Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Vikinger und Zahngesundheit: Ein Albtraum aus Infektionen und Schmerzen

Archäologische Untersuchungen zeigen schockierende Details aus dem Alltag der Nordmänner
Von Adam Kovac Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Wenn wir an Wikinger denken, stellen wir uns oft furchtlose Krieger vor, die mit Narben aus ihren Raubzügen zurückkehren. Doch die wahre Qual lag oft nicht in den Kämpfen, sondern in ihrem eigenen Körper: Zahnschmerzen, Ohrenentzündungen und Infektionen, gegen die es keine modernen Medikamente gab. Eine neue Studie zeigt nun, wie sehr die Wikinger unter diesen gesundheitlichen Problemen litten.

Schädelanalyse enthüllt erschreckende Befunde

2005 entdeckten Archäologen in der schwedischen Stadt Varnhem die Überreste von über 300 Wikingern. Diese stammten aus dem 10. bis 12. Jahrhundert, einer Zeit, in der sich die skandinavischen Völker bereits vom Heidentum abgewandt und dem Christentum zugewandt hatten. Um mehr über ihre Lebensumstände zu erfahren, wurden 15 Schädel von Menschen untersucht, die im Alter zwischen 20 und 60 Jahren verstorben waren.

Mittels hochmoderner CT-Scans analysierten Radiologen und Zahnärzte die inneren Strukturen der Knochen. Das Ergebnis? Ein echtes Horrorszenario. „Wir fanden zahlreiche Krankheitsanzeichen in den Schädeln dieser Menschen“, erklärte Carolina Bertilsson, Zahnärztin und Forscherin an der Universität Göteborg, die die Studie leitete. „Warum genau, wissen wir nicht. Da das Weichgewebe nicht mehr vorhanden ist, können wir nur die Spuren analysieren, die im Knochen zurückgeblieben sind.“

Zahnschmerzen und Infektionen ohne Schmerzmittel

Die Funde zeigen, dass 12 von 15 untersuchten Wikingern an periapikalen Läsionen litten – einer bakteriellen Infektion an der Zahnwurzel. Zehn der Individuen hatten Parodontitis, also entzündungsbedingte Knochendefekte, Knochenverlust oder sogar Furkationsbeteiligung – ein Zustand, bei dem der Kieferknochen so stark geschwächt wird, dass er sich an den Zahnwurzeln auflöst. Darüber hinaus zeigten mehrere Schädel schlecht verheilte oder deformierte Kieferknochen. Ein besonders auffälliger Fund: Ein Schädel wies verhärtetes Gewebe in der Nähe des Schläfenbeins auf – ein Zeichen für eine früher massive Ohrenentzündung, die sich wahrscheinlich ausgebreitet hatte.

Dennoch eine Überraschung: Trotz der katastrophalen Zahngesundheit hatten nur sechs der Wikinger zu Lebzeiten Zähne verloren – erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Zahnpasta erst viele Jahrhunderte später erfunden wurde.

Diese Ergebnisse geben einen beunruhigenden Einblick in das tägliche Leben vor 1.000 Jahren. Ohne moderne Schmerzmittel, Antibiotika oder Zahnpflege waren Infektionen keine kurzzeitige Unannehmlichkeit, sondern konnten über Jahre hinweg bestehen bleiben und qualvolle Schmerzen verursachen. „Solche Infektionen konnten sich hartnäckig halten“, erklärte Bertilsson.

Neue Forschungsmethoden ohne Zerstörung der Funde

Ein wichtiger Aspekt der Studie war die Verwendung von CT-Scans, um die menschlichen Überreste zu analysieren, ohne sie zu beschädigen. „Viele archäologische Methoden sind invasiv und erfordern das Entnehmen von Knochenteilen oder anderen Geweben für Analysen“, erklärte Bertilsson. „Mit dieser Technik können wir die Funde intakt lassen und trotzdem wertvolle Informationen gewinnen.“

Frühere Forschungen haben gezeigt, dass einige Wikinger ihren Zähnen durchaus Aufmerksamkeit schenkten. So wurden bei einigen Schädeln gezielt abgefeilte und mit Pigmenten gefärbte Zähne gefunden. Klingt cool, aber ein moderner Zahnarzt würde davon wahrscheinlich abraten.

Diese neue Studie gibt nicht nur faszinierende Einblicke in die Gesundheitsprobleme der Wikinger, sondern zeigt auch, wie fortschrittliche Technologie dazu beiträgt, die Vergangenheit zu entschlüsseln – ohne dabei wertvolle archäologische Funde zu zerstören.

 

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel