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Wissenschaft

Venus birgt ein beunruhigendes Geheimnis, das unser Wissen über die Erde verändern könnte

Eine neue Studie auf Basis von Daten der Sonde Magellan und modernen Simulationen stellt das traditionelle Bild der Venus als toten Planeten infrage. Die NASA und internationale Wissenschaftler:innen haben Anzeichen innerer Aktivität entdeckt, die sie überraschend stark den frühen Entwicklungsstadien der Erde annähern.
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Von einem toten Bruder zu einem geologisch lebendigen Planeten

Jahrelang galt die Venus als giftiger und lebensfeindlicher Zwilling unseres Planeten. Doch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse beginnen, dieses Klischee zu durchbrechen. Basierend auf alten Daten und moderner Technik hat die NASA Hinweise darauf gefunden, dass die Venus nicht nur geologisch aktiv ist – sondern unserer frühen Erde möglicherweise weit ähnlicher, als je gedacht.

Hinweise auf überraschende geologische Aktivität

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© Pixabay – AdisResic.

Ein in Science Advances veröffentlichter Artikel stellt das etablierte Bild von Venus grundlegend infrage. Mithilfe von Daten der Magellan-Sonde aus den 1990er Jahren und aktuellen geophysikalischen Simulationen konnten Forscher:innen nachweisen, dass die Venus möglicherweise über ein noch „schlagendes Herz“ verfügt.

Der Schlüssel zu dieser Entdeckung liegt in den sogenannten Coronae – kreisförmige Strukturen auf der Venusoberfläche. Sie könnten durch aufsteigendes heißes Material aus dem Mantel entstehen, das Druck auf die Kruste ausübt und sie dann in Ringform kollabieren lässt. Von 75 analysierten Coronae wiesen 52 Merkmale auf, die genau zu diesem Szenario passen.

Die Ergebnisse überraschten nicht nur durch ihre Präzision, sondern auch durch ihre Bedeutung für das Verständnis der Venus im Vergleich zur Erde. Laut Gael Cascioli vom Goddard Space Flight Center der NASA eröffnet die Studie „eine neuartige Sichtweise auf die suboberflächlichen Prozesse der Venus“.

Ein Spiegelbild der geologischen Vergangenheit der Erde

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© Pixabay – WikiImages.

Die Forschung ermöglicht auch einen neuen Vergleich zwischen Venus und unserem Heimatplaneten – allerdings nicht mit der Erde von heute, sondern mit jener vor Milliarden von Jahren. Anna Gülcher, Planeten-Geologin und Co-Autorin der Studie, vermutet, dass solche geologischen Prozesse einst auch auf der jungen Erde weit verbreitet waren.

Obwohl Venus keine aktiven Plattentektoniken besitzt, könnten ihre Mechanismen der Wärmeübertragung vertrauter sein, als bislang angenommen. In einigen Regionen ist die Kruste weniger als 65 Kilometer dick – dünn genug, um eine partielle Verschmelzung mit dem Mantel zu ermöglichen und so Material zurück ins Planeteninnere zu recyceln. Dies könnte Teile der vulkanischen Aktivität und die komplexe Atmosphäre der Venus erklären.

Laut Justin Filiberto, einem weiteren an der Forschung beteiligten Experten, hätte dieses interne Recycling direkte Auswirkungen auf die chemische Zusammensetzung der Oberfläche sowie auf die atmosphärische Dynamik des Planeten.

Neue Missionen auf der Suche nach Antworten

Angesichts dieser Entdeckungen wollen NASA und andere Raumfahrtagenturen nicht untätig bleiben. Mehrere ehrgeizige Missionen befinden sich bereits in Planung, um die Ähnlichkeiten zwischen Venus und Erde weiter zu erforschen.

Eine davon ist VERITAS, die mit hochauflösender Kartierung der Venusoberfläche Hinweise auf aktuelle tektonische oder vulkanische Aktivitäten liefern soll. Parallel dazu wird DAVINCI, eine für 2029 geplante Mission, die Atmosphäre und Oberflächenchemie der Venus mit einem völlig neuen Ansatz untersuchen.

Auch die Europäische Weltraumorganisation (ESA) beteiligt sich mit der Mission EnVision, die das Zusammenspiel zwischen Venusgeologie und -atmosphäre verstehen will. Laut der JPL-Wissenschaftlerin Suzanne Smrekar könnten diese Missionen „das Wissen über die geologische Entwicklung der Venus und ihre Verbindung zu unserem eigenen Planeten revolutionieren“.

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