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Unmögliche Raumschiffe, unerbittliche Physik: Warum sehen wir noch keine fortgeschrittenen Zivilisationen am Himmel?

Die heutige Physik setzt scheinbar unüberwindbare Grenzen für alle, die von interstellaren Reisen à la Science-Fiction träumen. Der Astrophysiker Avi Loeb erklärt, warum Technologien wie negative Masse oder Warp-Antriebe vorerst unmöglich bleiben – und was wir stattdessen tun sollten, um echte Hinweise auf fortgeschrittene Zivilisationen zu finden.
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Könnten außerirdische Schiffe die bekannten Naturgesetze brechen?

Die Vorstellung existiert seit Jahrzehnten, doch die Wissenschaft bleibt skeptisch. Laut Avi Loeb, Astrophysiker an der Harvard University, lässt unser heutiges Wissen weder die Erzeugung negativer Masse noch die Manipulation von Raum und Zeit zu – wie es in Filmen gerne dargestellt wird. Doch das heißt nicht, dass wir die Suche nach außerirdischer Technologie aufgeben sollten. Im Gegenteil.

Vakuumenergie: viel Theorie, wenig praktische Nutzung

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© Unsplash – Andrej Sachov.

Die Quantenmechanik sagt eine Vakuumenergie voraus, die so stark wäre, dass sie die Entstehung von Galaxien verhindert hätte. In Wirklichkeit ist die gemessene Dichte dieser Energie aber so gering, dass sie nicht einmal ausreichen würde, um eine Glühbirne eine Minute lang zu betreiben – selbst wenn man sie aus einem Würfel von der Größe Manhattans gewinnen könnte.

Das widerlegt die beliebte Annahme, fortgeschrittene Zivilisationen könnten diese Energie für Antriebe nutzen. Zwar wird der Casimir-Effekt, der die Energiedichte zwischen zwei Platten verändert, oft als Beleg für ein manipulierbares Vakuum genannt – doch laut Loeb liefert dieser Effekt keine negative Masse. Tatsächlich bringen die Platten mehr Energie ein, als dem Vakuum entnommen wird, was jede auf diesem Prinzip basierende Antriebsidee unmöglich macht.

Die Physik erlaubt keine Abkürzungen

In einem Interview mit El Confidencial berichtete Loeb von einem Gespräch mit dem Physiker Juan Maldacena, der diese Sichtweise bestätigt: Negative Masse widerspricht fundamentalen Prinzipien wie der Energieerhaltung und den Gesetzen der Relativität. Ohne diese exotische Masse sind stabile Wurmlöcher oder Zeitmaschinen physikalisch nicht haltbar. Wären sie es doch, witzelt Loeb, hätten jüdische Wissenschaftler wohl schon längst versucht, Hitlers Aufstieg in der Vergangenheit zu verhindern.

Auch die Lichtgeschwindigkeit bleibt ein unüberwindbares Hindernis: Unsere heutigen Raketen erreichen gerade einmal 0,01 % dieser Geschwindigkeit. Das zeigt deutlich, wie weit wir noch entfernt sind – ganz ohne die physikalischen Gesetze zu brechen.

Den Himmel mit neuen Augen sehen

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© Unsplash – Nat.

Obwohl Zeitreisen und raumverzerrende Schiffe derzeit unmöglich sind, heißt das nicht, dass wir die Suche nach außerirdischer Technologie aufgeben sollten. Loeb schlägt vor, sich weniger auf Mikroben und mehr auf mögliche technologische Artefakte zu konzentrieren, die sich vielleicht in der Nähe der Erde befinden.

Das würde allerdings eine neue Verteilung von Forschungsgeldern in der Astronomie erfordern – sowie neue Werkzeuge wie fortgeschrittene KI und Sensoren, die auch für die nationale Sicherheit relevant sein könnten. Wie Loeb beim US-Kongress im Mai 2025 betonte, ist dies eine Investition, die sowohl der Wissenschaft als auch der Verteidigung zugutekommen kann.

Die Zukunft braucht neue Wege – und neue Physik

Zum Schluss teilt Loeb eine Nachricht, die er vom Gründer der Firma Dyson Swarm Corp erhielt – einem Projekt, das in den nächsten zwei Jahrhunderten eine Mega-Struktur um die Sonne errichten will. Doch Herausforderungen wie Mikrometeoriten, dynamische Stabilität und fehlende Materialien bleiben ungelöst.

Noch verstehen wir viele Aspekte des Universums nicht – etwa die wahre Natur dunkler Energie und dunkler Materie. Wird künftiges Wissen darüber den Bau interstellarer Schiffe ermöglichen? Vielleicht. Doch um das herauszufinden, müssen wir den Himmel mit anderen Augen betrachten. Wie Loeb es formuliert: Der Himmel ist nicht nur eine Grenze – er ist eine Einladung.

Quelle: El Confidencial.

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