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Vom Vorzeigeunternehmer zur Insolvenz: Was bei SHA jetzt auf dem Spiel steht

Noch vor wenigen Jahren wurde Tom Henning als Unternehmer des Jahres gefeiert. Jetzt kämpft er ums Überleben seiner Firma – und hofft auf einen Investor, der die Zukunft sichern kann.
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Lesezeit 3 Minuten

Er galt als Hoffnungsträger in der Region, sein Unternehmen als Erfolgsgeschichte aus eigener Kraft. Doch ausgerechnet Tom Henning, 2018 als „Unternehmer des Jahres“ ausgezeichnet, musste im Januar Insolvenz anmelden. Die Situation ist ernst – aber nicht hoffnungslos. Mitten im laufenden Investorenprozess stellt sich nicht nur die Frage, ob SHA überlebt, sondern auch: Was tut die Politik, wenn nicht nur große Konzerne, sondern mittelständische Betriebe in Schieflage geraten?

Insolvenzverfahren läuft – Hoffnung ruht auf Investor

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© unsplash – Getty Images

Die Ing. Siegmund Henning Anlagentechnik (SHA) mit Sitz in Ludwigslust und Picher ist auf Förderschnecken spezialisiert. Rund 55 bis 60 Arbeitsplätze hängen an dem Unternehmen. Ende Januar 2025 folgte der schwere Schritt: Insolvenz in Eigenverwaltung, unterstützt von der Kanzlei BBL und einem vorläufigen Insolvenzverwalter.

Laut Unternehmensgründer Tom Henning sei der laufende Investorenprozess „vielversprechend“. Ein möglicher Käufer habe Interesse, wolle den Betrieb in abgespeckter Form fortführen – aber nur zu einem wirtschaftlich tragbaren Preis. Henning:

„Er hat nicht für alle Anlagen Verwendung, würde aber das Gesamtpaket übernehmen – mit anderer Struktur und anderen Kosten.“

Erste Angebote liegen vor – Entscheidung fällt bald

Eine Sprecherin der Restrukturierungskanzlei bestätigt:

„Der Investorenprozess wurde angestoßen, erste Angebote liegen vor.“

Nach Ablauf der Frist soll der vorläufige Gläubigerausschuss gemeinsam mit der Insolvenzverwaltung entscheiden, welches Konzept die besten Chancen auf eine Sanierung bietet – und zugleich den Gläubigern gerecht wird. Eine Eröffnung des Verfahrens ist für den 1. Mai 2025 geplant.

Ziel bleibt die Veräußerung des Geschäftsbetriebs an einen Investor, der die bestehenden Strukturen nutzt, Arbeitsplätze erhält – und den Traditionsnamen SHA weiterführt.

Ursachen: Krisen, Fehlentscheidungen – und fehlende Hilfe

Die Gründe für die Schieflage sind vielfältig. Tom Henning nennt sie offen:

  • Auftragsrückgänge durch Ukrainekrieg, Energiepreise, Inflation und steigende Zinsen

  • ein zu schnelles Wachstum, das nicht durch Managementkapazitäten abgesichert war

  • fehlende Nähe zum Markt in Phasen, in denen Henning sich selbst um operative Abläufe kümmern musste

Hinzu kam ein akuter Liquiditätsengpass: Im Januar fehlten 450.000 Euro, eine Bank verweigerte einen kurzfristigen Überbrückungskredit. Damit war die Zahlungsunfähigkeit amtlich.

SHA als Beispiel für eine stille Krise im Mittelstand

Was Tom Henning besonders wurmt: Die oft fehlende Unterstützung für mittelständische Unternehmen in Krisensituationen.

„Werften und große Konzerne werden unterstützt – aber was passiert, wenn eine kleinere Firma mit 60 Beschäftigten ins Wanken gerät?“, fragt er.

Eine Anfrage an das Wirtschaftsministerium in Schwerin blieb bislang unbeantwortet. Dabei geht es nicht nur um sein Unternehmen: SHA steht exemplarisch für viele Betriebe, die nach Jahren multipler KrisenPandemie, Krieg, Lieferengpässe – keine Rücklagen mehr haben, aber noch immer funktionieren könnten.

Regionale Bedeutung – und enttäuschte Stimmen

SHA ist in der Region bekannt, auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig war bereits zu Besuch. Seit 2018 investierte das Unternehmen rund 5 Millionen Euro, gefördert durch öffentliche Mittel.

Doch auch lokale Zulieferer und Partner sind unter den Gläubigern – nicht alle reagierten verständnisvoll. Henning:

„Ich musste mir einiges anhören – von Enttäuschung bis Wut war alles dabei.“

Trotz allem erhalten die Mitarbeiter derzeit Insolvenzgeld, das zunächst bis zum 30. April 2025 gesichert ist.

Unternehmerverband schlägt Alarm

Pamela Buggenhagen, Geschäftsführerin des Unternehmerverbandes Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin, warnt:

„Besonders produzierende Firmen mit hohen Material- und Energiekosten sind betroffen.“

Die Betriebe seien teils seit der Wende gewachsen – nun stünden sie mit dem Rücken zur Wand.

Sie kritisiert die starre Haltung von Banken und Behörden:

„Manche Insolvenzen könnten durch wenige zehntausend Euro verhindert werden – doch es fehlt an Flexibilität. Stattdessen verlieren wir funktionierende Betriebe wegen kurzfristiger Engpässe.“

Zwischen Krise und zweiter Chance

SHA kämpft – mit einem engagierten Inhaber, einem potenziellen Käufer und einer Belegschaft, die an das Unternehmen glaubt. Ob der Neustart gelingt, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Klar ist: Nicht jede Insolvenz ist ein Scheitern – manchmal ist sie die letzte Chance auf einen Neuanfang.

Doch dafür braucht es nicht nur Investoren – sondern auch ein System, das mittelständischen Unternehmer:innen in der Krise die Hand reicht, bevor es zu spät ist.

Quelle: www.nordkurier.de

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