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Wissenschaft

Und wenn Essen kein Genuss mehr wäre? Der beunruhigende Trend, sich wie Maschinen zu ernähren

Ein neuer Trend gewinnt in den sozialen Netzwerken an Boden: Menschen reduzieren ihre Ernährung auf eine repetitive und funktionale Mischung, ähnlich wie Tierfutter. Was verrät diese Praxis über unser Verhältnis zu Essen und Zeit?
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Lesezeit 2 Minuten

In einer beschleunigten Welt, in der jede Minute zählt, haben viele Menschen begonnen, ihre Ernährungsweise zu verändern, um sie effizienter zu gestalten. Für einige ist das Essen nicht länger ein sinnliches oder kulturelles Erlebnis, sondern eine mechanische Routine geworden. So entsteht der umstrittene Trend des „Human Kibble“, einer funktionalen Diät, die wenig Raum für Genuss lässt.

Eine Diät ohne Emotionen: Was ist „Human Kibble“?

Die Idee ist nicht ganz neu. Jennifer Aniston aß während der Dreharbeiten zu Friends jeden Tag denselben Salat mit genau abgemessenen Zutaten. Sie tat es aus Praktikabilität, um keine Zeit mit der Entscheidung fürs Mittagessen zu verlieren. Diese Denkweise, ins Extreme getrieben, ist es, die den „Human Kibble“-Trend antreibt.

Der Begriff bezieht sich auf eine Mischung aus gekochten Lebensmitteln, die in großen Mengen zubereitet und Tag für Tag ohne Veränderung oder Würze verzehrt wird. Der TikTok-Nutzer @myfoodisme2, der als Initiator des Phänomens gilt, behauptet, sich seit über fünf Jahren ausschließlich von dieser Mischung zu ernähren, bestehend aus Huhn, Hülsenfrüchten, Gemüse und Getreide. Der Schlüssel liegt darin, die Notwendigkeit des täglichen Kochens oder der Menüplanung zu eliminieren.

Essen oder nur Energie aufladen?

Und wenn Essen kein Genuss mehr wäre? Der beunruhigende Trend, sich wie Maschinen zu ernähren
© Barb Landro – Pexels

Diese Praxis wirft eine beunruhigende Frage auf: Wann haben wir aufgehört, das Essen zu genießen? In einer von Produktivität besessenen Gesellschaft ist das Essen für viele nur noch eine Methode zur Energiezufuhr geworden. Diese Logik ähnelt extremen Diäten wie OMAD, die vorschlagen, nur einmal täglich zu essen, um die Leistungsfähigkeit zu maximieren.

Doch Experten wie die Diätassistentin Tamara Duker Freuman warnen vor möglichen Konsequenzen. Der Mangel an Vielfalt kann zu Nährstoffdefiziten führen, und eine monotone Ernährung beeinflusst das Darmmikrobiom, was direkte Auswirkungen auf die Stimmung hat. Selbst der bloße Verzicht auf Genuss kann unser emotionales Verhältnis zum Essen verändern.

Gibt es eine andere Möglichkeit, ohne in Monotonie zu verfallen?

Angesichts dieses Trends schlagen einige Fachleute eine ausgewogenere Alternative vor: die bewusste Planung von Wochenmenüs. Diese Strategie ermöglicht es, Zeit und Aufwand zu sparen, ohne auf Vielfalt oder Essvergnügen zu verzichten. Im Voraus geplante, abwechslungsreiche und nahrhafte Gerichte können das Beste aus beiden Welten bieten: Effizienz und Wohlbefinden.

Fazit: Zwischen Genuss und Produktivität

Essen in „Treibstoff“ zu verwandeln, mag in einer beschleunigten Ära logisch erscheinen – aber zu welchem Preis? Kochen, Schmecken und Teilen bleiben grundlegende Handlungen für unsere körperliche und emotionale Gesundheit. Vielleicht geht es nicht darum, zwischen Effizienz und Genuss zu wählen, sondern einen Mittelweg zu finden, der es uns erlaubt, uns zu ernähren, ohne zu vergessen, dass Essen auch Leben bedeutet.

Quelle: Xataka.

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