Es gibt jetzt zwei große internationale Abkommen zum Schutz der globalen Gemeinschaft, an denen die Vereinigten Staaten nicht teilnehmen: Das Pariser Klimaabkommen, aus dem die Trump-Regierung bereits zum zweiten Mal ausgestiegen ist, und nun die Erklärung des Pariser KI-Aktionsgipfels. Diese forderte, dass die Entwicklung von künstlicher Intelligenz inklusiv, offen, ethisch, nachhaltig und sicher gestaltet wird. Unvorstellbar, oder?
Die USA sind mit ihrer Ablehnung nicht allein. Über 70 Regierungen und internationale Organisationen, darunter die Europäische Union, China und Indien, haben das Abkommen unterzeichnet. Das Vereinigte Königreich jedoch verweigerte ebenfalls seine Unterschrift, wie Politico berichtet. Eine offizielle Begründung blieb aus.
Die US-Regierung dagegen hielt mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. In seiner ersten internationalen Rede machte Vizepräsident JD Vance unmissverständlich klar, dass die USA nicht gewillt sind, sich von der Welt vorschreiben zu lassen, wie sie mit KI umgehen. Vance bezeichnete die Erklärung laut Reuters als „massive“ Regulierung und „autoritäre Zensur“.
Der Hauptgrund für die Ablehnung sei, dass die Trump-Regierung der Meinung ist, „exzessive Regulierung des KI-Sektors könnte eine transformierende Industrie abwürgen, gerade als sie abhebt.“ Sicheres Wachstum mit Leitplanken würde den Profit behindern – und das kommt nicht infrage.
Vance unterstrich, dass nicht nur die USA das Abkommen ablehnen, sondern dass sie „sicherstellen werden, dass die mächtigsten KI-Systeme in den USA entwickelt werden – mit amerikanischen Chips, die in den USA designt und produziert werden.“ Und obwohl er betonte, dass Amerika diesen Weg nicht allein gehen wird, stellte er klar: Wer mitkommen will, ist willkommen – aber nur, wenn er die ganze „inklusive und nachhaltige“ Agenda hinter sich lässt.
Ein weiteres Problem für Vance und die Trump-Regierung scheint China zu sein, das das Abkommen unterzeichnet hat. In seiner Rede warnte Vance vor „billiger Technologie auf dem Markt“, die „stark subventioniert und von autoritären Regimen exportiert“ werde. Er argumentierte, dass eine Zusammenarbeit mit diesen Ländern bedeute, sich „an einen autoritären Herren zu ketten, der sich in die Informationsinfrastruktur eingraben und sie übernehmen will.“ Obwohl er den chinesischen KI-Anbieter DeepSeek nicht namentlich erwähnte, lag die Anspielung auf dessen Open-Source-Chatbot, der mit amerikanischen Modellen konkurrieren kann, jedoch zu einem Bruchteil des Preises, auf der Hand.
Die Welt zeigte sich von der Entscheidung der USA enttäuscht, aber nicht überrascht. Und es sieht so aus, als ob der unregulierte Kurs der Trump-Regierung bereits Wirkung zeigt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron unterzeichnete zwar die Erklärung, kündigte aber gleichzeitig an, dass Frankreich die Bürokratie für KI-Investitionen und -Entwicklung abbauen werde. Auch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sagte, die EU werde gezielt „Bürokratie abbauen“ und ihre Investitionen in KI erhöhen.
Das entspricht ziemlich genau dem, was man bereits in der KI-Branche beobachtet. ChatGPTs öffentlicher Durchbruch war das Ergebnis eines Wettlaufs auf den Markt, nicht eines sicheren und durchdachten Entwicklungsprozesses. Mit ihrer Weigerung, die Erklärung des Pariser KI-Gipfels zu unterzeichnen, signalisiert die Trump-Regierung, dass genau das der Plan für die Industrie ist: Erst liefern, Konsequenzen später klären.