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Wissenschaft

Viren auf Zahnbürsten entdeckt: „So etwas haben wir noch nie gesehen!“

Wissenschaftler finden Hunderte unbekannte Viren auf Zahnbürsten und Duschköpfen
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Unsere Badezimmer sind wahre Hotspots für mikroskopisches Leben. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Zahnbürsten und Duschköpfe Hunderte verschiedener Viren beherbergen – viele davon waren bislang völlig unbekannt. Die gute Nachricht: Diese Viren sind harmlos für den Menschen.

Die Welt ist voller Viren, Bakterien und anderer Mikroorganismen. Die meisten davon sind für Menschen weder gefährlich noch schädlich. Tatsächlich können viele dieser Mikroben uns wertvolle Erkenntnisse über ihre Umgebung liefern – und einige könnten sogar praktische Anwendungen haben, beispielsweise zur Bekämpfung schädlicher Bakterien. Deshalb sind Wissenschaftler ständig auf der Suche nach neuen, unerforschten Mikrobiomen.

Völlig neue Viren in alltäglichen Gegenständen

Ein Team von Forschern der Northwestern University hat in einer aktuellen Studie, die in der Fachzeitschrift Frontiers in Microbiomes veröffentlicht wurde, genau diese unbekannten Viren untersucht. Die Studie ist eine Fortsetzung eines früheren Projekts mit dem treffenden Namen „Operation Pottymouth“, bei dem bisher kaum erforschte bakterielle Mikrobiome in unserer unmittelbaren Umgebung untersucht wurden.

„Es gibt so vieles in unserer Umgebung, das wir noch nicht verstehen – selbst bei den Dingen, die uns alltäglich erscheinen. Wir wollten wissen, welche Mikroben sich auf Zahnbürsten und Duschköpfen tummeln, weil wir täglich damit in Kontakt kommen, aber kaum wissen, was dort wirklich lebt“, erklärt die leitende Forscherin Erica Hartmann, Mikrobiologin und Professorin für Umwelttechnik an der Northwestern University.

Ihr Team entdeckte in den untersuchten Proben eine riesige Menge an Bakteriophagen, also Viren, die Bakterien infizieren. Insgesamt fanden sie über 600 verschiedene Arten, viele davon bislang unbekannt.

„Zahnbürsten und Duschköpfe beherbergen Phagen, wie wir sie noch nie zuvor gesehen haben. Und nicht nur das: Jedes einzelne untersuchte Exemplar hatte seine eigene, einzigartige Auswahl an Viren“, so Hartmann weiter. „Diese Vielfalt ist enorm und zeigt, dass es noch unzählige unentdeckte Phagen gibt.“

Könnte unser nächstes Antibiotikum aus dem Badezimmer stammen?

Bakteriophagen sind für Bakterien problematisch, nicht für Menschen. Tatsächlich werden Phagen bereits gezielt zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen eingesetzt, insbesondere bei Bakterien, die gegen Antibiotika resistent geworden sind. Die neu entdeckten Phagen könnten also eine medizinische Bedeutung haben.

„Es ist gut möglich, dass das nächste große Antibiotikum auf etwas basiert, das auf Ihrer Zahnbürste gewachsen ist. Selbst wenn diese Entdeckung nicht direkt zu neuen Medikamenten führt, ist es wichtig, die Vielfalt der Phagen zu erfassen. Das erweitert unser grundlegendes Verständnis der Biologie enorm“, sagt Hartmann.

Da wir bisher nur einen Bruchteil dieser Mikrobenwelt kennen, planen die Wissenschaftler, ihre Untersuchungen weiter auszubauen. Sie wollen Proben aus den unterschiedlichsten Umgebungen sammeln – sowohl aus unserem Alltag als auch aus exotischeren Orten – und neue Methoden entwickeln, um diese Mikroorganismen besser zu beobachten und zu verstehen.

„Letztlich geht es darum, ein umfassenderes Bild davon zu bekommen, mit welchen Mikroben wir täglich in Kontakt kommen. Das könnte zu neuen wissenschaftlichen Entdeckungen und innovativen Erfindungen führen, die sowohl unsere Gesundheit als auch die Umwelt schützen“, fasst Hartmann zusammen.

Ob also das nächste revolutionäre Medikament direkt aus unserem Badezimmer kommt, bleibt abzuwarten – doch eins steht fest: Unser alltägliches Umfeld steckt voller überraschender Geheimnisse.

 

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