von Thunfischen und Haien. Diese Arten leben in tiefen Gewässern, weit entfernt von der Küste, was darauf hinweist, dass die Menschen der Steinzeit bereits die Kunst der Hochseefischerei beherrschten.

Hochentwickelte Navigation statt einfache Bambusflösse

„Diese frühen Migrationen geschahen nicht einfach auf fragilen Bambusflößen durch zufälliges Treibenlassen“, betonen Fuentes und Pawlik. Vielmehr zeigen ihre Erkenntnisse, dass diese Seefahrer äußerst versiert waren. Sie besaßen das Wissen und die Technologie, um über weite Strecken zu navigieren und abgelegene Inseln gezielt anzusteuern.

Die Fischfunde an den untersuchten Orten belegen zudem ein tiefgehendes Verständnis für die saisonalen Wanderungen von Meeresbewohnern. Ebenso belegen die prähistorischen Angelwerkzeuge, dass es bereits damals stabile und fein gearbeitete Seile und Angelschnüre gab – essenzielle Komponenten für die maritime Jagd.

Diese Entdeckungen verschieben den Zeitrahmen der Seefahrt dramatisch weiter zurück und zeigen, dass ausgeklügelte maritime Technologien und Navigationsfähigkeiten bereits lange vor den polynesischen Seefahrern existierten.

Nachbau prähistorischer Boote

Um ihre Theorien weiter zu untermauern, arbeiten Fuentes und Pawlik nun mit Marinearchitekten der Universität von Cebu zusammen. Ihr Ziel ist es, ein Boot mit den gleichen Materialien zu rekonstruieren, die den Steinzeitmenschen in Südostasien zur Verfügung standen. Dieser praktische Ansatz könnte weitere Einblicke in die Navigationsfähigkeiten und Bauweisen der frühen Seefahrer liefern.

Während die Beweise indirekt sind und Raum für Interpretationen lassen, werfen die Ergebnisse ein neues Licht auf das alte Rätsel, wie prähistorische Menschen die tödlichen Ozeane überquerten, um neue Inseln zu besiedeln. Die Vorstellung, dass bereits vor 40.000 Jahren komplexe maritime Technologien existierten, stellt unsere bisherigen Annahmen über die frühe Menschheitsgeschichte auf den Kopf.

 

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